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Strom abschalten ist letzte Lösung: Stadtwerke und Wohlfahrtsverbände arbeiten bei Härtefällen zusammen

Strom abschalten ist letzte Lösung : Stadtwerke und Wohlfahrtsverbände arbeiten bei Härtefällen zusammen

Wenn die Stromrechnung nicht mehr bezahlt werden kann, verpufft oft die Wirkung von Zahlungserinnerungen und Mahnungen. Ehe die Stadtwerke Bonn (SWB) ihren Kunden den Saft abdrehen, vergehen rund zwei Monate, in denen vier Schreiben verschickt werden.

"Das ist für uns die Ultima Ratio, wenn nichts anderes greift", sagt SWB-Sprecher Werner Schui. Das Unternehmen hat sich mit sozialen Einrichtungen zusammengesetzt, um das Abschalten des Stroms zu verhindern.

Um Menschen in finanziellen Notlagen besser helfen zu können, wurde bereits im vergangenen Jahr von Bonner Organisationen, den Stadtwerken als Grundversorger und der Stadtverwaltung eine enge Kooperation beschlossen. Jobcenter, Jugend- und Sozialamt, Verbraucherschutzzentrale, Erwerbslosenforum, Caritas, Diakonie und paritätischer Wohlfahrtsverband arbeiten zusammen. "Dadurch wollen wir verhindern, dass man plötzlich ohne Strom dasteht", sagt Monika Dohmen von der Sozialberatung der Caritas.

Ein Infoblatt in den Sprachen Deutsch, Englisch, Russisch, Türkisch und Arabisch soll den Kontakt für den säumigen Kunden erleichtern. "Je früher Sie sich bei uns melden, umso einfacher können Lösungen gefunden werden", heißt es da. Denn auch der Sperrprozess kostet Geld, was aber laut Schui nicht der Antrieb sei. "Als Grundversorger und kommunales Unternehmen sind wir den Bonnern gegenüber verpflichtet." Wenn es aber darum geht, Zahlen zu nennen, halten sich die Stadtwerke bedeckt. Wie oft der Strom abgeschaltet wurde, bleibt intern. Auch zu Entwicklungen gibt es keine Aussage.

Bei der Caritas haben in diesem Jahr schon 40 Menschen um Hilfe gebeten. "Die Gründe, warum der Strom abgestellt wird, sind vielfältig und immer individuell", weiß Dohmen. Wer Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe bezieht, habe meist nicht genug Geld, um die Stromrechnung zu bezahlen, weil die berechneten Bezüge dafür zu gering seien. "Dafür muss an anderer Stelle gespart werden." Seit einiger Zeit gibt es ein günstiges Darlehen, das über das Jobcenter zum Schuldenabbau beantragt werden kann. Deshalb sei die Zahl der Hilfesuchenden insgesamt leicht zurückgegangen. Bei Dohmen häufen sich die Fälle, in denen Bonner ohne solche Leistungsbezüge, viele davon Rentner, vor dem finanziellen Ruin stehen.

"Unser Ansatz ist die Hilfe zur Selbsthilfe", erklärt sie. So gebe es nicht nur eine kurzzeitige Geldspritze, sondern eine langfristige, ganzheitliche Beratung. Dann fährt beispielsweise Stephan Herpert von der Verbraucherzentrale Bonn raus, lokalisiert in den Wohnungen Stromfresser und gibt Tipps zum Stromsparen. "Dass der Zähler kaputt ist, erlebe ich selten", sagt er. Bei Härtefällen ist dieses Angebot kostenlos, es gibt aber auch einen Basis-Check für zehn Euro.

Fast immer findet das Netzwerk nach einiger Zeit einen Weg aus den Schulden, berichtet Monika Dohmen. Eine Familie betreut sie bereits seit zwei Jahren. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Stadtwerken könne mit einem Anruf ein Aufschub von zwei Wochen erreicht werden. "Die brauchen wir, um uns einzuarbeiten", sagt sie. Dohmen vermittelt danach beispielsweise neue Ratenzahlungen, damit ihre Klienten die Schulden abbauen können. Schwieriger wird es, wenn sie nicht Kunden bei den SWB sind. Meist bleibe da nur übrig, wieder zum Grundversorger zu wechseln. Andere Anbieter seien nicht so kulant und lockten zu Beginn mit günstigen Abschlägen. "Und am Jahresende kommt eine saftige Nachzahlung."