Mathematische Spaziergänge in Bonn: Studenten und Dozenten der Uni Bonn fordern Schüler

Mathematische Spaziergänge in Bonn : Studenten und Dozenten der Uni Bonn fordern Schüler

Wie viel Wasser passt eigentlich in den Brunnen am Sterntor? Solchen Fragen haben sich Schüler des Collegiums Josephinum gestellt. Studenten und Dozenten der Uni Bonn haben sich die "Mathematische. Spaziergänge" für Schüler erdacht.

Wie viel Kubikmeter Wasser passen eigentlich in den Brunnen am Sterntor? 22 Schüler des Collegiums Josephinum Bonn machten am Freitagmorgen den Test. Mit Taschenrechner, Zollstock und Notizblock rechneten die Schüler der 9b mit Mathelehrerin Jutta Jungk-Scholz (45) am echten Objekt. Möglich macht das ein Lernheft, welches von Studenten und Dozenten der Universität Bonn ausgedacht wurde. Die "Mathematischen Spaziergänge" sollen Bonner Schulklassen der Stufen fünf bis neun an 40 Orte locken. Lehrerin Jungk-Scholz findet die Idee gut: "Die Schüler bekommen im Unterricht die Theorie vermittelt, aber wenn es um die Anwendung eines Zollstocks geht, haben sie noch einiges zu lernen", sagte sie.

Als erste Aufgabe sollten die Schüler bei den "Brunnenspielen" den Umfang des Brunnens ermitteln. Dafür legten sie ein Seil um den Rand und schnitten das Ende ab. Das Seil wurde dann mit dem Zollstock vermessen. "Das Problem ist, dass wir nur einen zwei Meter langen Zollstock haben, das Seil aber viel länger ist", erklärte Jonathan Remmy (14). Problem erkannt - Problem gelöst. Die Schüler legten das Seil einfach über den ganzen Platz und arbeiteten sich so langsam vorwärts. "Wir musste alle zwei Meter den Zollstock anlegen und haben dann einfach immer einen Finger drauf gehalten", sagte Luca Reuschenbach (14). Während Remmy die Daten ablas, hielten Dave Waldorf (14), Tino Trematerra (14) und Philip Hirn (13) das Seil mit ihren Füßen fest. Die Schüler zählten am Ende 29,7 Meter und zeigten sich überrascht. "Ich bin schon verblüfft, dass der Brunnen so einen großen Umfang hat", bekräftigt Remmy.

Autorin der "Brunnenspiele" ist Julia Schuster

Ohne die Teamarbeit wäre das Ergebnis nicht möglich gewesen und darum geht es auch, weiß Alex Tiedtke (14): "Wenn wir in der Gruppe zusammen Probleme lösen, macht das viel mehr Spaß, als alleine vor einem Buch zu hängen", sagte der Schüler und meinte weiter: "Es sei ja schon ein Unterschied, wenn man nicht nur Zahlen auf dem Papier, sondern auch etwas zum Anpacken hätte." Jungk-Scholz ist währenddessen vom Eifer ihrer Schüler begeistert: "Wenn die Schüler gemeinsam in Gruppen Matheaufgaben lösen, ist das Projekt schon gelungen", resümiert die Lehrerin.

Die Autorin der "Brunnenspiele" ist Julia Schuster (23). Die Studentin hat sich für die Schüler noch eine ganz besondere Aufgabe ausgedacht. Jedes Jahr wird für den Weihnachtsmarkt der Brunnen mit Sand aufgeschüttet. Die Schüler sollten daher berechnen, welches Volumen der Brunnen wohl hat und wie viele Tonnen Sand dafür benötigt werden. Die "Mathematischen Spaziergänge" in Bonn sind 2018 im Rahmen von Bachelorarbeiten im Lehramtsfach Mathematik entstanden. So wurde ein rund 80-seitiges Aufgabenheft von Studenten und Dozenten produziert. Mit dem Lernheft kann an Orten wie dem Marktplatz, in der Rheinaue oder im Botanischen Garten Mathematik gemacht werden.

„Resonanz für das Projekt ist riesig bei den Schulen“

Die Aufgaben sind so konzipiert, dass man sie nur vor Ort lösen kann, also abseits des Klassenzimmers. Und das soll auch das Ziel sein, wie Dozentin Antje Kiesel (35) erklärte: "Die Schüler erhalten die Chance, das in der Schule gelernte Wissen, an echten Fragestellungen zu testen." Dozent Thoralf Räsch (45) freute sich: "Die Resonanz für das Projekt ist riesig bei den Schulen." Viele Lehrer würden schon jetzt den Spaziergang als Ergänzung zu ihrem Unterricht aufnehmen. "Das Projekt wird vom Hausdorff-Center finanziert. Dort werden die Aufgaben auch in die Öffentlichkeitsarbeit eingebunden", sagte der Dozent. Im neuen Wintersemester sollen jetzt auch Aufgaben für die Klassen zehn bis 13 entstehen, erzählte Kiesel.

Weitere Infos gibt es auf der Seite der Uni Bonn.

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