Diskussionen im Hauptausschuss: Stadt Bonn soll Standorte für ein Taubenhaus prüfen

Diskussionen im Hauptausschuss : Stadt Bonn soll Standorte für ein Taubenhaus prüfen

Die Verwaltung soll prüfen, ob in der Bonner Innenstadt ein Taubenhaus errichtet werden kann. Das beschloss der Hauptausschuss in seiner jüngsten Sitzung. Die Linken hatten eine schonende Regulierung des Taubenbestandes in der Bonner City gefordert.

Der Hauptausschuss diskutiert mögliche Plätze für ein Taubenhaus in der Bonner Innenstadt. Dabei sollen mögliche Standorte am Friedensplatz, an der Kaiserpassage und auf dem Windeckbunker geprüft werden. Weitere vorgeschlagene Standorte wie das Alte Rathaus oder die frühere VHS an der Wilhelmstraße fanden keine Mehrheit. Die statische Prüfung eines möglichen Standortes soll vorerst unterbleiben. Erst wenn die Ergebnisse darauf hindeuten, dass sich ein geeigneter Platz und fachkundige Personen zum Betrieb eines Taubenhauses vergleichbar mit denen in Bad Godesberg finden lässt, will sich der Hauptausschuss erneut mit dem Thema befassen. SPD-Ratsfraktionschefin Angelika Esch kritisierte das Ergebnis: „Wieder wird bei einem Thema unnötig Zeit vergeudet.“

Die Linken hatten in einer früheren Sitzung eine Prüfung für den Bereich zwischen dem Bonner Busbahnhof und dem Hauptgebäude der Universität beantragt. „Angesichts der hohen Population von Stadttauben besteht ein großer Bedarf einer schonenden Regulierung, um Tierleid abzumildern und auch nicht unbeträchtliche Kosten für Stadt und Stadtwerke für zusätzliche Reinigungskosten und Vergrämungsmaßnahmen zu reduzieren“, argumentierte Hanno Raußendorf. Dazu sei in Abstimmung mit dem Tierschutzverein Bonn und der Bonner Taubenhilfe ein Vorschlag für die spätere Betreuung des Taubenhauses zu entwickeln.

Daraufhin schloss sich die Mehrheit im Umweltausschuss jedoch erst einmal dem Ergänzungsantrag der SPD-Fraktionsvorsitzenden Angelika Esch an. Der fordert, die Verwaltung möge auf der Sitzung am Donnerstag beziffern, welche Schäden und in welcher Höhe Reinigungskosten im Bereich des Bonner Zentrums überhaupt durch Tauben verursacht werden und ob diese Schäden ein vergleichbares Ausmaß hätten wie seinerzeit am Godesberger Theaterplatz. Die Verwaltung hatte 2012 nach jahrelangem Druck Godesberger Geschäftsleute auf dem Dach des Schauspielhauses ein Taubenhaus errichtet. Die Linken zogen nun diesen Taubenschlag als positives Beispiel für eine schonende Eindämmung der Population auch in Bonn heran.

Auf GA-Anfrage antwortete Jürgen Bruder, Vorsitzender von Bad Godesberg Stadtmarketing, dass ihm keine Klagen von Geschäftsleuten rund um den Theaterplatz mehr bekannt seien. „Die Taubenplage ist aus dem aktuellen Beschwerdeblock verschwunden.“ Wenn das Thema auch in Bonn virulent sei, „kann unser Beispiel sicher hilfreich sein.“ Auch die Verwaltung bestätigte auf Anfrage, dass der Betrieb des Godesberger Hauses zu einer Befriedung zwischen Taubenliebhabern und -gegnern geführt habe. Die dort angesiedelten Vögel würden durch die Arbeitsgemeinschaft Stadttauben Bonn ehrenamtlich betreut, erläuterte Kristina Buchmiller vom Presseamt. Das umfasse den Austausch der Eier durch Ei-Attrappen zur Eindämmung der Population sowie eine artgerechte Fütterung der Tiere. Dazu komme die Reinigung der Nistplätze im Haus, wo der größte Teil des Taubenkots anfalle.

Es sei nicht bekannt, welche personellen Ressourcen der Betrieb eines Bonner Taubenhauses erfordere, und die Verwaltung könne kein Personal zur Verfügung stellen, gibt Buchmiller zu bedenken. Welche Voraussetzungen muss denn ein Bonner Taubenhaus unbedingt erfüllen? „Aufgrund der außerordentlichen Standorttreue der Tauben muss das Taubenhaus zu den Tauben kommen. Das bedeutet, dass es in unmittelbarer Nähe des Ortes errichtet werden muss, wo viele Tauben leben“, so die Verwaltung. Der Standort müsse vor Vandalismus geschützt sein und jederzeit von den betreuenden Personen angefahren werden können. Zudem sollten Strom, Wasser und Lagerkapazitäten verfügbar sein. Und nicht zuletzt müsse seitens der Nachbarschaft eine Akzeptanz bestehen. In ihrer Stellungnahme für die Ausschüsse hatte die Verwaltung zudem darauf hingewiesen, dass bei den Standortuntersuchungen auch statische Aspekte berücksichtigt werden müssten, wofür Planungsmittel in Höhe von etwa 20.000 Euro zu veranschlagen seien.