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Maikundgebung auf den Bonner Marktplatz: Stadt soll mehr investieren

Maikundgebung auf den Bonner Marktplatz : Stadt soll mehr investieren

An der Warnweste hingen Toilettenpapier und Klobürste, und der Spruch auf dem Rücken sowie der Pfeil nach unten zeigten an, wo die Verdi-Gewerkschafter die Befristung von Arbeitsverträgen verorten.

In diesem Outfit kam auch Karin Gierszewski gestern zur Maikundgebung auf den Marktplatz, wo sie mit vielen anderen Gleichgesinnten für Arbeitnehmerrechte und gegen Krieg, Aufrüstung und Freihandelsabkommen demonstrierte. "Weil man ja doch die Hoffnung nicht aufgibt, dass der Kapitalismus mal zu einem Ende kommt", sagte sie.

Die Kundgebungen am 1. Mai jährten sich gestern zum 125. Mal. Rund 300 Bonner Demonstranten marschierten laut Polizei vom DGB-Haus an der Endenicher Straße zum Marktplatz, wo sich schließlich insgesamt rund 1000 Menschen versammelten. Parteien, Gewerkschaften und andere Organisationen hatten Stände aufgebaut, und in der Menge bewegten sich Teilnehmer mit Pappschildern, auf denen das Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes geschrieben stand: "Die Arbeit der Zukunft gestalten wir."

Die Arbeit der Zukunft, das sei zum Beispiel familienfreundliche und gerecht entlohnte Arbeit für Frauen und Männer, sagte der neue Bonner SPD-Vorsitzende Gabriel Kunze. Eine Arbeit, "wo man sich nicht von einer Vertragsverlängerung zur nächsten hangeln muss". Mit dem Mindestlohn habe man einen ersten Schritt gemacht, aber in den anderen Punkten sei man noch nicht so weit gekommen.

"Wenn wir von Zukunft der Arbeit sprechen, dann müssen wir die Arbeitsbedingungen in den Blick nehmen", sagte der Hauptredner der Kundgebung, DGB-Kreisverbandschef Ingo Degenhardt. "Der Mensch und nicht das Produkt muss im Mittelpunkt von Veränderungsprozessen stehen." Es müsse um den Wert der Arbeit gehen, was sich aber noch nicht in den Einkommen widerspiegele. "Wir alle stehen am heutigen Tag in einer 125-jährigen Tradition der Gewerkschaftsbewegung." Dass das möglich sei, ohne verfolgt zu werden, sei eine der Errungenschaften der Gewerkschaftsgeschichte, zu der es derzeit im DGB-Haus eine Ausstellung gibt.

Er lobte die Einführung des Mindestlohnes als einer der zentralen Erfolge der deutschen Gewerkschaften und kritisierte die Unternehmen, die ihn als Bürokratiemonster bezeichneten. "Statt weiterer Ausnahmen brauchen wir wirksame Kontrollen", appellierte Degenhardt in Richtung Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch die Rente mit 63 sei als Erfolg zu verbuchen.

In der Bundesstadt Bonn müsse es mehr bezahlbaren Wohnraum und mehr Arbeitsplätze geben. Dazu nahm er die drei OB-Kandidaten von CDU, SPD und Grünen in die Pflicht, die unter den Teilnehmern waren. "Auf diesen Umstand sollten Sie ein besonderes Augenmerk legen." Rat und Verwaltung sollten ihre Verantwortung im Personalbereich ernst nehmen. Außerdem müsse wieder mehr investiert werden. "In vielen Kommunen wird nur noch der Mangel verwaltet", kritisierte Degenhardt.