Jedes fünfte Kind lebt unterhalb der Armutsgrenze: Stadt Bonn will Schulfrühstück einführen

Jedes fünfte Kind lebt unterhalb der Armutsgrenze : Stadt Bonn will Schulfrühstück einführen

Die Stadtverwaltung soll die Einführung eines Schulfrühstücks an den Grundschulen mit entsprechendem Bedarf prüfen. Das hat der Schulausschuss in seiner jüngsten Sitzung auf Anregung des Runden Tisches gegen Kinderarmut beschlossen.

Ein Blick in die Butterbrotdose von manchen Grundschulkindern zeigt: Gesund ist das oftmals nicht, was sie zum Frühstücken in die Schule mitbringen – wenn sie denn überhaupt etwas dabei haben. Ganz zu schweigen davon, dass sie zu Hause nichts gefrühstückt haben. Der Runde Tisch gegen Kinder- und Familienarmut fordert deshalb schon lange die Einführung eines Schulfrühstücks an Schulen mit entsprechendem Bedarf. Der Schulausschuss hat nun per interfraktionellem Antrag die Verwaltung mit der Prüfung dieses Anliegens beauftragt.

Jedes fünfte Kind in Bonn lebt dem Runden Tisch zufolge unterhalb der Armutsgrenze. Das wirke sich unmittelbar auf die Bildungschance aus. Wenn Kinder außerdem morgens hungrig zur Schule kämen, weil sie zu Hause kein Frühstück erhielten, müsse dem entgegengesteuert werden, war sich das Gros im Ausschuss einig. Deshalb soll die Verwaltung prüfen, ob die Einführung eines Schulfrühstücks an ausgewählten Modellschulen möglich ist und Varianten darstellen, wie das Ganze finanziert werden könne.

Frühstücksangebot gibt es an einigen Schulen schon

Der Prüfauftrag fand bis auf die Allianz für Bonn (AfB) die Zustimmung aller Fraktionen. Als indes die SPD dafür vorsorglich rund 500.000 Euro bereitstellen wollte, war die Einigkeit nicht mehr so groß. Der Ausschuss verwies diesen Antrag mit Mehrheit ohne Votum an den Finanzausschuss. Sehr zur Verärgerung von Dörthe Ewald (SPD): „Wenn wir das Projekt an ausgewählten Schulen schon nächstes Schuljahr einführen wollen, dann müssen wir dafür auch das Geld bereitstellen. Sonst sind es doch wieder nur Sonntagsreden.“

Und wie sehen die Schulen das Thema? Stefan Werker leitet die Grundschule in Medinghoven und steht der generellen Einführung eines Schulfrühstücks eher verhalten gegenüber. „Wir haben zwar viele Kinder aus sozialschwachen Familien, aber bei den meisten klappt es, dass sie ihren Kindern zumindest ein Frühstück mitgeben.“ Das nähmen die Kinder wie an den meisten anderen Grundschulen auch gemeinsam ein. Die Eltern würden angehalten, ihren Kindern möglichst keine Süßigkeiten mitzugeben. „Daran müssen wir aber ständig arbeiten“, räumt Werker ein. Für etwa zehn bis 15 Schüler, deren Eltern früh zur Arbeit müssten, gebe es seit einigen Jahren ohnehin ein aus Spenden finanziertes Frühstücksangebot.

Ähnlich argumentiert Christiane Lang-Winter, die die Kettlererschule in Dransdorf leitet. Auch sie setzt auf Beratung und die Einsichtsfähigkeit der Eltern, die es mit dem Frühstück nicht so genau nähmen. „Das klappt natürlich nicht bei allen.“ Deshalb gibt es auch an ihrer Schule längst für rund 30 Kinder ein von der Schule zur Verfügung gestelltes Frühstück, das ebenfalls aus Spenden finanziert werde. „Um dieses Geld muss ich mich aber stets sehr bemühen“, sagte sie. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass viele Eltern gar nicht wollen, dass ihre Kinder vor Schulbeginn in der Schule frühstücken sollen und nicht mehr zu Hause.“

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