Sparkurs in Bonner Kulturszene: Stadt Bonn plant Kürzung bei Beethovenfest

Sparkurs in Bonner Kulturszene : Stadt Bonn plant Kürzung bei Beethovenfest

Kämmerin Margarete Heidler setzt in der Kultur den Rotstift an. Für höhere Zuschüsse, die Bonns freie Kulturmacher beantragt haben, plant sie keinerlei Mittel im nächsten Haushalt ein.

Der freien Kulturszene droht ein finanzieller Schock. Ob Junges Theater, Springmaus oder Jazzfest – fast alle haben die Stadt wegen steigender Kosten dringend um Erhöhung ihrer Zuschüsse gebeten. Doch Kämmerin Margarete Heidler plant dafür im Doppelhaushalt 2019/2020 kein Geld ein. Das Gesamtbudget für die freien Träger soll bis 2023 sogar von 2,5 auf 2,2 Millionen Euro im Jahr sinken. Und ab 2021 will die Kämmerin beim Beethovenfest den Rotstift ansetzen. Jetzt ist der Stadtrat am Zug.

Das vertrauliche Papier aus der Kulturverwaltung des scheidenden Dezernenten Martin Schumacher liest sich wie ein Hilferuf an die Fraktionen. Auf rund 377 000 Euro summiert sich der ungedeckte Mehrbedarf der freien Szene ab 2019 (siehe Tabelle). Die Kulturmacher begründen ihre Anträge damit, dass die Stadt die Förderung trotz wachsender Betriebs-, Personal- und Sachkosten seit Jahren nicht erhöht habe, heißt es in der Unterlage zu den Haushaltsberatungen des Rates. Die Antragsteller sähen die eigene Existenz und die kulturelle Vielfalt der Stadt gefährdet. Und weiter: „Die Verwaltung kann den Anträgen, die sie im Wesentlichen für begründet erachtet, mangels Haushaltsmitteln nicht entsprechen.“

Bleiben die Zuschüsse stabil?

Kämmerin Heidler plant auch Einschnitte bei der Beethovenpflege. Dieses Budget soll von 2,3 Millionen Euro in den nächten zwei Jahren auf 1,5 Millionen ab dem Jahr 2021 sinken – also direkt nach dem Festjahr zum 250. Geburtstag des Komponisten. Das Beethovenhaus in der Bonngasse hat jedoch eine Zuschusserhöhung um rund 60 000 Euro auf 365 000 ab 2019 beantragt, um die laufenden Kosten nach der bevorstehenden Erweiterung des Museums finanzieren zu können. Nur wenn die Stadt mehr gibt, fließen auch die schon vereinbarten Zusatzmittel vom Bund und vom Land NRW.

Für die Internationale Beethovenfeste Bonn GmbH, wie die gemeinnützige Stadttochter offiziell heißt, sieht der Haushaltsentwurf vor, den Jahreszuschuss ab 2021 von 1,6 auf 1,2 Millionen Euro zu kürzen – das wäre die gleiche Summe, die dem Beethovenfest bis zu einer Erhöhung vor wenigen Jahren zur Verfügung stand. Für Intendantin Nike Wagner und den kaufmännischen Geschäftsführer Dettloff Schwerdtfeger scheint das undenkbar zu sein. „Wir gehen fest davon aus, dass die städtischen Zuschüsse über 2020 hinaus stabil bleiben, wenn nicht ansteigen“, schreiben sie in einer Antwort auf eine GA-Anfrage. „Alles andere würde die enorme Leistungsbereitschaft zur Feier des 250. Geburtstages von Ludwig van Beethoven im Jahr 2020 und die damit beabsichtigte Stärkung der Beethovenstadt Bonn und des Beethovenfestes desavouieren.“

Beide warnen vor einem „verheerenden Signal“ für Bürger, die sich seit Jahrzehnten für das Beethovenfest engagierten, für Sponsoren und Förderer. Wagner und Schwerdtfeger erinnern daran, dass vor allem der Bund, aber auch das Land das Jubiläumsjahr mit Millionensummen fördern. In Berlin und Düsseldorf sei man daran interessiert, „das Beethovenfest als überregionale und nationale Aufgabe zu begreifen und zu unterstützen“.

Koalition kritisiert die Stadt

Was der Rat bei der Haushaltsverabschiedung tatsächlich beschließt, bleibt abzuwarten. Das Presseamt kommentiert die aktuelle Situation nicht und verweist auf den Kulturausschuss, der am Donnerstag hinter verschlossenen Türen über die Zuschüsse diskutieren soll. Die Koalition aus CDU, Grünen und FDP berät noch: Zu einzelnen Kultureinrichtungen will man sich deshalb nicht äußern.

Ähnlich ist es bei der SPD. Die Koalition kritisiert in einer gemeinsamen Erklärung allerdings die Stadt: „Es ist eine besondere Situation, dass die Verwaltung uns zu den zusätzlich beantragten Mitteln mitteilt, dass sie diese für begründet hält, das Geld aber gleichwohl nicht in den Haushaltsentwurf eingestellt hat.“

Unbesorgt sein können unterdessen das städtische Theater und das Beethoven Orchester. Deren Zuschüsse sind über den Generalintendantenvertrag mit Bernhard Helmich bis 2022 garantiert. Allein in diesem Jahr erhalten Oper und Schauspiel rund 30 Millionen Euro. Und: Das Land NRW will seine Förderung stark erhöhen. Laut einer städtischen Beschlussvorlage klettert der NRW-Zuschuss für das Theater von jährlich 1,7 Millionen Euro auf 2,5 Millionen Euro im Jahr 2022; beim Orchester ist es ein Zuwachs von 460 000 auf 840 000 Euro. Die Stadt darf ihre eigenen Zahlungen allerdings nicht um diese Summen kürzen.

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