Meteorologe kündigt weitere Messungen an: Stadt Bonn hat kein Interesse an "privaten" Feinstaubdaten

Meteorologe kündigt weitere Messungen an : Stadt Bonn hat kein Interesse an "privaten" Feinstaubdaten

Politiker sollen sich nicht mit den Messergebnissen des Meteorologen Karsten Brandt beschäftigen. Das geht aus einer Beschlussvorlage an den Umweltausschuss hervor.

Die Bonner Stadtverwaltung will sich nicht mit den Messungen des Bonner Meteorologen Karsten Brandt zur Feinstaubbelastung in der Stadt auseinandersetzen. In einer Beschlussvorlage an den Umweltausschuss empfiehlt das städtische Umweltamt, Brandt nicht im Ausschuss anzuhören. Die Fraktion Bürger Bund Bonn (BBB) hatte Oberbürgermeister Ashok Sridharan zuvor in Folge eines Berichtes im General-Anzeiger aufgefordert, Brandt als Berichterstatter einzuladen.

Wie berichtet, hat Brandt ein Jahr lang die Feinstaub-Belastung seiner beiden Kinder auf deren Schulwegen dokumentiert – und das nicht wie EU-weit üblich in drei Metern Höhe, sondern in Atemhöhe der Kinder. Dabei hatte der Durchschnittswert von 196 Messtagen in einem Fall mit 26,6 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft über dem gesetzlich zulässigen Jahresdurchschnitt von 25 Mikrogramm gelegen. An 86 Tagen wurde der Durchschnittswert überschritten. Beim zweiten Kind lag die Feinstaubbelastung an 72 Tagen über dem gesetzlichen Durchschnitt. Hier wurde das zulässige Jahresmittel mit 23,4 Mikrogramm zwar nicht gerissen. Allerdings soll der verbindliche Durchschnittswert 2020 auf 20 Mikrogramm sinken.

Ergebnisse "sind nicht gerichtsfest"

Die Laser-Messgeräte, die Brandt eingesetzt hat, entsprächen nicht den Anforderungen an amtliche Messsysteme und seien daher nicht gerichtsfest, argumentiert die Leiterin des Umweltamts Ute Zolondek in ihrer Stellungnahme. Derartige Messkampagnen könnten „keinesfalls“ amtliche Messungen ergänzen.

Zudem sieht Zolondek keinen Grund zur Beunruhigung. Der Grenzwert von 25 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft mit einer Größe von weniger als 2,5 Mikrometer, der damit auch in Bronchien und Lungengewebe eindringen könne, sei in den vergangenen Jahren an allen 26 Messstationen des Landes mit im Schnitt weiter abnehmendem Belastungstrend sicher eingehalten worden. Auch wenn das zuständige Landesumweltamt diese Komponente in Bonn gar nicht messe, „kann aufgrund des repräsentativen Charakters der ausgewählten verkehrsbelasteten Messstandorte in anderen NRW-Städten davon ausgegangen werden, dass der Grenzwert auch in Bonn unterschritten wird“, schreibt Zolondek.

Brandt kritisiert brüske Ablehnung der Stadt

Karsten Brandt lässt diese Einschätzung nicht unwidersprochen. In einem offenen Brief ans Umweltamt betont er, die Daten erhöben keinen Anspruch, gerichtsfest zu sein. Die brüske Ablehnung seiner Anhörung zeige aber „genau die ,Fehler' der Messungen öffentlicher Behörden auf, auf die ich damit nochmals hinweise. Hier werden Daten in Höhen und unter Umständen erhoben, in denen weder Sie noch ich atmen und in denen die Luft entsprechend schon viel besser durchmischt ist.“

Es sei „schon ein starkes Stück der Verwaltung, meine Messungen und die Instrumente als fachlich und qualitativ ungenügend darzustellen“, findet Brandt. Sein primäres Ziel bleibe es, Feinstaubmessungen realitätsnah zu gestalten. Für 2018 kündigt er eine eigene Messreihe im regulären Linienbusverkehr sowie an Haltestellen im Stadtgebiet an. Oberbürgermeister Ashok Sridharan hatte noch während der Weltklimakonferenz mit dem Pilotprojekt geworben, bei dem an intelligenten Straßenlaternen künftig ebenfalls Messwerte zur Luftbelastung erhoben und digital weitergeleitet werden sollen. Schon aus Kostengründen dürften dabei ähnliche Geräte zum Einsatz kommen, wie Brandt sie bei seiner Versuchsreihe verwendete.