Kommentar zur Schließung des Blow-Ups: Stillstand und Verfall

Kommentar zur Schließung des Blow-Ups : Stillstand und Verfall

Im Nachtclub geht das Licht aus. Auch die Demonstrationen von Viva Viktoria werden nicht verhindern, dass sich die Blow-Up-Betreiber ab 1. Juli neue Räume suchen müssen.

Doppelt schade: Bonns Nachtleben ist ohnehin nicht üppig, und das Blow Up - eine ehemalige Rotlichtbar - genießt bei Szenegängern einen legendären Ruf. Ob das plüschig-halbseidene Konzept an einem anderen Ort funktioniert, ist ungewiss.

Andererseits: Ein Eigentümer kann mit seinem Haus verfahren, wie er es für richtig hält. Und was die Signa-Holding für richtig hält, ist bekannt: Sie will im Viktoriakarree ein Einkaufszentrum und eine Bibliothek bauen und hat deshalb etliche Millionen Euro investiert, um Grundstücke und Gebäude aufzukaufen - auch das, in dem das Blow Up sitzt. Für die Betreiber war damit klar, dass sie nicht bleiben können.

Zwar hat der Rat das Bauprojekt nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren von Viva Viktoria gestoppt. Signa zieht aber alle juristischen Register, um trotzdem bauen zu können. Nachvollziehbar also, dass die Firma auslaufende Mietverträge nicht langfristig verlängern will. Dem Blow Up und anderen Geschäftsleuten zumindest noch einmal ein oder zwei Jahre zu gewähren, wäre eine Geste des guten Willens gewesen - den hat Signa aber offenbar nicht (mehr).

Um das Viktoriakarree droht ein vergaberechtliches und gerichtliches Tauziehen, das Jahre dauern könnte. Jahre des Stillstands und des Verfalls. Stadtverwaltung und Rat sollten sich mit Signa an den Verhandlungstisch setzen, um das zu verhindern. Denn wer das Karree entwickeln will, kommt an den Österreichern mit ihren Schlüsselimmobilien kaum vorbei.

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