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Sparkasse Köln-Bonn schließt Filialen - Bonner üben Kritik

Weitere Filialen schließen : Bonner kritisieren Schließung von Sparkassen-Filialen

Die geplante Schließung und Änderung von Bonner Sparkassen-Filialen stoßen bei Bürgern und in der Politik auf Kritik – aber auch Verständnis. Die Filiale an der Clemens-August-Straße will die Sparkasse Köln-Bonn in einen „neuen Filialtyp“ umwandeln.

Die geplante Schließung von weiteren sechs Sparkassenfilialen in Bonn und deren Umwandlung in Selbstbedienungscenter stoßen bei Bürgern in den betroffenen Stadtteilen erwartungsgemäß auf Unmut. Unterschiedlich fällt die Meinung in der Kommunalpolitik aus.

„Diese Entwicklung macht einsam“, meint Tanja Koep aus Röttgen. Koep ist Vorsitzende des Festausschusses und engagiert sich seit Langem für das Wohl des Stadtteils. „Hier wohnen auch viele ältere Bürgerinnen und Bürger, für sie ist das natürlich eine sehr schlechte Nachricht. Viele von ihnen brauchen einen Berater, wenn sie ihre Bankgeschäfte erledigen. Das fehlt dann.“ Koep erinnert an eine geplante Schließung der Sparkassen-Filiale am Schlossplatz vor einigen Jahren. Damals habe es massive Proteste aus der Bevölkerung gegeben, die Filiale blieb auf. Koep verweist auf das Neubaugebiet Am Hölder, wo einmal rund 1000 neue Bürger wohnen werden. „Ich hätte es gut gefunden, die Sparkasse hätte vor diesem Hintergrund ihre Schließungspläne in Röttgen noch einmal überprüft.“

Ins selbe Horn stößt Gerald Möller. Er engagiert sich als Vorsitzender des Fördervereins Brüser Dorf auf dem Brüser Berg und ist enttäuscht, dass demnächst auch die Filiale der Sparkasse an der Borsigallee nur noch ein SB-Schalter sein soll. „Damit geht ein Stück Nachbarschaft verloren“, ist er überzeugt, darüber könnten Angebote wie Geld-Bring-
service und Ähnliches nicht hinwegtäuschen. Möller ist Soldat im Ruhestand und erinnert sich noch gut daran, wie er als Kind mit seiner Mutter am Weltspartag zur Sparkasse im Ort ging, um seine Spardose abzugeben. „Wir kriegten dafür immer ein Lineal für die Schule.“ Wenn keine Mitarbeiter mehr die Kunden betreuten, gehe auch ein Stück Menschlichkeit verloren.

Die Sparkasse in Dransdorf soll in einen neuen Filialtyp umgebaut werden. Foto: Richard Bongartz

Sparkassen-Filiale nur noch mit einem Mitarbeiter vor Ort

Gerd Lindemann (78) wohnt in Poppelsdorf. Die Filiale an der Clemens-August-Straße will die Sparkasse Köln-Bonn in einen „neuen Filialtyp“ umwandeln: Dort steht dann künftig nur noch ein Mitarbeiter bereit, der beim Umgang mit den Automaten und beim Telefon- oder Videobanking hilft. „Keine gute Idee“, findet Lindemann, der sich in seiner Sparkassenfiliale „alten Typs“ bisher stets gut aufgehoben gefühlt hat. „Außerdem sollen die erst einmal dafür sorgen, dass das, was da ist, richtig funktioniert“, meinte er mit Blick darauf, dass die Geldautomaten an der Sparkasse immer wieder mal defekt seien.

„Es ist nachvollziehbar und betriebswirtschaftlich sicherlich auch geboten, dass auch die Sparkasse sich organisatorisch an ein geändertes Kundenverhalten anpasst“, erklärte Horst Gehrmann für die CDU-Fraktion zu den Schließungsplänen der Sparkasse Köln-Bonn, der größten kommunalen Sparkasse Deutschlands. Träger der Sparkasse Köln-Bonn ist der Zweckverband Sparkasse Köln-Bonn, an dem die Städte Köln mit 70 Prozent und Bonn mit 30 Prozent beteiligt sind. Die Schließungen begründet das Unternehmen mit geändertem Kundenverhalten.

Politiker kritisieren Umwandlung von Filialen der Sparkasse in Bonn

Für die CDU sei wichtig, dass die Sparkasse in der Fläche mit allen Dienstleistungen nahe bei ihren Kunden sei. „Dem entspricht, dass zumindest kein Standort vollkommen aufgegeben wird.“ Auch die Grünen meinen, die Sparkasse reagiere „angemessen“ auf das veränderte Kundenverhalten, so Ratsfraktionssprecherin Brigitta Poppe. „Der Filialumbau besteht ja nicht allein aus der Umwandlung von Filialen in SB-Zentren. Vielmehr wird ja gleichzeitig in innovative Formate investiert wie etwa in Direktfilialen.“ Wichtig sei vor allem, dass die Sparkasse weiterhin vor Ort präsent sei.

 SPD-Ratsherr Stephan Eickschen, bedauert die Sparkassenpläne, „aber wenn kaum noch Kundinnen und Kunden die Filialen aufsuchen und die meisten nur die Automaten nutzen, wird es schwierig für die Sparkasse.“ Der Vorschlag der SPD, mit dem sich der Stadtrat demnächst befassen soll: Damit die zentralen Plätze in den betroffenen Stadtteilen weiter belebt und attraktiv bleiben, sollen die frei werdenden Räumlichkeiten der Sparkasse zu Bürgertreffs, zum Beispiel für Vereine, weiterentwickelt werden.

Deutlich kritischer gehen die Linken mit der Sparkasse um: „Alle Jahre wieder dünnt die Sparkasse ihr Filialnetz aus. Der Vorstand lässt zugleich die Frage unbeantwortet, wo sich die Sparkasse eigentlich auf Dauer sieht“, sagte Linksfraktionschef Michael Faber. Die Stärke der Sparkasse liege in ihrer Präsenz und Verwurzelung vor Ort. „Schneidet die Sparkasse hier immer weiter ein, gibt es angesichts günstigerer Alternativen irgendwann keinen Grund mehr zur Treue zum kommunalen Institut.“