Geplante Maßnahme: Stadt Bonn will Trinkern am Johanneskreuz die Sitzpoller nehmen

Geplante Maßnahme : Stadt Bonn will Trinkern am Johanneskreuz die Sitzpoller nehmen

Der Platz am Johanneskreuz am Rande der Altstadt ist ein beliebter Ort der Trinkerszene - zum Missfallen der Anwohner. Die Stadt Bonn will nun handeln.

Vor sechs Jahren ist der Platz am Johanneskreuz am Rande der Altstadt in die Schlagzeilen geraten, weil Anwohner sich über die regelmäßigen Treffen von Trinkern und Drogenabhängigen beschwert hatten. Sie pöbelten und blockierten die Hauseingänge zu den Wohnungen, in denen auch Familien und Rentner leben, so der Vorwurf. Das Maßnahmenpaket, das damals gemeinsam auch mit Hilfe der Anwohner erarbeitet wurde, hat nun den Sozialausschuss erreicht. Das letzte Wort dazu hat in der kommenden Woche der Rat.

Die Verwaltung schlägt vor, 13 Steinpoller, auf denen die Gruppe sich regelmäßig niederlässt, zu entfernen und durch neun Stahlpoller zu ersetzen. Neben einer Fortführung der Arbeit von Sozialarbeitern ist eine intensivere Pflege der Grünanlagen geplant. Und nicht zuletzt, um das wilde Parken auf dem Platz zu verhindern, wird über eine Erweiterung der Außengastronomie nachgedacht, etwa per Ausschreibung für einen Markt- oder Caféstand.

Auf Antrag der Sozialliberalen soll die Verwaltung auch prüfen, ob eine mobile Toilette aufgebaut werden kann. Die Grünen schlagen vor, auch ein festinstalliertes WC in Betracht zu ziehen. Bisher nutzt die Gruppe zum Ärger der Hausbewohner meist die Hauswände zur Verrichtung der Notdurft. Über den Standort für ein WC soll die Stadt auch mit dem Gemeinschaftskrankenhaus reden, das nebenan das Sankt-Johannes-Gesundheitszentrum betreibt.

Politik befürchtet Verdrängungseffekt

Der Sozialausschuss trug den Vorschlag der Verwaltung allerdings nicht in Gänze mit. Er lehnte den Abbau der Sitzpoller ab. Annette Standop (Grüne) begründete das mit den folgenden Worten: „Wir nehmen den Menschen die Grundlage weg, weshalb sie dort hinkommen.“ Auch Bernhard von Grünberg (SPD) befürchtet einen „Verdrängungseffekt“.

In Gang gesetzt hatte die Debatte vor sechs Jahren Oliver Ueberholz mit einem Schreiben an die Stadt. „Seitdem hat sich die Lage eher verschlimmert, gerade in der wärmeren Jahreszeit versammeln sich mehrere Dutzend Menschen am Johanneskreuz“, sagte Ueberholz am Donnerstag. Er zeigte sich verwundert, dass der Ausschuss das Entfernen der Sitzpoller ablehnte.

Lärm und Beschimpfungen

„Das ist eine zentraler Punkt der Anwohner gewesen.“ Die Idee dahinter sei eine Verschiebung weg von den Hauseingängen vor dem Supermarkt hin zum nahen Brunnen. Ein Anwohner berichtete, dass ihn vor allem der Lärm und die Beschimpfungen ärgerten. Einige wären aggressiv.

Aus Sicht von Armin Rave aus dem Musikladen City-Musik hat sich die Szene weiter vor den Supermarkt verschoben, seit das Gitarrengeschäft nach Absprache mit der Stadt auf den Pollern vor dem Laden Blumenkübel deponiert hat. Die Versammlungen erlebt er als weitgehend friedlich, mit gelegentlichen Auseinandersetzungen untereinander. Die Menschen seien die gleichen geblieben. Zur Idee einer öffentlichen Toilette merkte er an: Wenn die Benutzung Geld koste, werde wohl weiter eher die Wohnungswand genutzt.