Sport in Bonn: So soll das Angebot in der Stadt besser werden

Entwicklungsplan : So soll das Sportangebot in Bonn besser werden

Nach zwei Jahren Arbeit liegt der Sportentwicklungsplan für Bonn vor. Das Konzept soll in Hallen und auf Plätzen in der Bundesstadt Ausstattung und Angebot verbessern.

Ein wenig feierlich wollte es Birgit Schneider-Bönninger zu Beginn dann doch machen. Von einem „historischen Moment“ sprach die Bonner Sportdezernentin, bevor sie Robin Kähler am Dienstagabend im Sportausschuss des Stadtrates das Wort erteilte. In der Dreiviertelstunde gönnte sich der renommierte Sportwissenschaftler sodann, den Politikern sein 214-Seiten-Papier zu präsentieren.

Das 190.000 Euro teure Werk, versicherte Schneider-Bönninger, werde nicht als „Schubladendokument“ enden, sondern einen „Kompass für die kommenden zehn bis 15 Jahre“ bilden. „Vom Reparaturbetrieb zum Vorzeigebetrieb“, so die Dezernentin, wolle man die Infrastruktur des Bonner Sports in diesem Zeitraum umkrempeln. Entsprechend groß sei nun die Hoffnung auf die Investitionsbereitschaft der Politik.

Wer sich von Kähler nun  eine statische, abzuarbeitende Prioritätenliste erhofft hatte, lag falsch. Vielmehr hatten sich der Wissenschaftler und seine Mitstreiter der Materie auf strukturellem Wege genähert, mit repräsentativen Umfragen die Nachfrage untersucht und, so Kähler, eine zentrale Frage vorangestellt: Was kann der Sport für die Verbesserung der Lebensqualität in Bonn leisten? Eine Fragestellung, die Kähler durchaus als Ansporn verstanden wissen wollte: „Sie sehen“, konstatierte er gegenüber den Politikern, „Ihre Aufgaben werden mit unserem Gutachten komplizierter, aber das entspricht sicher Ihrem Anspruch“, auch wenn nun „sicher parteipolitische Spiele folgen“ würden, wie der Professor nonchalant feststellte, um sodann erst einmal zu den erfreulichen Erkenntnissen seines Papiers hinüberzuschwenken: den Stärken in der Bonner Sportlandschaft.

Stärken: Sie sind laut Kähler nicht zuletzt in der intensiven Sportaktivität und -intensität der Bonner begründet, die zugleich mit einem großen und vielseitigen Angebot und einer Vielzahl von Bewegungsräumen, Grünflächen und Sportvereinen einhergehe. Auffallend sei dabei die ausgeprägte Vielfalt der ausgeübten Sportarten, die das Gutachten in Bonn auf 135 beziffert. Mit Blick auf die unterschiedlichen Altersklassen resümierte Kähler eine durchweg hohe Präsenz von Schwimmen, Radfahren, Fitnesssport und Laufen. Gerade die Letztgenannten finden bekanntlich häufig im öffentlichen Raum statt, der folglich entsprechend hergerichtet werden müsse. Zwar bevorzuge die Jugend – Beispiel Fußball – überwiegend die Angebote des Vereinssports, aber, so der Referent: „Informeller Sport wird inzwischen in der Öffentlichkeit als gleichberechtigt wahrgenommen, wobei es nicht darum geht, das eine gegen das andere auszuspielen. Befragt nach den von ihnen aktuell ausgeübten Sportarten, nannten 1073 befragte Bürger am häufigsten das Schwimmen – für Kähler durchaus ein deutliches Indiz dafür, welche herausragende Bedeutung die Sportart für Bonn hat.

Schwächen: Hier macht das Gutachten drei wesentliche Punkte aus: Zum einen stellt es hinsichtlich des Angebots starke Unterschiede zwischen den Stadtteilen fest. Als weiteren Schwachpunkt nennt es die teilweise nicht ausreichende Kapazität von Sportanlagen und bemängelt die vielen unterschiedlichen Zuständigkeiten in der Stadt und die damit verbundene „schwache administrative Zusammenarbeit“ bei der Behebung von Problemen. Konkret wurde Kähler dann, als es um die Bewertung der Sportstätten durch die Sportvereine ging. Die nämlich stufen die Qualität der Hallen, Gymnastikräume, Sportplätze und Schwimmbäder im Durchschnitt mit der Schulnote 3,6 ein. Dabei geht das Meinungsspektrum auseinander: Während die Vereine aus dem Stadtbezirk Hardtberg mit der Qualität der städtischen Sportplätze vergleichsweise zufrieden sind (Note 2,6), beurteilen die Vereine aus Beuel die Qualität der städtischen Gymnastik- und Fitnessräume mit einer 4,6. Unterm Strich fallen nahezu alle Bewertungen schlechter als „befriedigend“ aus. Ohnehin wird der Sanierungszustand von 51,5 Prozent der Vereine als das größte Problem in der Nutzung genannt — gefolgt übrigens von der Sauberkeit (39,2 Prozent), der Lagerung der Geräte (33 Prozent) und der Mängelbehebung (30,9 Prozent).

Empfehlungen: Die bessere Vernetzung innerhalb der Stadtverwaltung und die Verkürzung von Antragsverfahren gehören denn auch ebenso zu den priorisierten Empfehlungen wie die Verstärkung der Zusammenarbeit der Verwaltung mit dem Stadtsportbund. Neben Empfehlungen wie der Priorisierung von Maßnahmen birgt das Gutachten auch Ideen wie die Umwandlung des Reuterparks in einen „inklusiven Sport- und Freizeitraum für alle Generationen“ und die Ertüchtigung des Endenicher Parks in einen multifunktionalen Lebensraum. Für Beuel empfiehlt das Papier den Neubau einer Sporthalle mit mobiler Tribüne für 500 bis 800 Zuschauer.

Nächste Schritte: Zur Einleitung der ersten Schritte sind für 2020 300.000 Euro im Wirtschaftsplan des Städtischen Gebäudemanagements eingestellt. Ab 2021 sollen dann über eine Dauer von 15 Jahren zehn Millionen Euro jährlich investiert werden. Nach dem Sportausschuss wird sich nun der Rat mit dem Gutachten beschäftigen. Findet es auch dort Wohlwollen, ist wiederum die Verwaltung am Zuge, um die Vorschläge umzusetzen.