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Sprudelndes Wasser im Rhein bei Bonn: Was sich dahinter verbirgt

Phänomen in Bonn : Was sich hinter der sprudelnden Stelle im Rhein verbirgt

Das Niedrigwasser bringt im Rhein auf Höhe des Rheinauenparks in Bonn aktuell ein seltsames Phänomen zutage. Dort sprudelt es kräftig. Das Wasser- und Schifffahrtsamt klärt darüber auf, worum es sich handelt.

Als Kay-Enno Andrews am Wochenende am Rheinufer entlang spazierte, entdeckte er ein besonderes Phänomen im Wasser. Obwohl der Strom derzeit nicht viel Wasser führt, sprudelte es im Fluss - und zwar kräftig. Andrews beschreibt das Phänomen so: „Der Strudel war ungefähr 60 bis 70 Zentimeter hoch und hatte einen Durchmesser von etwas mehr als einem Meter.“

Der Pegelstand des Rheins liegt in Bonn derzeit bei etwa 180 Zentimetern und damit deutlich unter dem Mittelwert von 351 Zentimetern. Gewässerkundler Jan Böhme vom Wasser- und Schifffahrtsamt nennt es „mittleres Niedrigwasser“. Das ist noch unkritisch für die Schifffahrt. Am Samstag hatte sich der Fluss dennoch gut 40 Meter von der üblichen Uferlinie zurückgezogen. Was dabei zu Tage trat, sah fast wie ein Unterwassergeysir aus. Doch daran mochte Andrews nicht glauben und schickte Fotos an die Redaktion des General-Anzeigers.

Kein Geysir und auch keine neue Rheinquelle

Im etwa knietiefen Wasser hat sich aber auch keine neue Rheinquelle aufgetan, wie ein Experte scherzte. Des Rätsels Lösung ist eher alltäglicher Natur. An der beschriebenen Stelle, etwa auf Höhe des Kameha-Hotels, befindet sich der Ablauf der Kläranlage Bad Godesberg, wie die Stadt Bonn erläutert.

Auch das Wasser- und Schifffahrtsamt in Duisburg, das für die Wasserstraße zuständig ist, bestätigte, dass auf den Fotos die Stelle eines „Auslasses“ zu sehen sei. Schmutzwasser wird an der Stelle nicht in den Rhein geleitet, sagt Pressesprecherin Valeska Bergmann. „Bevor Wasser auf diese Weise in den Fluss geleitet wird, wird es gereinigt“, sagt sie. Die Wassereinleitung der Stadt Bonn sei auf Karten verzeichnet und genehmigt.

Trotzdem ranken sich um diese Strudel immer wieder allerhand Spekulationen. Vor Jahren sei sogar einmal eine Walsichtung von Bürgern vermutet worden, heißt es von der Behörde.

Auch die Wasserschutzpolizei hat sich die Fotos genauer angesehen. Eine Gefahr für die Schifffahrt stelle das blubbernde Wasser nicht dar. Auch für die Umwelt bestehe keine Gefahr. Das Wasser sei geklärt und habe Umgebungstemperatur. Möglicherweise sei es aber riskant für badende Personen im Rhein. Schwimmen und Planschen im Rhein ist zwar ohnehin fast überall verboten. Aber auch dort, wo es keine Verbote gibt, sei es auf keinen Fall ratsam, in den Rhein zu gehen, sagt Stefan Hausch von der Wasserschutzpolizei Duisburg, die auch für Bonn zuständig ist.

Wer sich dem Sprudel nähert, riskiert, zu ertrinken

Selbst an dieser Stelle, wo das Wasser derzeit kaum einen halben Meter tief ist, droht Gefahr. Darauf hat die Behörde erneut hingewiesen. Demnach fließt der Rhein mit einer Strömungsgeschwindigkeit von drei bis zu zwölf Stundenkilometern, je nach Wasserstand und Örtlichkeit.

Immer wieder komme es zu teils tödlichen Badeunfällen. Ein Grund dafür sei, dass Schwimmer die Kraft des Wassers erst bemerkten, sobald sie von der Strömung erfasst worden sind. Ganz klar lautet die Warnung: „Gegen die Strömung werden Sie es nicht zurück ans Ufer schaffen!“ Unterschätzt werde oftmals auch der Sog- und Wellenschlag, der durch vorbeifahrende Schiffe verursacht wird.

Wenn Schiffe vorbeifahren, kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen, selbst in knietiefem Wasser und an vermeintlich sicheren Uferbereichen. Der Sog- und Wellenschlag könne laut der Wasserschutzpolizei so stark sein, dass selbst Erwachsene in die Strömung gezogen werden können - und das selbst bei einer Entfernung des Schiffes von mehr als 100 Metern. Nichtsdestotrotz gibt es Jahr für Jahr Schwimmer, die diese Warnung auf die leichte Schulter nehmen. Allein zwischen Januar und Juli 2019 sind im Rhein nach DLRG-Angaben 14 Menschen ertrunken.