Medizinische Versorgung für die Ärmsten: Stadt hat Jahrespartnerschaft mit den German Doctors

Medizinische Versorgung für die Ärmsten : Stadt hat Jahrespartnerschaft mit den German Doctors

Das Kleinkind in einem Slum im indischen Kalkutta bekam keine Luft mehr. Ihr Sohn sterbe, wenn Gerda Kohrs ihn nicht heile, weinte die verzweifelte Mutter. Die Bonner Ärztin Kohrs, die über viele Jahre für die Hilfsorganisation German Doctors unentgeltlich in den Armengebieten der Welt im Einsatz ist, merkte rasch, dass das nach Luft ringende Kerlchen Erbrochenes eingeatmet hatte und die Lunge in der nächsten Klinik frei gesaugt werden musste. Sie habe sofort durchgesetzt, dass eine Ambulanz vorfahre, und dann dem kleinen Patienten während einer Horrorfahrt durchs Verkehrschaos Kalkuttas wenigstens kleinste Mengen Sauerstoff zuführe, erzählt die erfahrene Ärztin. Im Spurttempo sei sie dann mit dem Kind im Arm in die Klinik gerannt: Und der Junge konnte vor dem sicheren Tod gerettet werden. Gerda Kohrs atmet durch. Und erinnert sich auch gerne an die überschäumende Freude der Mutter.

Kohrs ist mit ihren Kolleginnen Sylvia Brenner und Nathalie Rans zur Pressekonferenz in die Bad Godesberger Zentrale der German Doctors gekommen. Die Jahrespartnerschaft des Vereins mit der Stadt Bonn wird gerade von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und Harald Kischlat, Vorstand von German Doctors, besiegelt. "Sie verbinden in Ihrer Arbeit am internationalen Standort Bonn die Themen Entwicklungszusammenarbeit und freiwilliges Engagement", lobt Nimptsch den Einsatz der Nichtregierungsorganisation besonders in Indien, Bangladesch und auf den Philippinen. Die drei Bonner Ärztinnen seien mit ihrer Kollegin Julia Doßmann Botschafterinnen der Bundesstadt, weil sie besonders Kinder, Schwangere und Mütter in Armenhospitälern vor Ort versorgten und die medizinische Versorgung der Ärmsten in Tuberkulose-Ambulanzen sicherstellten.

Der German-Doctors-Vorstand Kischlat sah die Ernennung zum Jahrespartner 2015 als Bestätigung für den Umzug der Organisation von Frankfurt an den Rhein an. "In der zusätzlichen Aufmerksamkeit sehen wir nun eine Chance, noch mehr für unser Engagement zu sensibilisieren. Wir gehen nur zu Menschen, die sich keinen Arztbesuch leisten könnten und deren einzige Chance auf Gesundheit die für sie kostenlosen Hilfe ist", betonte er.

Im vorigen Jahr hätten aus Bonn in jeweils sechswöchigen Einsätzen 30 Ärzte gearbeitet. "Man kann davon ausgehen, dass unsere Ärzte jeden Tag 1500 Patienten in den ärmsten Ländern versorgen." Die Mediziner müssten eine mindestens eineinhalbjährige Praxis vorweisen und körperlich und psychisch belastbar sein, nannte Lisa Suus-Braun die Voraussetzungen. German Doctors biete eine einjährige Fortbildung, die die Ärzte auf die Einsatzgebiete vorbereite.

"Für mich ist diese Tätigkeit genau richtig, weil ich auch im Ruhestand etwas Sinnvolles tun will", meinte die Kinderärztin Sylvi Brenner, die nun auf den Philippinen Dienst tun will. Sie kehre immer wieder mit Herzblut in die Slums von Kalkutta zurück, ergänzte die junge Kollegin Nathalie Rans. "Zuerst muss man sich freikämpfen und viele neue Krankheitsbilder kennenlernen, die es bei uns ja gar nicht gibt", erläutert sie. Doch dann erfahre man, wie wichtig es sei, den Ärmsten eine Basisversorgung zu bieten.

German Doctors

Der Verein entsendet unentgeltlich arbeitende Ärzte zuHilfseinsätzen in derzeit neun Projekte in sechs Ländern.Unabhängig von Religion, Herkunft, Staatsangehörigkeit undpolitischer Überzeugung wurden seit 1983 mehr als 6450 Einsätze mitrund 3000 Ärzten durchgeführt. Dabei wurden schätzungsweise zwölfMillionen Patienten behandelt. Der Verein finanziert sich ausSpenden, Bundesmitteln für die Entwicklungszusammenarbeit sowieBußgeldeinnahmen. ham