Bessere Luft in der Innenstadt: SPD pocht auf emissionsfreie Belieferung der City

Bessere Luft in der Innenstadt : SPD pocht auf emissionsfreie Belieferung der City

Die Stadtverwaltung verspricht sich keine große Wirkung von einem Pilotprojekt für Elektrofahrzeuge, setzt aber zugleich auf Fördergelder des Landes.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber mahnt bei der Stadtverwaltung Maßnahmen zu einer emissionsfreien Belieferung der Geschäfte in der Bonner Innenstadt an. Im August vergangenen Jahres habe er ein entsprechendes Pilotprojekt vorgeschlagen, bei dem eine Flotte von Elektrofahrzeugen an den Autobahnen die Waren von Zulieferern übernehmen und gesammelt in die Stadt befördern soll, schreibt Kelber in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Ashok Sridharan.

Nachdem der Planungsausschuss zunächst einen Runden Tisch mit Vertretern der Speditionen und des Handels für das vergangene Frühjahr avisiert habe, sei nichts geschehen, moniert Kelber. Stephan Eickschen, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion, hält ein solches Pilotprojekt besonders mit Blick auf Bonns Kessellage für sinnvoll. „Sie verursacht einerseits eine anhaltend hohe Luftverschmutzung. Andererseits wäre eine Abnahme, die auf den Umstieg von Diesel- auf Elek-tro-Lieferfahrzeuge zurückzuführen ist, auch relativ schnell feststell- und messbar“, glaubt Eickschen. Daher fordert die SPD die Verwaltung auf, zusammen mit DHL/Deutsche Post, Tank & Rast und dem Einzelhandel ein entsprechendes Konzept zu entwickeln.

Stadtverwaltung skeptisch

Innerhalb der Verwaltung stößt die Idee offenbar auf Skepsis. Die nächstgelegenen Autobahnraststätten von Tank & Rast – Siegburg West an der A 3 und Peppenhofen Ost an der A 61 – lägen 19 beziehungsweise 30 Kilometer entfernt und seien „somit für City-Logistik-Konzepte ungeeignet“, sagt Stefanie Zießnitz vom Presseamt der Stadt. Emissionen fielen zudem wesentlich nur bei der Fahrt in die Innenstadt an, da die meisten Waren von den Fahrern dort zu Fuß ausgeliefert würden. Außerdem mache der Lieferverkehr nur einen geringen Teil des Gesamtverkehrs aus. Müllfahrzeuge, Linienbusse, Taxen, Müllwagen, Baumaschinen und Handwerkerfahrzeuge, Privatwagen mit Stellplätzen in der City, Umzugs- und Rettungswagen kämen hinzu. Marktbeschicker, Apothekenlieferanten sowie Postfahrzeuge zur Leerung der Briefkästen könnten auf eine Sammellieferung ebenfalls nicht zugreifen.

Dass es bislang keinen Runden Tisch gegeben habe, erklärt die Stadt mit ihrer Hoffnung auf finanzielle Projektmittel im Zuge des Landesprogramms Kommunaler Klimaschutz NRW. Dabei winken bis zu zehn Millionen Euro an Fördergeldern für konkrete Projekte. Eines davon ist auch die City-Belieferung mit E-Fahrzeugen. Ein Vorziehen des Runden Tisches als vorgezogener Projektbeginn wäre aus Sicht der Stadt möglicherweise förderschädlich. Als einzige Stadt im Land war Bonn mit seinen Vorschlägen schon in der ersten Auswahlphase erfolgreich. Bis zum Frühjahr 2018 müssten nun konkrete Förderanträge eingereicht werden, so Zießnitz.