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Sugardaddy-Prozess in Bonn: Prozess gegen drei Angeklagte hat begonnen

Landgericht Bonn : Höchste Sicherheitsvorkehrungen bei „Sugardaddy“-Prozess

Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen hat am Freitagmorgen der Prozess im sogenannten „Sugar-Daddy“-Fall vor dem Bonner Landgericht begonnen: Neben verschärften Einlasskontrollen für Zuschauer und Presse war auch die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort im Einsatz.

Noch bevor er die Anklageschrift verlesen konnte, hatte die Verteidigung die Ablösung des Staatsanwalts beantragt: Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen hat am Freitagmorgen der Prozess im sogenannten „Sugar-Daddy“-Fall vor dem Bonner Landgericht begonnen: Neben verschärften Einlasskontrollen für Zuschauer und Presse war auch die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort im Einsatz. Den drei Angeklagten, einer 31-jährigen Frau und zwei Männern im Alter von 27 und 36 Jahren, wird von der Staatsanwaltschaft Bonn gemeinschaftliche räuberische Erpressung vorgeworfen. Die Angeklagte befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm, weil sie sich den Ermittlungsbehörden gegenüber geständig gezeigt und dabei ihre Mittäter schwer belastet hatte.

Bis zur Verlesung der Anklage dauerte es fast anderthalb Stunden: Weil der Staatsanwalt dem mutmaßlichen Opfer im Vorfeld Akteneinsicht gewährt hatte, beantragten die Verteidiger der beiden angeklagten Männer dessen Ablösung. Darüber hat allerdings nicht das Gericht zu entscheiden, sondern der Vorgesetzte des Staatsanwalts. Und so nahm die Vorsitzende Richterin Kontakt zum leitenden Oberstaatsanwalt auf, der eine Ablösung zum gegenwärtigen Zeitpunkt ablehnte. Aber auch jetzt konnte die Anklage noch nicht verlesen werden. Die Verteidigung der zwei Männer beantragte nunmehr, die beteiligten Staatsanwälte vorab als Zeugen zu befragen, weil die Akte unvollständig sei. Insbesondere seien diverse von den Ermittlern mitgeschnittene Telefongespräche nicht verschriftet worden. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt und so konnte der Vertreter der Staatsanwaltschaft schließlich die Klageschrift verlesen.

Und die klingt wie eine Räuberpistole: Die Angeklagte, eine junge Prostituierte, soll über die Internetplattform „My Sugar-Daddy“ einen reichen 50-jährigen Geschäftsmann kennengelernt haben. Zwar soll der Mann der jungen Frau für sexuelle Dienstleistungen Monat für Monat 3000 Euro überwiesen haben. Schnell entwickelte sich aus der geschäftlichen aber auch eine private Beziehung; zumindest soll das der Geschädigte geglaubt haben. Mehrere Jahre soll sie die Rolle einer treuen Geliebten gespielt haben; in Wirklichkeit hatte sie aber bereits im Sommer 2015 den jüngeren Angeklagten kennengelernt und wohl auch lieben gelernt. Der Mann soll – wie auch der ältere Mitangeklagte – früher eine führende Position bei der Rockergruppe „United Tribuns“ bekleidet haben. Es war die Rede von Präsident und Vizepräsident.

Im Bonner Landgericht herrschten beim Sugardaddy-Prozess strenge Sicherheitsvorkehrungen Foto: Leif Kubik

Auf Initiative des Älteren soll das Trio dann gemeinsam beschlossen haben, den 50-Jährigen zu erpressen. Der soll über drei Jahre verteilt insgesamt 1.615.000 Euro gezahlt haben, um das Callgirl vor vermeintlichen Entführungen oder Gewalttaten der mit den „United Tribuns“ in inniger Feindschaft verbundenen Rockergruppe „Hells Angels“ zu schützen. Außerdem soll mit der Veröffentlichung kompromittierender Film-Aufnahmen gedroht worden sein.

Nach Ende der Beziehung zu dem Ex-Rocker soll die Frau die Masche „unter Aufrechterhaltung des bestehenden Bedrohungsszenarios“ mit zwei neuen Mittätern weitergesponnen haben. Der erneute Aufguss soll ihren Lover weitere 250.000 Euro gekostet haben.

Direkt im Anschluss an die Verlesung der Anklage nutzte die Verteidigung des 27-Jährigen die erst seit einigen Jahren bestehende Möglichkeit vor der Vernehmung der Angeklagten ein sogenanntes Opening Statement, also eine Eröffnungserklärung, zu halten: In dieser monierte die Verteidigung unter anderem eine „unheilige Zusammenarbeit“ zwischen Staatsanwaltschaft und dem mutmaßlich Geschädigten: „Wie soll das Gericht erkennen, was der Zeuge erlebt hat und was er aus den Akten kennt“, fragte ein Verteidiger rhetorisch. Offenbar versucht die Verteidigung zu suggerieren, dass das Opfer sich die Geschichte ausgedacht haben könnte. Denn der Geschäftsmann habe erst davon berichtet, als die Finanzbehörden wegen Untreue gegen ihn ermittelt hätten. Schließlich seien die angeklagten Taten ja erst aufs Tapet gekommen, als gegen das mutmaßliche Opfer bereits wegen Untreue ermittelt wurde und die von dem Geschäftsmann gezahlten Geldbeträge stammten nicht aus dessen Privatvermögen, sondern aus veruntreuten Firmengeldern.

Das Verfahren soll Ende des Monats fortgesetzt werden, mit einem Urteil wird frühestens im Dezember gerechnet.