Rat und Verwaltung sind weiter uneins: Streit um die Bäder will nicht enden

Rat und Verwaltung sind weiter uneins : Streit um die Bäder will nicht enden

Das Gezerre um die Bäder ging in der Sitzung des Sportausschusses am Dienstagabend weiter. Die Stadtverwaltung sei kopf- und führungslos, zu unflexibel, und alle Probleme seien hausgemacht, hatte die Ratsmehrheit von CDU, Grünen und FDP im Vorfeld kritisiert.

Das Sport- und Bäderamt erinnerte daran, dass die Beschlüsse von der Politik kamen und blieb bei seiner Haltung.

Fachkräfte in Bädern

Die Stadt geht nicht davon ab: Zwei ausgebildete Fachkräfte pro Schicht müssten es in den Freibädern sein, nicht eingerechnet Aushilfen mit DLRG-Rettungsschein für die Beckenaufsicht.

Die entsprechende Richtlinie schreibt nur eine Fachkraft vor, weshalb Herbert Kaupert (CDU) der Stadt "Hasenfüßigkeit" vorwarf und zu möglichen Rechtsfolgen bei einem Unfall meinte: "Ein BGH-Urteil aus dem Jahr 2000 sagt, das hängt von den Umständen des Einzelfalls ab." Und Rolf Beu (Grüne) fügte hinzu: "Es gibt keinen Fall, in dem Gerichte gegen eine Kommune urteilten, deshalb erwarten wir mehr Flexibilität."

Sportdezernent Martin Schumacher verteidigte, dass sein Amtsleiter Martin Herkt auf Nummer sicher gehe, denn: Es gehe auch um eine strafrechtliche Verantwortung. Jeder Richter prüfe den Einzelfall und schaue, ob ein Organisationsverschulden vorliege.

Allerdings sorgte Schumacher auch für ungläubige Gesichter, als er sagte: Wenn die Politik darauf beharre, sei es eben die "einzige Möglichkeit", die Frage der Fachkräfte gutachterlich zu klären. In den Augen der Politiker spiegelte sich die Antwort: Nicht schon wieder ein Gutachten.

Einen Tipp hatte Jürgen Repschläger (Linke): "Stellt einfach mehr Personal ein und nicht die Notwendigkeit des vorhandenen Personals infrage." Christos Katzidis (CDU) hatte eigene Infos zur Personalbesetzung in den Bädern: "Uns liegen Rückmeldungen vor, dass teilweise drei, vier oder fünf Fachkräfte in den Bädern sind."

Planung des Kombibades

Wo es entstehen soll, ist offener als je zuvor: Die Stadt hält lediglich den Standort in der Beueler Rheinaue für geeignet, für den Stadtsportbund kommt nur ein linksrheinischer Standort in Frage, wenn man danach Kurfürstenbad und Frankenbad schließen will.

Die Ratsmehrheit hält sich erst mal alles offen: Das Kombibad könne sowohl links wie auch rechts des Rheins gebaut werden, wurde beschlossen. Und der wieder ins Leben gerufene Projektbeirat Bäder solle die Festlegung auf einen Standort vorbereiten.

Die SPD vertrat einen anderen Ansatz: Sie forderte, auf das Kombibad zu verzichten und das Geld stattdessen in die Ertüchtigung der vorhandenen Bäder zu stecken. Eine Mehrheit war damit nicht zu holen, zumal Sportdezernent Schumacher sagte: "Bonn hat ein Qualitätsproblem bei den Bädern, aber kein Quantitätsproblem."

Vertrag Sportpark Nord

Auf der Zielgeraden ist der neue Vertrag zwischen Stadt und SSF Bonn für die Nutzung des Hallenbads und der Sporthallen im Sportpark Nord. Er soll voraussichtlich Anfang 2016 in Kraft treten und eine Laufzeit bis Ende 2027 haben.

Der Sportausschuss und die SSF-Mitglieder haben dem zugestimmt, endgültig entschieden wird am 21. Oktober im SGB-Betriebsausschuss. Die SSF betreiben das Bad im Sportpark Nord bereits seit 1979.

Freibadsaison 2016

Lehren will der Ausschuss aus dem Öffnungszeitendesaster dieser Saison ziehen. Die Stadt soll ihre konkrete Planung für 2016 bis zur nächsten Sitzung im Dezember vorlegen. Außerdem werden bis dahin exakte Besucherzahlen und detaillierte Auflistungen der Badaufsichten verlangt, und sie soll erneut zur Notwendigkeit von zwei Fachkräften pro Bad Stellung nehmen.