Südfriedhof in Bonn: SPD ehrt ihren langjährigen Vorsitzenden Erich Ollenhauer

Südfriedhof in Bonn : SPD ehrt ihren langjährigen Vorsitzenden Erich Ollenhauer

Für die SPD war das Wahlergebnis 1957 desaströs: Wieder einmal holte sich die CDU die absolute Mehrheit im Bundestag. Adenauer blieb weiter Bundeskanzler, zugleich verpasste SPD-Mann Erich Ollenhauer ein zweites Mal den Einzug ist Kanzleramt.

"Auch wenn er als Verlierer da stand, hat er die Partei gestaltet", sagte NRW-Verkehrsminister Mike Groschek am Samstag vor Ollenhauers Grab auf dem Bad Godesberger Südfriedhof. Am 14. Dezember war der 50. Todestag des langjährigen Partei- und Fraktionsvorsitzenden.

Der behäbige Ollenhauer galt als grundsolide, wirkte mit seiner Hornbrille sogar ein bisschen spießig. Man attestierte im Ehrlichkeit und Lauterkeit, dennoch steht er wie kein anderer für die beiden historischen Wahlniederlagen der 50er Jahre. "Was Öffentlichkeit und Medien nicht würdigten, waren seine Reformen nach innen", so Groschek. Er baute die sozialdemokratischen Kader zu einer offenen Partei um. Er schaffte es, die SPD in diesen kritischen Jahren zusammenzuhalten.

"Die Früchte seiner Arbeit trugen all die Politiker nach ihm", sagte Groschek. Er schuf die Grundlagen für eine echte Volkspartei. Ollenhauer prägte das Godesberger Programm mit einer einfachen, sozialdemokratischen Sprache, obwohl er nicht als guter Redner galt. "Als Autor suchte er bewusst den DPA-Journalisten Fritz Sänger aus, Ollenhauer war eine Art politischer Notar", so Groschek.

Mit einer gewonnenen Kandidatur hätte Erich Ollenhauer, der am 27. März 1901 in Magdeburg als Sohn eines Maurers geboren wurde, wichtige Akzente setzen können. Die SPD lebte noch vorwiegend aus ihrer langen sozialistischen Tradition, an einen politisch Neuanfang war nicht zu denken gewesen. Am Ende waren die Christdemokraten einfach stärker. Und Erich Ollenhauer wäre bis heute der einzige Bundeskanzler gewesen, der nur die Volksschule besucht hatte.

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