Areal an der Ferdinandstraße: Stadt will Kanalsystem anpassen

Areal an der Ferdinandstraße : Stadt will Kanalsystem anpassen

Das könnte ein Teilerfolg für die Anwohner der Ferdinandstraße und des Blumengartens sein, denen bei Starkregen immer wieder die Keller mit Wasser volllaufen.

Die Stadt Bonn will nun prüfen, ob durch Umbauten am Kanalsystem oder einer anderen Abflussregulierung die Schäden künftig zu verringern sind.

Das ist deshalb bemerkenswert, weil das Tiefbauamt sonst immer darauf verweist, dass die Bonner Kanäle nicht für jede Menge an Wasser ausgelegt seien und die Bürger selbst Vorsorge treffen müssten. Jetzt der Schwenk: Ganz offensichtlich handele es sich im Umfeld der hangabwärts verlaufenden Ferdinandstraße um einen Bereich, an dem die Folgen der Starkregen besonders stark auftreten, begründet die Stadt in einem Schriftstück, warum man nun eine Ausnahme machen will.

Tiefbauamtsleiter Peter Esch fügt hinzu: "Auch wenn gemeinhin darauf hingewiesen wird, dass der Umbau des gesamten Kanalsystems ökonomisch und technisch unerwünscht ist, scheint es dennoch notwendig, an besonders sensiblen Stellen die Abführung des Niederschlagswassers zu verändern oder zu optimieren."

Für die Familie Vogel, die diese Sache ins Rollen brachte, nachdem das Wasser wiederholt in ihre Garage lief (der GA berichtete), sind das alles andere als die gewohnt schlechten Nachrichten. "Das wäre auf jeden Fall ein großer Erfolg für uns", sagte Professor Jürgen Vogel. Gerade erst hat das Ehepaar Urlaub gehabt, sei aber zu Hause geblieben, "aus Angst vor erneuter Überschwemmung."

Außerdem hat er erfahren: "Auch am Ippendorfer Westhang existieren die Probleme." Da habe die Stadt eine Drainage auf den Kanal gelegt und die Angelegenheit sei damit gelöst worden. "Das müsste auch bei uns gehen", glaubt seine Frau Heidi. "Dazu müsste man noch nicht einmal die Straße aufmachen."

Amtsleiter Esch hat seine neue Einschätzung der Lage übrigens genau an dem Tag abgezeichnet, als der General-Anzeiger über die Spekulationen über den angeblich existierenden Fluss Wische berichtete. Die Stadt hatte wie berichtet zwar keine Hinweise auf dessen Existenz gefunden, doch die Anwohner blieben dabei: "Diesen Fluss gibt es."

Der städtischen Wendung zugrunde lag ein einstimmig beschlossener SPD-Antrag, in dem die Bezirksvertretung Bonn Anfang November Überprüfungen einforderte. Denn, wie Stadtverordnete Gabriele Klingmüller begründete: "Das Hangrelief, hohe Grundwasserstände und eine zunehmende Versiegelung des Bodens durch Baumaßnahmen in der Nachbarschaft treffen hier extrem ungünstig aufeinander." Und das, obwohl die Betroffenen die empfohlenen Schutzmaßnahmen getroffen hätten.

Zeitgleich hatte das Ehepaar Vogel Druck gemacht und Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch geschrieben: "Mit großer Verwunderung müssen wir feststellen, dass auf unseren Bürgerantrag und die Bürgerversammlung vor Ort bis heute keine Maßnahmen erfolgt sind." Jetzt sei die Stadt am Zuge, die Bürger ließen sich nicht mehr mit Ausflüchten und Verschiebungen abspeisen.

Ein Gutachter, den das Ehepaar selbst engagierte, sei zudem zu dem Schluss gelangt, dass der Grundwasserspiegel gestiegen sei. Das führen die Betroffenen auf den Bau des Smetana-Carrées zurück (ehemals Tschechische Botschaft). Bis 2003 sei in dem Altbau das Wasser ständig abgepumpt worden. Als das mit dem Berlin-Umzug endete, hatte das Folgen. Und mit dem Start des Neubaus seien dann größere Wassermengen aufgetreten.

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