Sparpläne in der Bundesstadt: Sridharan gegen Kürzung beim Bonner Beethovenfest

Sparpläne in der Bundesstadt : Sridharan gegen Kürzung beim Bonner Beethovenfest

Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan will gegen eine Kürzung beim Beethovenfest stimmen. Der Sparvorschlag ist allerdings im Haushaltsentwurf enthalten, den der OB unterzeichnet hat.

Überraschende Wendung beim Zuschuss für das Beethovenfest: Oberbürgermeister Ashok Sridharan hat sich am Montag vom Vorschlag der Stadtverwaltung distanziert, die Zahlung an die gemeinnützige Internationale Beethovenfeste GmbH ab 2021 von 1,6 auf 1,2 Millionen Euro im Jahr zu kürzen. „Die Haushaltslage der Stadt ist allen bekannt“, erklärte Sridharan auf GA-Anfrage. „Gleichwohl hoffe ich, dass es nicht zu einer Kürzung kommt. Ich werde jedenfalls gegen eine Kürzung stimmen.“

Der Sparvorschlag ist allerdings im Haushaltsentwurf enthalten, den Kämmerin Margarete Heidler im Mai in den Stadtrat eingebracht hat – wie üblich freigegeben und unterzeichnet vom Oberbürgermeister. Heidler plant darin wie berichtet eine Reduzierung des Budgets für die Beethovenpflege von 2,3 auf 1,5 Millionen Euro im Jahr 2021. Neben dem Beethovenfest ist auch das Beethoven-Haus betroffen: Für eine Zuschusserhöhung um rund 60.000 Euro, die Bedingung für Zusatzmittel von Bund und Land NRW wäre, sieht der Haushaltsentwurf kein Geld vor.

Während die Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP wegen ausstehender Beratungen noch keine Stellung bezogen hat, kündigt sich aus der Opposition bereits Widerstand an. „Ich werde meiner Fraktion empfehlen, diese Kürzungen abzulehnen“, kündigte Jürgen Repschläger als kulturpolitischer Linken-Sprecher an. „Wir investieren jahrelang in die Marke Beethoven und setzen dann ausgerechnet dort den Rotstift an – wo bleibt denn da die Nachhaltigkeit?“

Bürger Bund Bonn kritisiert Sridharan

Der Bürger Bund Bonn (BBB) kritisierte die Rolle Sridharans. Der OB trage am Ende die Verantwortung, betonte Johannes Schott, der kulturpolitische BBB-Sprecher. „Wenn der Oberbürgermeister vor Sponsoren des Beethovenfestes erklärt, die Kürzungen in diesem Bereich seien mit ihm nicht abgestimmt gewesen, ist das ein unehrliches Manöver“, so Schott.

Wie aus einer anderen Quelle zu erfahren ist, soll sich Sridharan im Beethovenfest-Aufsichtsrat auch formell gegen den Sparvorschlag gestellt haben. Während einer Sitzung wurde dort offenbar beschlossen, sich gegen den Kürzungsplan zur Wehr zu setzen. Nach GA-Informationen stimmte der OB mit Ja – ebenso wie der ebenfalls anwesende Noch-Kulturdezernent Martin Schumacher.

Mit Sorge reagieren die Bonner Bundestagsabgeordneten Katja Dörner (Grüne) und Ulrich Kelber (SPD) auf die vorgeschlagene Kürzung beim Beethovenfest. In Berlin bemüht man sich derzeit, für die Zeit nach dem Beethoven-Jubeljahr 2020 eine dauerhafte Förderung von Bund und Land für ein größer angelegtes Beethovenfest zu erreichen.

„Es liegt auf der Hand, dass die aktuelle Debatte dieses Bemühen nicht gerade erleichtert“, sagte Dörner am Montag. Noch deutlicher wurde Kelber: „Ich bin geschockt und verärgert. Ich hoffe, dass dieses Thema noch diese Woche mit einer klaren Willensbekundung seitens der Stadt abgeräumt wird.“

Der Verein Bürger für Beethoven forderte eine Klarstellung von Oberbürgermeister Sridharan, dass es „bei der Profilierung zur Beethovenstadt“ auch nach 2020 keine Abstriche geben werde. Der Vereinsvorsitzende Stephan Eisel nannte die Sparvorschläge „kurzsichtig und fahrlässig“.

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