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Prozess am Bonner Landgericht: Spieler nach Glückssträhne angegriffen und ausgeraubt

Prozess am Bonner Landgericht : Spieler nach Glückssträhne angegriffen und ausgeraubt

Ein Euskirchener Spielhallenbetreiber und sein Bruder müssen sich wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Sie sollen zwei ihrer Gäste, die seit Stunden eine Glückssträhne hatten, mit Schlagstöcken und Baseballschlägern in der Spielothek überfallen haben.

„Ich bin doch nicht verrückt und raube meine eigenen Gäste aus. Da kommt doch keiner mehr in meinen Laden“. Der 39-jährige Spielothek-Chef aus Euskirchen ließ am Dienstag im Gerichtssaal auch gleich verbal seine Muskeln spielen und zeigte sich entrüstet über den „ungeheuerlichen Vorwurf“ der Bonner Staatsanwaltschaft. Sein mitangeklagter älterer Bruder (41), seit vielen Jahren als Türsteher unterwegs, zeigte ebenfalls klare Kante.

Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen, zwei ihrer spielenden Gäste, die seit Stunden eine Glückssträhne an den Spielautomaten „Saloon Poker“ hatten, mit Schlagstöcken und Baseballschlägern in der Spielothek überfallen zu haben. Seit Dienstag müssen sie sich vor dem Bonner Landgericht wegen schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Das Glück der spielenden Brüder hatte am 21. Januar 2014 die Spielhallenaufsicht nach vier Stunden nervös und misstrauisch gemacht. Sie meinte, bei den Brüdern „eine ungewöhnliche und nicht logische Spielweise“ beobachten zu können und hatte ihren Chef telefonisch alarmiert. Wegen des Verdachts, die Spieler hätten die Glücksautomaten manipuliert, setzte er sich sofort in Bewegung: „Da stimmt was nicht“, erklärte er seinem muskelstarken Bruder: „Die spielen die Automaten synchron.“

Am Boden liegend noch mitFüßen getreten

„Auf einmal ging die Tür auf und sechs bis acht Männer standen bewaffnet vor uns“, erinnerte sich der 31-jährige Speditionskaufmann aus Wachtberg vor Gericht als Zeuge. „Einer schrie: 'Geld her, sonst gibt's Schläge.'“ Dann flogen schon die Fäuste, die ihn und seinen 29-jährigen Bruder aus Meckenheim, der zurzeit mit Rucksack in Norwegen unterwegs ist und nicht als Zeuge geladen werden konnte, am Kopf, Magen und Arm trafen. Am Boden liegend seien sie noch mit Füßen getreten worden. Schließlich hätten sie den Angreifern „ihre Portemonnaies zugeworfen, damit das aufhört, damit nichts Schlimmeres passiert.“ 500 Euro waren in seiner Börse, 1400 Euro in der seines Bruders. Sogar ein dritter Spieler, der an einem weiteren Automaten saß, musste sein Bargeld – 70 Euro – abliefern.

Von Schlagstöcken wollten die beiden Angeklagten nichts wissen. Das zwölf Zentimeter lange Hämatom käme von einem Barhocker, auf die der eine Spieler angeblich gefallen sei. Auch schworen sie, dass der Dritte ein Messer gezogen habe. Kammervorsitzender Klaus Reinhoff zeigte sich über die spürbar geschönte Version enttäuscht: „Erzählen Sie doch eine Geschichte, die ich glauben kann.“

Nach einer Denkpause wurde die Einlassung etwas korrigiert. „Klar wollten wir unser Geld zurück. Wir dachten, die ziehen uns ja über den Tisch.“ Ihr Verdacht jedoch, dass die Automaten manipuliert worden waren, konnte von den Ermittlern nicht festgestellt werden. Auch nicht, dass es einen Softwarefehler gab. Die Brüder hatten offenbar nur Glück gehabt. Der Prozess wird fortgesetzt.