Kämpferin für Aids-Kranke, Drogenabhängige und Prostituierte: Sprachrohr für die Ausgegrenzten

Kämpferin für Aids-Kranke, Drogenabhängige und Prostituierte : Sprachrohr für die Ausgegrenzten

Christa Skomorowsky kommt gerade von einem Aids-Kranken, der Hilfe brauchte. "Fast jeder meiner Arbeitstage entwickelt sich anders, als ich dachte", sagt sie, lacht und schaut erst einmal, was sonst noch ansteht in der Aids-Initiative Bonn.

Von der Hilfsstelle hoch über dem Bertha-von-Suttner-Platz geht der Blick weit über die Innenstadt. "Wir müssen halt ständig auf die Krisen bei den Betroffenen reagieren. Da kann dann auch schon mal das offene Kontaktcafé hier bei uns oben ausfallen, weil wir raus müssen." Skomorowsky schüttet sich einen Kaffee ein - und lächelt wieder.

Seit die Sozialarbeiterin 1985 durch HIV-erkrankte Angehörige und Freunde die Initiative kennenlernte, ist sie für Junkies, Schwule, Prostituierte und Bluter tätig, erst ehrenamtlich, bald danach als eine der heute vier Hauptamtlichen. "Wissen Sie, wie viele wunderbare Leute ich in den 30 Jahren hier kennengelernt habe?", fragt Skomorowsy, die Kaffee- und Zigarettengenießerin.

Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Interessenvertretung der Menschen mit HIV und Aids. Die Frau mit der optimistischen Ausstrahlung war lange Vorstandsmitglied des Landesverbands JES NRW. Der Name "JES" steht für Junkies, Ehemalige, Substituierte. Weiterhin arbeitet sie in der Landeskommission Aids mit.

"Ab und zu gelingt es uns da ja, unsere politischen Forderungen auch durchzusetzen", sagt Skomorowsky. Sie wolle Sprachrohr sein für Menschen, die ganz unten angekommen sind, die am Rande der Gesellschaft stehen. Ihre Freunde sagen, im Gespräch mit ihr werde alles automatisch politisch. "Ich bin also keine Mutter Theresa, eher eine politische Aktivistin."

Die Drogenpolitik hat versagt

Die Frau hat auf jeden Fall Biss. Ihr Mann starb 1987. Sie erzog die Tochter und den Stiefsohn alleine. Wenn sie auf etwas verzichten könne, dann aufs Kochen, amüsiert sich Skomorowsky über sich selbst. "Also ich kann zwei idiotensichere Gerichte: Lachsnudeln und Philadelphia-Torte. Die braucht man nicht zu backen." Jetzt lacht sie schallend.

Ganz schnell mündet das Gespräch dann wieder in eine Diskussion über das, wie sie sagt, erbärmliche Versagen der Drogenpolitik. "Das sehen Sie doch auch in Bonn: Die Menschen werden einfach aus dem Bonner Loch geschickt. Am besten sollen sie verschwinden. Aber wo sollen sie denn hin?"

Während des Interviews ruft ein Angehöriger eines Kranken an. Skomorowsky macht kurz einen Termin aus, denn auch mit den Familien versuchen die Mitarbeiter der Aids-Initiative möglichst engen Kontakt zu halten. Wer Christa Skomorowsky dann selbst mit "Drogennutzern", wie sie sie bezeichnet, und HIV-Kranken beobachtet, erkennt das große Herz dieser Frau für ebenjene Menschen, auf die andere herabblicken. Einfühlsam spricht sie auf Verzweifelte ein. Hat sofort eine Lösungsmöglichkeit für das Problem im Angebot.

Ihre Lebensaufgaben sind Solidarität und Loyalität

Also doch eine Mutter Theresa in den Straßen Bonns? Darauf trinkt Skomorowsky erst mal einen Schluck Kaffee. Ihre Mutter habe sie zu einer selbstständigen Frau erzogen, habe immer gesagt, sie möge nie nur im Strom mitschwimmen. Was der bekennende Rolling-Stones-Fan auch auf keinen Fall tut.

Don Quijote ist ihre Lieblingsfigur in der Literatur, erzählt sie, also der unverdrossene Kämpfer gegen die Windmühlen. Natürlich hätte sie sich ihr Leben ein wenig leichter einrichten können. "Aber ich bin der Typ, der am liebsten mit Extremen zurechtkommt." Gelebte Solidarität, Loyalität, das seien für sie Lebensaufgaben. Ihr Motor sei der Kampf gegen Ausgrenzung und Diskriminierung derer, die arm dran sind.

Skomorowsky arbeitet auch für die Bonner "Mobile Anlaufstelle Straßenstrich", wo Mädchen und Frauen Kondome und Beratung erhalten können. "Da sind für mich als Frau die Ohnmacht und die Wut noch größer, wenn ich sehe, wie diese Frauen ausgebeutet werden.

Und ich kann ihnen nicht wirklich helfen", bekennt Skomorowsky. Über die Jahre habe sie ein Vertrauensverhältnis zu einigen aufbauen können. Neuerdings kämen auch die ersten Flüchtlinge ins Initiativenbüro. "Das ist ganz schwierig für die. In ihrem Kulturkreis ist das Thema ja noch mit einem größeren Tabu behaftet."

Und was wünscht sie sich vom neuen Oberbürgermeister? "Dass auch Herr Sridharan uns unterstützt - wie Herr Nimptsch. Und dass wir als Aids-Initiative bei keinem Haushalt mehr auf der Kürzungsliste landen."

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