Flüchtlinge im Paulusheim: Spielend Deutsch lernen

Flüchtlinge im Paulusheim : Spielend Deutsch lernen

Bill Mockridge hält die Fäuste übereinander, in einer befinden sich Gummibärchen. Oben oder unten? Die Kinder im Tourbus des Vereins Känguru wissen das genau, einige zeigen auf die richtige Hand, andere äußern es auch.

Das bedeutet: Die einen haben auf jeden Fall verstanden, um was es geht, die anderen beherrschen auch schon das entsprechende deutsche Wort. Denn es geht nicht nur um das Spiel, sondern um die Sprache.

Die Flüchtlingskinder leben zur Zeit im Paulusheim, so wie Karim, der begeistert mitmacht. Seine Mutter Nermeen besucht ihn regelmäßig in dem Kindergarten in Endenich, den er besucht, und dann lernen sie gemeinsam die deutsche Sprache. Sie findet das gut und macht gerne mit - im Heim beteiligt sie sich auch an einem Sprachkurs. "Ich wünsche mir eine gute Zukunft für meine Kinder", sagte sie.

Das ist das Konzept des Vereins Känguru: Sprachförderung von Kindern im Alter von 18 bis 36 Monaten. "Das ist das effektivste Alter, um Sprachen zu lernen", erklärte die Känguru-Vorsitzende Uta Clausen. Mit dieser besonderen Form der Integrationshilfe begann der gemeinnützige Verein vor sechs Jahren, deutlich vor der Flüchtlingskrise. Durch die werde der Bedarf aber noch mal vergrößert, so Clausen.

Der Verein hat deshalb den Transporter organisiert, den das Autohaus Thomas kostenlos zur Verfügung stellt - zumindest für die Fahrten in NRW. Denn man will bei einer "Willkommens-Kultour" auch Flüchtlingsheime in anderen Städten besuchen und dabei den Verein bekannt machen: "Wir wollen Kommunen, Land und Bund aufmerksam machen, dass wir hier in Bonn dieses Angebot haben."

Gefördert wird Känguru von Anfang an vom Verein Sterntaler, dessen Schirmherr Mockridge deshalb zum Start der Tour zum Paulusheim gekommen war. Man müsse nur früh genug anfangen, den Kindern die deutsche Sprache zu vermitteln, sagte er. Dann könnten sie sich besser integrieren. "Man darf aber die eigene Muttersprache nicht vernachlässigen."

Auch der Lions Club Bonn-Rheinaue unterstützt das Konzept. "Dreh- und Angelpunkt ist die Sprache", so Roland Delbos vom Club. "Es gibt in der Republik kein Projekt, das so früh dabei ansetzt." Das Fördergeld stammt aus dem Verkauf des Adventskalenders, den der Verein mit dem General-Anzeiger erstellt.

Deshalb soll der Verein bekannter werden, will sich auch in eine gemeinnützige GmbH umfunktionieren, um bundesweit agieren zu können.

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