Messe im Maritim Hotel: So war die MagicCon 2019 in Bonn

Messe im Maritim Hotel : So war die MagicCon 2019 in Bonn

Wandernde Eichen, Feen mit Zauberstab: Auf der MagicCon stecken viele Besucher in einer Verkleidung. In diesem Jahr finden vier weitere große Conventions in Bonn und Köln statt.

Auf einer der Bierbänke vor dem Maritim sitzt ein Baum und trinkt. Wasser natürlich, was sonst. Für jemanden, der in Rinde und Borke gehüllt ist, kommt etwas anderes nicht in Frage. Das muss aber sein, wenn man den lieben langen Tag über die MagicCon spaziert und sich bewundern lässt – zu Recht, angesichts der Detailvielfalt, die selbst auf einer Messe wie jener in Bonn, auf der gefühlt jeder dritte Besucher in einem Kostüm steckt, ihresgleichen sucht.

Kein Wunder also, dass selbst die vermeintliche Pause für Fotos herhalten muss. Doch Enrico Lein, der hinter der Baummaske steckt, nimmt das gelassen hin. Deshalb ist er ja schließlich hier: Um gesehen zu werden und um mit anderen Fantasyfans ins Gespräch zu kommen. Was beides hervorragend funktioniert.

Kostüme selbst nähen gehört zum Kodex

Trotz seines exquisiten Kostüms sieht Lein sich nicht als Cosplayer, wie all jene in der Fantasy- und Science-Fiction-Szene genannt werden, die bestimmte Figuren aus Computerspielen, Filmen oder Serien so originalgetreu wie möglich verkörpern wollen. „Eigentlich bin ich ja Bodypainter“, erzählt er. Seit 25 Jahren betreibt er diesen Beruf, war 2002 sogar Weltmeister in der Kategorie „Special Effects“. „Dabei muss ich immer wieder auch Latexapplikationen herstellen, um etwa Hörner oder besondere Ohren zu modellieren oder der Haut eine bestimmte Textur zu verleihen. So ist irgendwann auch Quercus der Baum entstanden.“

Nur wenige unter den Cosplayern und Kostümenthusiasten können auf diesem Niveau arbeiten; für die meisten ist und bleibt das Anfertigen der Outfits ein Hobby. Nichtsdestotrotz präsentieren sich einige beim Kostümwettbewerb der MagicCon in wahrhaft atemberaubenden Designs. Eine untote Piratin hat sich von dem Kinofilm Fluch der Karibik inspirieren lassen, ist über und über mit Muscheln, Tang und Meeresgetier bedeckt; andere hüllen sich in goldene Elfenrüstungen oder verwandeln sich, so wie Juliane Grüneberg aus Hildesheim, in eine blaue Fee.

Seit elf Jahren macht die junge Frau ihre Kostüme selbst, für ihr jetziges hat sie anderthalb Jahre gebraucht. „Vor allem die Pilze waren ziemlich aufwendig“, sagt sie und zeigt auf die Gewächse auf ihren Schultern, die zum Teil von innen heraus leuchten. Und die Flügel? „Oh, die waren sogar relativ einfach, vor allem nachdem ich den Rahmen gelötet hatte“, sagt sie. „Und hier auf der MagicCon kann ich sie wenigstens tragen, ohne Angst zu haben, jederzeit anzuecken. Hier ist ja Platz.“

MagicCon 2019 in Bonn

Tatsächlich sind die Hallen des Maritims an diesem Samstagabend relativ leer: Die Besucher der Convention sind zum größten Teil im Saal, in dem gerade die Schauspielriege der Fernsehserie Lucifer um Topstar Tom Ellis die Fragen des Publikums beantwortet. Vor den Türen sammeln sich derweil jene, die an dem Kostümwettbewerb teilnehmen wollen – und ein paar Kostümierte, die aus anderen Gründen kurz an die Luft wollten.

So wie Kathrin Probst aus Essen, die sich als Bärtige Lady aus dem Film The Greatest Showman zurecht gemacht hat. „Als ich diese Figur zum ersten Mal in einem Videoclip gesehen habe, habe ich sofort gesagt ,so ein Kleid möchte ich auch haben'.“ Es passe einfach zu ihr.

Wie die meisten Cosplayer hat auch sie alles selbst genäht, das gehört gewissermaßen zum Kodex. „2015 bin ich in Bonn auf der HobbitCon zum ersten Mal mit diesem Hobby in Berührung gekommen, ein Jahr später habe ich mein erstes Kostüm gebastelt“, sagt sie. Nur zum Spaß, ohne große Ambitionen. „Was mich immer wieder begeistert, ist die tolle Gemeinschaft. Das ist der Grund, warum ich immer wieder nach Bonn komme.“

Mehr von GA BONN