Mit dem Betriebsrat im FC-Zimmer: Steinmeier zu Besuch bei SGL Carbon und der Cyber-Armee

Mit dem Betriebsrat im FC-Zimmer : Steinmeier zu Besuch bei SGL Carbon und der Cyber-Armee

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht SGL Carbon, die Cyber-Armee in Bonn und spricht über Beethoven. Mit seinem Besuch bei SGL Carbon startet der Bundespräsident seinen zweiten Bonner Arbeitstag in dieser Woche.

Elke Büdenbender ist die Überraschung ins Gesicht geschrieben, als die früheren Auszubildenden von SGL Carbon in Mehlem ihr Gastgeschenk aus einer kleinen Pappkiste hervorholen. „Haben Sie gewusst, dass das die Lieblingstiere meines Mannes sind?“, fragt die Frau von Frank-Walter Steinmeier. Natürlich haben sie zuvor in Erfahrung gebracht, dass der Bundespräsident Elefanten besonders gern mag. Und so ist kürzlich in der Lehrwerkstatt des Firmenstandorts Meitingen bei Augsburg ein Carbon-Elefant gefertigt worden. Steinmeier sieht ihn mit großem Vergnügen. Ob er einen Ehrenplatz in der Villa Hammerschmidt bekommt?

Mit seinem Besuch bei SGL Carbon startet der Bundespräsident seinen zweiten Bonner Arbeitstag in dieser Woche. Es sei sein Wunsch, einen klassischen produzierenden Mittelständler zu besuchen, hat das Präsidialamt der Firma vor drei Monaten mitgeteilt. In Mehlem ist Steinmeier an der richtigen Adresse. 830 Mitarbeiter sind dort tätig, vor allem in der Produktion von synthetischem Graphit. Von sauberen Schmiermitteln spricht Geschäftsbereichsleiter Burkhard Straube. „Unsere Produkte befinden sich in Waschmaschinen, Spülmaschinen, in Kühlwasserpumpen, aber auch in Halbleitern und Solarmodulen“, sagt Vorstandschef Jürgen Köhler, „wir agieren im Verborgenen, sind also im wahrsten Sinne des Wortes ein Hidden Champion“, also ein verborgener Weltmarktführer.

Sehr interessiert sind Steinmeier und seine Frau vor allem an den Gesprächen mit den früheren Auszubildenden. Von Industriekauffrau Ekaterini Mazitzi wollen sie wissen, welche Kunden die Produkte bestellen. „Von großen Unternehmen bis zu kleinen Handwerkern“, so die 33-Jährige. „Die beiden haben sehr viel Interesse an uns und unserer Arbeit gezeigt, so dass wir gar nicht mehr aufgeregt waren“, sagt sie nachher dem GA. Da sind der Präsident und seine Frau schon weiter – beim Treffen mit dem Betriebsrat. Das findet übrigens im 1. FC. Köln-Zimmer statt, einem mit ein paar FC-Devotionalien ausgestatteten Versammlungsraum. Weil die Reporter dort nicht zugelassen sind, ist nicht überliefert, wie der Schalke-Fan Steinmeier darauf reagiert hat.

570 Menschen arbeiten in Plittersdorf

Es geht weiter nach Köln. Zu einer Realschule, die sich bemüht, Rassismus außen vor zu lassen, und zu einem Treffen mit Migranten im Integrationsprojekt „Coach“. Es sind nur wenige, mit denen sich Steinmeier dort trifft. Doch jeder kann eine ergreifende Geschichte erzählen – vom unbedingten Willen, die Chance zu ergreifen, die Bildung bietet. Beispielsweise Ronny Ciplik. Seine Familie fand aus Polen nach Köln. Der junge Mann drohte am Fach Englisch zu scheitern.

„Meine Eltern konnten nicht mehr für mich tun, als Vokabeln abzufragen.“ Er wurde auf „Coach“ aufmerksam, lernte Englisch und studierte schließlich Chemie. Heute steht er mit beiden Beinen im Berufsleben und mitten in der Gesellschaft. Eine junge Frau beschreibt sich als Wildfang, bevor sie zu dem Verein fand. Mathe? Katastrophal. „Ich habe hier Disziplin gelernt“, sagt sie. Ein sichtlich beeindruckter Bundespräsident vergisst übers Nachfragen seinen Zeitplan – und kommt mit 15 Minuten Verspätung im Kommando Cyber- und Informationsraum in Bonn an.

Vor einem Jahr ist es als neue Teilstreitkraft aufgestellt worden, inzwischen arbeiten 570 Menschen in Plittersdorf und versuchen von dort aus, Hackerangriffe abzuwehren. Ob er auch von den IT-Soldaten beeindruckt ist? Man weiß es nicht. Es handele sich nur um einen Bildtermin, sagt ein Bundeswehrsprecher. Das heißt so viel wie: Der Bundespräsident äußert sich nur hinter verschlossener Tür.

Zum Tagesausklang wendet er sich in der Villa Hammerschmidt der Kultur zu. Am Vorabend des Beethovenfests steht in Gegenwart von Intendantin Nike Wagner eine Annäherung an Beethoven auf dem Programm. Markus Meyer liest Richard Wagners „Eine Pilgerfahrt zu Beethoven“, ein Text, den Fatma Said und Roman Trekel musikalisch umrahmen. Der Bonner Intendantin dürfte gefallen, dass Steinmeier in seiner Begrüßungsrede darauf hinweist, dass nach jüngsten Erhebungen die Krise der Klassik nicht existent sei und Festivals wie das Würzburger Mozartfest jede Karte drei Mal verkaufen könnten. Steinmeier: „Und ich bin mir – mit den Verantwortlichen – sicher: Hier in Bonn wird das große Beethovenfest 2020, mit dem profilierten Programm, das Nike Wagner dafür vorbereitet, ähnliche Erfolgsnachrichten bringen.“

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