Kommentar zu gefördertem Wohnungsbau: Sozialer Sprengstoff

Kommentar zu gefördertem Wohnungsbau : Sozialer Sprengstoff

Die Bedeutung des geförderten Wohnungsbaus ist erkannt. Das ist die gute Nachricht. Doch die Bonner werden es alleine nicht richten, meint GA-Redakteur Philipp Königs.

Der Bund hat im vergangenen Jahr angekündigt, den Ländern dafür in diesem Jahr 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. 2020 und 2021 Jahren sollen es jeweils zwei Milliarden sein. In Bonn ist man ebenfalls nicht untätig geblieben und hat etwa das Baulandmodell beschlossen, das Investoren beim Bau ab 24 Wohneinheiten geförderten Wohnraum vorschreibt, wenn neues Planungsrecht geschaffen wird. Die Stadt prognostiziert, dass so in diesem und im nächsten Jahr 700 geförderte Wohnungen entstehen könnten.

Das aber wird nicht reichen. Eine dezernatsübergreifende Truppe in der Verwaltung nun damit zu beauftragen, gemeinsam effektive Lösungen zu erarbeiten, ist löblich, aber sicher nicht heilsbringend. Einen Ankauf der Stadt oder gar Enteignungen, die SPD-Politiker Kevin Kühnert ins Gespräch brachte, wirken zum jetzigen Zeitpunkt unrealistisch. Zu sehr hat sich die Stadt Bonn – und sie war beileibe nicht die einzige – selbst verzwergt, als sie sich vom Wohnungsmarkt zurückzog und ihre Sozialwohnungen verscherbelte. Bonn wäre aber zumindest damit gedient, die Bauprojekte, die auf städtischem Grund realisiert werden können, zügig an den Start zubringen. Ein Beispiel: Quälend lang hat sich der Beschluss für die europaweite Ausschreibung des Baugebiets im Rosenfeld in Buschdorf mit 280 Wohnungen hingezogen.

Bis zur Ausschreibung dauerte es vier Monate. Die Bonner können die Wohnungsfrage der Zukunft für die Region aber nicht alleine beantworten. Die Nachbarn im Rhein-Sieg-Kreis müssen mitziehen, eine Zusammenarbeit gibt es bei diesem so wichtigen Thema aber nur auf dem Papier. Die Kreiskommunen zeigen bis dato kein Interesse für größeren sozialen Wohnungsbau, vielmehr an solventen Steuerzahlen. Diese neoliberale Haltung birgt sozialen Sprengstoff, der einem in nicht allzu ferner Zukunft gehörig um die Ohren fliegen kann.

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