Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt: So war die Bonner Saatgut- und Pflanzentauschbörse

Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt : So war die Bonner Saatgut- und Pflanzentauschbörse

Die Saatgut- und Pflanzentauschbörse im Nutzpflanzengarten der Uni Bonn ist eine Aktion zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt. Gleichzeitig ist sie auch der richtige Ort, wenn man auf der Suche nach heimischen Wild- und Heilkräutern ist.

„Ist das für Einsteiger überhaupt geeignet?“ Diese Frage bekommt Sabine Lütt oft an diesem Sonntagnachmittag auf der Pflanzentauschbörse im Nutzpflanzengarten der Botanischen Gärten zu hören. Geduldig und fachkundig gibt sie ihre Erfahrungen weiter. Seit zehn Jahren betreibt sie mit ihrem Mann im Hunsrück den landwirtschaftlichen Betrieb Regenbogenschmiede. Vor ihr ausgebreitet ist eine schier unendliche Auswahl an kleinen Saattütchen mit Blütenpflanzen, heimischen Wild- und Heilkräutern und selbst exotischen Gemüsesorten. Sie empfiehlt den Teufelsohrsalat, der sei richtig schmackhaft. „Der sieht toll aus mit seinen intensiv dunkelgrün-rot gezackten Blättern, und obendrein ist es eine große, schnell wachsende Sorte mit zarten Blättern. Die eignet sich auch gut für den späten Anbau.“

Bereits zum vierten Mal haben der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) und der Botanische Garten zur Tauschbörse für Saatgut und Gartenpflanzen in den Nutzgarten der Universität eingeladen. Die Idee ist, dass Teilnehmer Pflanzen aus ihren Gärten mitbringen und ein anderer sie gegen Spende oder gegen Tausch eigener Pflanzen mitnimmt.

Besucher wollen mal was anderes sehen

„Die Veranstaltung stößt auf immer größeres Interesse“, freut sich Susanne Gura von VEN. Für sie sind der Erhalt der Ernährungssicherheit und der Vielfalt an Sorten besonders wichtig – nicht die Selbstversorgung, wie sie betont. Die Besucher wiederum wollen „mal was anderes auf dem Teller“ und haben „Freude am Gärtnern“.

Alle angebotenen Pflanzen und Samen stammen aus eigenem Anbau. Das ist auch Nils Sielaff wichtig. Der 16-Jährige ist seit ein paar Jahren regelmäßig auf Tauschbörsen, um seine selbstgezogenen Pflanzen wie Chili, Portulak und Gewürzfenchel zu tauschen oder für geringes Geld weiterzugeben. Sein persönlicher Favorit ist der Glockenchili, weil dessen Früchte auch an der Pflanze schön aussehen. Er verkauft nur Jungpflanzen, die er im elterlichen Garten zieht. „Die nehmen viel weniger Raum ein als ausgewachsene Pflanzen.“ Doch eine Pflanze muss immer ausreifen, denn diese bringt das neue Saatgut.

Die Botanischen Gärten ziehen vor allem regionale rheinische Sorten wie einen Dersdorfer Pflücksalat, die Tomate „Rheinlands Ruhm“ oder die Erbse „Kleine Rheinländerin“. Für Josef Manner, der im Nutzgarten arbeitet und selbst einen Garten hat, geht's um Austausch an Informationen und Erfahrungen.