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Externe Prüfung für Oper und Schauspiel: Sparziel scheint für städtisches Theater Bonn nicht erreichbar

Externe Prüfung für Oper und Schauspiel : Sparziel scheint für städtisches Theater Bonn nicht erreichbar

Das Sparziel für das städtische Theater Bonn scheint nicht erreichbar. Externe Prüfer halten Kürzungen bei der Oper und beim Schauspiel ohne ein Qualitätsverlust für unrealistisch.

Das städtische Theater ist am Ende seiner Möglichkeiten zur Kostensenkung angelangt. Das ist zumindest Ergebnis einer Untersuchung, die von der Stadt Bonn beim Fachbüro Actori aus München in Auftrag gegeben worden war. Zwar sehen die Berater noch etwas Sparpotenzial beim Personal. Die Vorgabe der Ratsmehrheit, ab 2023 den Zuschuss um 3,5 Millionen Euro zu kürzen, könne bei Oper und Schauspiel aber „unter Maßgabe der Beibehaltung von Qualität und Quantität nicht realisiert werden“, schreibt Actori. Bleibt es dabei, steigt der Theaterzuschuss von 30,5 Millionen in der Spielzeit 2018/2019 auf prognostizierte 35,7 Millionen Euro ab 2027 – die teuerste freiwillige Leistung der Stadt.

Actori hat die Bonner Zahlen von 2010 bis 2016 mit den Theatern von Aachen, Braunschweig, Darmstadt, Kassel, Mannheim und Wiesbaden verglichen. Beim Zuschuss lagen Oper und Schauspiel in der Spielzeit 2016/2017 mit 29,2 Millionen Euro 16 Prozent unter dem Durchschnitt („Benchmark“). Allerdings ist der Vergleich nicht ganz präzise, weil einige der anderen Theater eigene Orchester haben. Da diese immer subventioniert werden müssen, treiben sie den Zuschussbedarf in die Höhe. Das städtische Beethoven Orchester dagegen wird von der Kommune selbst mit 9 Millionen Euro im Jahr gefördert. Die Oper zahlt weitere 3,6 Millionen Euro für die Auftritte der Musiker. Das Theater landet mit seinen Angeboten zudem 23 Prozent unter dem Benchmark, bietet also weniger Programm als Häuser in anderen Städten.

Dem Generalintendanten Bernhard Helmich, seit 2013 im Amt, bescheinigen die Berater kostenbewusste Arbeit. Die Gesamtaufwendungen seien seit der Spielzeit 2010/2011 um 3,4 Prozent gestiegen – etwa ein Drittel des Vergleichswertes. Helmich konnte zudem höhere Preise durchsetzen. Die Einnahmen stiegen dadurch „weit überdurchschnittlich“ (Actori) um 24,5 Prozent auf etwa 3,8 Millionen Euro im Jahr.

Allerdings: Während die Besucherzahlen bei Musiktheater und Tanz wachsen, sind sie beim Schauspiel mit 28 Prozent regelrecht eingebrochen. Zusammen liegen Oper und Schauspiel mit durchschnittlich 192 000 Besuchern im Jahr unter dem Vergleichswert – um 23 Prozent. Als Schwäche analysieren die Experten, dass das Theater nicht genug Anziehungskraft für Besucher aus der eigenen Stadt habe. Sie schlagen eine Erhöhung des Marketingetats vor, um die Säle besser auszulasten. Außerdem solle das Theater stärker um Sponsoren und Spender werben. Beides zusammen könne Mehreinnahmen von 370 000 Euro im Jahr bringen. Dafür müsse investiert und die beschlossene Kürzung um 250 000 Euro ab der nächsten Spielzeit wieder einkassiert werden.

Personal könne nur noch bei Maske und Technik gespart werden, wo nach einer Umorganisation drei Stellen entfallen könnten. Das entspricht rund 190 000 Euro. Alles zusammen sehen die Berater also Optimierungspotenzial von etwa 560 000 Euro jährlich. Der Kulturausschuss des Rates befasst sich am 2. Mai mit den Resultaten der Untersuchung.

Die Bezirksregierung Köln als Aufsichtsbehörde ermahnt die Stadt seit Jahren, die Kulturkosten zu senken. Auch Kämmerin Margarete Heidler bekräftigte kürzlich im GA-Interview die Forderung, ab 2023 eine Kürzung von 3,5 Millionen Euro vorzunehmen. Actori soll nun in einer zweiten Untersuchung prüfen, wie das funktionieren könnte. Im Fokus sei dabei der gesamte Kulturbereich, nicht nur das kommunale Theater, betont Stadtsprecherin Monika Hörig. Mit Ergebnissen werde nach der Sommerpause gerechnet. Bis dahin soll Actori auch einen möglichen Neubau des Opernhauses als Alternative zur Instandsetzung prüfen.