200-jähriges Bestehen der Universität: Steinmeier beim Festakt zum Jubiläum der Uni Bonn

200-jähriges Bestehen der Universität : Steinmeier beim Festakt zum Jubiläum der Uni Bonn

Mit einem Festakt und einem Festgottesdienst ist am Donnerstag das 200-jährige Bestehen der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn begangen worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist dazu in der Stadt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte von Wissenschaft und Hochschulen eine stärkere Beteiligung an den Debatten zu Gesellschaft und Demokratie in Deutschland. Er wünsche sich „Hochschulen mit selbstbewussten Menschen und überzeugten Demokraten“, die in der Universität das Denken und Debattieren lernten und „aus der Universität heraus in die Gesellschaft wirken“, sagte Steinmeier laut Redemanuskript. Zugleich lobten mehrere Redner die Hochschule für ihre erfolgreiche Ausrichtung als „Exzellenz-Uni“.

Der Bundespräsident erklärte beim Festakt im World Conference Center Bonn (WCCB): „Wir brauchen kluge Ideengeber aus der Wissenschaft nicht nur in Forschung und Lehre, wir brauchen sie in den öffentlichen Debatten unserer Zeit.“ Die Wissenschaft müsse „den Raum ausfüllen, der ihr in der Demokratie zusteht“.

Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die Universität als Ort der Demokratie und Ort der Freiheit verstanden und entwickelt werden. „Universitäten sind Orte, an denen die Freiheitsräume und Schutzrechte in einer Demokratie immer neu ausgelotet werden“, betonte Steinmeier. „Sie sind Orte der Diskussion über die Maßstäbe des Sagbaren und des Unsäglichen, über die Grenzen und den Nutzen neuer Ideen.“ In diesem Sinne hätten die Hochschullehrer eine „große Verantwortung für die Zukunft der Demokratie“ in Deutschland.

Zugleich erinnerte der Festredner an die Geschichte der Uni Bonn und verwies darauf, dass diese mit der „Geschichte der Demokratie in unserem Land“ und der Rolle der „provisorischen Hauptstadt“ verwoben sei. Die Debatten in der Bundesrepublik hätten auch die Bonner Studentenschaft bewegt. „Weder die 1968er- noch die Friedensbewegung haben vor dem kurfürstlichen Schloss haltgemacht, auch wenn die Proteste an den Universitäten in Westberlin oder Frankfurt vielleicht eine Nummer größer ausfielen.“ Zudem verwies Steinmeier auf die großen Friedensdemonstrationen, die in den 1980er Jahren auf der Hofgartenwiese stattfanden: „Das war Demokratie hautnah, zum Mitmachen und direkt vor der Haustür.“

Der stellvertretende NRW-Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) lobte das Selbstverständnis und die Qualität der Lehre, die „weit über die Grenzen unseres Landes“ ausstrahlten und dafür sorgten, dass viele ausländische Studenten die Uni Bonn besuchten. Landeswissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) verwies darauf, dass sich die Hochschule rechtzeitig zum Jubiläumsjahr „auf den Weg der Exzellenzstrategie begeben und als bundesweit erfolgreichste Universität abgeschnitten“ habe. Das belege, dass die Uni „für die Zukunft gerüstet“ sei, sagte Pfeiffer-Poensgen bei einer Podiumsdiskussion. So wurden der Uni erst im vergangenen Monat sechs sogenannten Exellenzcluster bewilligt.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski würdigte Universitäten als Orte gelebter Nächstenliebe. „An der Universität kann und wird das 'Wir' eingeübt, das prägend werden soll für unsere Gesellschaft“, sagte der leitende Geistliche der Evangelischen Kirche im Rheinland am Vormittag in einem Festgottesdienst. „Ob jung oder älter, ob Mann oder Frau, ob lehrberuflich aktiv oder an anderer Stelle mitarbeitend, der Blickwinkel ist verschieden, aber das Ziel ist dasselbe.“

Die Uni Bonn wurde im Jahr 1818 mit der Unterzeichnung der Gründungsurkunde durch König Friedrich Wilhelm III. von Preußen gegründet. An der Hochschule sind derzeit mehr als 38.000 Studenten eingeschrieben, davon knapp 4.000 aus dem Ausland. Sie bietet rund 200 Studienfächer und kooperiert mit zahlreichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen weltweit. Zu ihren Absolventen zählen die Nobelpreisträger Wolfgang Paul (Physik, 1989) und Reinhard Selten (Wirtschaftswissenschaften, 1994). Mit Gerd Faltings und Peter Scholze stellt die Universität die einzigen deutschen Träger der Fields-Medaille. Die Auszeichnung gilt als „Nobelpreis für Mathematik“.