Tipps zur Besichtigung: Stadtplan ist anschauliches Zeugnis für das römische Bonn

Tipps zur Besichtigung : Stadtplan ist anschauliches Zeugnis für das römische Bonn

In Bonn gibt es anders als in Köln oder Trier nur wenige sichtbare Zeugnisse der römischen Vergangenheit. Am deutlichsten lässt sie sich nach Meinung von Frank Rumscheid, Professor für Klassische Archäologie an der Uni Bonn, und Erich Claßen vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege anhand des Stadtplans nachweisen.

Der Verlauf der heutigen Römerstraße und Nordstraße zeichnen die damaligen Hauptverbindungen im Legionslager nach. "Das finde ich besonders eindrucksvoll", meint Rumscheid. Beide Wissenschaftler halten einige Tipps für Bonner und Bonn-Besucher bereit, die sich für die römische Geschichte der Bundesstadt interessieren:

LVR Landesmuseum an der Colmantstraße

Ein Muss ist der Besuch des LVR Landesmuseums an der Colmantstraße, wo soeben die Ausstellung "Gebrochener Glanz - Römische Großbronzen am Unesco-Welterbe Limes" mit bislang unbekannten Statuenfunde diesseits der Alpen (Foto) zu Ende gegangen ist. Doch keine Sorge, es gibt dort noch genügend Exponate aus jener Zeit zu sehen. Von der Zeit der Römer erzählt eine der besten provinzialrömischen Sammlungen in Deutschland. Beliebt bei den kleinen Nachwuchsarchäologen ist der Mitmachbereich des Museums.

Dort können Kinder, aber auch Erwachsene spielerisch erfahren, wie Bonn und die Rheinlandschaft vor 2000 Jahren ausgesehen haben. So kann man in mit Sand gefüllten Kisten nach Scherben, Schmuck und Münzen graben - übrigens Nachbildungen von Fundstücken, die einst auf der WCCB-Baustelle ausgegraben worden waren (siehe Text oben). Außerdem kann man mit Legosteinen das einstige Lager in Bonn samt Lagervorstadt und Siedlung nachbauen. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr; samstags von 13 bis 18 Uhr. Eintritt: Erwachsene acht Euro, ermäßigt sechs Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 sind frei.

Haus der Geschichte an der Willy-Brandt-Allee

Sehenswert ist auch der noch gut erhaltene römische Keller aus dem 2. Jahrhundert nach Christus, der 1989 bei den Bauarbeiten für das Haus der Geschichte an der Willy-Brandt-Allee 1 entdeckt wurde und jetzt dort im Keller ausgestellt ist. Möglicherweise handelt es sich um den Vorratskeller einer Taverne oder einer Küche. Außerdem sind in Vitrinen rund um den römischen Keller Gegenstände des Alltags ausgestellt: Von Götterstatuen über Geschirr bis hin zu zahlreichen Webgewichten. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags, von 9 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 10 Uhr bis 18 Uhr. Eintritt frei.

Collegium Albertinum an der Adenauerallee

Originalreste einer römischen Thermenanlage sind im Collegium Albertinum an der Adenauerallee zu finden. Das 1892 fertiggestellte Theologenkonvikt des Erzbistums Köln befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen römischen Siedlung und steht unter Denkmalschutz. Die in den 1980er Jahren bei Sanierungsarbeiten des Albertinums entdeckte Thermenanlage gehörte den Wissenschaftlern zufolge zu einem Komplex von sieben Gebäuden, der zwischen der ehemaligen römischen Lagervorstadt im Norden und dem Gräberfeld im Süden lag. Es wird vermutet, dass der Komplex dem römischen Militär oder der römischen Finanzverwaltung diente. Das Badezimmer benutzte der kommandierende Offizier, der Präfekt. Die Badanlage ist tagsüber über eine Treppe im linken Gebäudeteil bis ca. 20 Uhr kostenlos zu besichtigen. Adresse: Adenauerallee 19, Rufnummer 0228/26740.

Fünf-Rollen-Flaschenzug an der Ecke Römerstraße/Augustusring

Auch wenn es sich bei dem "Pentapastos", einem Fünf-Rollen-Flaschenzug an der Ecke Römerstraße/Augustusring, lediglich um die Nachbildung eines Krans handelt, wie ihn römische Bauarbeiter bedienten: Für Experten ist diese Rekonstruktion trotzdem ein lohnenswertes Ziel, zeigt der Kran doch sehr genau, wie dieses Gerät funktionierte. Eine Hürther Kranfirma schenkte ihn der Stadt Bonn anlässlich ihrer 2000-Jahr-Feier im Jahre 1989. Ursprünglich stand das Modell am Berliner Platz.

Es musste aber versetzt werden, als die Stadthaus-Loggia errichtet wurde. 1997 wurde der Kran schließlich am heutigen Standort wieder aufgebaut. Auf historischem Boden übrigens, denn in unmittelbarer Nachbarschaft befand sich der Hafen des römischen Legionslagers, wo das Originalgerät vor 2000 Jahren durchaus im Einsatz gewesen sein könnte. 2005 musste der Kran, dessen Holzteile morsch geworden waren, für 28.000 Euro saniert werden. Rund 13.000 Euro hatte der Ortsausschuss damals an Spenden für die Restaurierung gesammelt, den Rest steuerte die Stadt bei.

Pizzaofen an der Theaterstraße

Pizzaofen nennen die Mitarbeiter der Stadtwerke Bonn den römischen Backofen aus dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus. Entdeckt wurde er zufällig bei den Ausschachtungsarbeiten der Stadtwerke Bonn für ihre Tiefgarage in den 1980er Jahren. Ein Nachbau kann bei den Stadtwerken Bonn an der Theaterstraße zu den regulären Öffnungszeiten besichtigt werden.

Wer noch mehr über das römische Bonn erfahren will, ist bei den kostenlosen, etwa zweistündigen Führungen des Vereins Altertumsfreunde im Rheinlande richtig. Er lädt noch zweimal in diesem Jahr zu Führungen ein: am 17. August und 14. September. Treffpunkt ist jeweils um 15 Uhr am Albertinum. Weitere Infos auf www.av-rheinland.de.

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