Ende der Kunst!Rasen-Saison: Soundgewitter mit Todesstrahlen

Ende der Kunst!Rasen-Saison : Soundgewitter mit Todesstrahlen

Episch. Das ist das Wort, das noch am ehesten dem Abschluss der diesjährigen Kunst!Rasen-Saison gerecht wird. Ja, episch passt.

Immerhin steht die sogenannte Classic-Rock-Night, die an diesem Donnerstag noch einmal gut 2500 Besucher in die Rheinauen gelockt hat, ganz im Zeichen des Progressive Metal, jenem hochkomplexen, klanggewaltigen Stil, der die Musik von King Crimson, Rush und Deep Purple in eine noch wuchtigere Richtung weiterentwickelte.

Mit Dream Theater haben die Veranstalter nun die erfolgreichste Band der Szene verpflichten können - und eine der majestätischsten, die ohne große Mühe ein akustisches Feuerwerk der Extraklasse abfeuert. Exzessive, virtuose Soli vom Feinsten, krachende Riffs und bombastische Kompositionen erzeugen bei den Fans eine ehrfürchtige Spannung, die ihresgleichen sucht.

[kein Linktext vorhanden]Dabei halten sich die theatralen Recken um Gitarrengott John Petrucci und Frontsänger James LaBrie bei all dem dargebotenen Bombast sogar noch zurück: Wenn sie dürften, könnten sie noch mehr. Viel mehr. Doch ihr Auftritt ist auf anderthalb Stunden begrenzt, so dass die wirklich ausufernden Werke wie das mehr als 20-minütige "Illumination Theory" zugunsten einer größeren Bandbreite außen vor bleiben - andererseits haben die Kunst!Rasen-Betreiber trotz der gesetzlich vorgegebenen Lautstärke-Richtlinien einen bemerkenswerten Sound einstellen können.

Und wenn direkt am Anfang mit "Metropolis Pt. 1: The Miracle And The Sleeper" alle nur denkbaren Rock-Register gezogen werden, oder der treibende Beat der "Panic Attack" so manches Metal-Herz höher schlagen lässt, wenn Drummer Mike Mangini wie ein Wahnsinniger seine Toms bearbeitet, Bassist John Myung seine Tapping-Künste unter Beweis stellt und Keyboarder Jordan Rudess mit flitzenden Fingern über die Tasten jagt, ist Bewunderung die vorherrschende Emotion. All jene, die sonst mit Metal nur stupides Gegrummel über dreschenden Rhythmen verbinden, werden hier eindrucksvoll eines besseren belehrt.

[kein Linktext vorhanden]Zuvor hatten schon Haken und das Devin Townsend Project gezeigt, was an diesem Abend möglich sein sollte. Nämlich so ziemlich alles. Beide Formationen sind Experten darin, Versatzstücke zu einem unvorhersehbaren, intellektuell fordernden Ganzen zu kombinieren. Vor allem Haken machen es den Zuhörern nicht immer einfach: Die Briten dehnen sich mitunter in so viele Richtungen aus, dass sie nicht allen gleichermaßen Rechnung tragen können und bei all ihren Experimenten gerne mal den großen Bogen vernachlässigen.

Ein Problem, mit dem sich Devin Townsend weniger herumschlagen muss. Der energiegeladene Kanadier, der seine Musik im GA-Interview als mit Zucker überzogene Alpträume beschrieben hat, gilt als musikalisches Genie, das genau weiß, wie er all seine wahnwitzigen Ideen und Einflüsse unter einen Hut bringen kann. Auf dem Kunst!Rasen verzichtet er allerdings auf das vom Country inspirierte "Casualties of Cool" und konzentriert sich eher auf knüppelharte oder aber zumindest pompös rockende Werke.

Immerhin macht auch Ziltoid der Allmächtige seine Aufwartung: Die Trash-Saga um den Außerirdischen, der für einen guten Kaffee auch mal ohne mit der Wimper zu zucken die halbe Galaxie auslöschen würde, hat Townsend im vergangenen Jahr zur Freude seiner Fans endlich fortgeführt. Und so dürfen auf dem Kunst!Rasen auch ein paar Todesstrahlen das von Dream Theater initiierte Soundgewitter ankündigen, das letztlich ein mehr als würdiges Finale für den Abend und den Kunst!Rasen darstellt.