Besuch im Malteser Krankenhaus: So lief Silvester in der Bonner Notfallambulanz

Besuch im Malteser Krankenhaus : So lief Silvester in der Bonner Notfallambulanz

Silvesternacht in der Notfallambulanz des Malteser Krankenhauses: Die Einsatzkräfte haben alle Hände voll zu tun. Sie müssen sich um abgerissene Finger, Knochenbrüche und Alkoholvergiftungen kümmern. Schuld daran sind meistens gefährliche Böller – und zu viel Alkohol.

„Der Rettungsdienst hat gerade angerufen“, sagt Isabel Lehnard, Koordinatorin der Notfallambulanz des Malteser Krankenhauses. „Eine Amputation ist auf dem Weg zu uns“, erklärt sie mit ruhiger Stimme. Noch sind die zwölf Liegen und die zwei Operationssäle der Notaufnahme, wo zudem zwei Isolationsboxen und die sogenannte Schock-Box stehen, leer. Es ist die Ruhe vor dem Sturm: Wie jedes Jahr endet die Silvesterfeier für einige Bürger mit schweren Verletzungen wie zerfetzte Gliedmaßen, Knochenbrüchen oder einer Alkoholvergiftung.

Der Krankenwagen kündigt sich durch das Kratzen der Antenne am Garagendach an. Ein leises „Tak-tak-tak“, das trotz der vielen Geräusche in der Notaufnahme den erfahrenen Ohren der Koordinatorin nicht entgeht. „Wesseling“, fragt Lehnard den Rettungsdienst, der mit einem Nicken bestätigt: Die „Amputation“ ist da.

Es handelt sich um einen Mann, der auf einer gelben Liege liegt, die die Sanitäter zügig durch den Flur schieben. Die Augen des Patienten fallen immer wieder zu. Er hat starke Schmerzen. Ein Böller hat ihm die Hand zerfetzt. Ein Finger fehlt, sagen die Sanitäter. Die Blutung wurde durch den Notarzt gestillt. Er hat die Hand des Mannes auch bereits verbunden.

„Jeder Patient wird bei uns angenommen, egal, ob die Patienten mit dem Rettungswagen kommen oder selbst zum Krankenhaus gefahren sind. Sie werden dann nach Dringlichkeit behandelt“, erklärt Lehnard. Der Mann mit der verletzten Hand wird in die Kategorie zwei eingeordnet und wegen seiner starken Schmerzen natürlich umgehend behandelt.

Insgesamt gibt es fünf Kategorien, wobei Kategorie eins für akute Lebensgefahr steht und Kategorie fünf anzeigt, dass lediglich eine Beratung durch den Arzt notwendig ist, so Lehnard. Für das Team in der Notaufnahme des Malteser Krankenhauses ist es das erste Silvester mit diesem System, beim dem die Patienten entsprechend der Schwere ihrer Erkrankungen und Verletzungen an die Reihe kommen. „Unser neuer Chefarzt, Doktor Tim Flasbeck, hat das neue System in diesem Jahr eingeführt“, sagt Lehnard.

Die Notaufnahme des Malteser Krankenhauses arbeite seitdem nahezu papierlos. Alle Daten werden demnach sofort in ein digitales Cockpit gefüttert, auf das über mobile Computerwagen und mehrere feste Stationen Ärzte und Pfleger jederzeit Zugriff haben. „In Deutschland sind wir eine der modernsten Notaufnahmen“, sagt Lehnard.

Während die diensthabende Chirurgin Ruth Reichwein mit dem Patienten mit der schwer verletzten Hand dessen weitere Behandlung bespricht, machen sich die Sanitäter erstmal einen Kaffee. „Wir sind das ja gewöhnt“, erklärt Christoph Kratz von der Feuerwehr Brühl, warum er beim Anblick so schwer verletzter Menschen gelassen bleiben kann. „Wir haben auf dem Spielplatz noch nach dem abgerissenen Finger gesucht, aber leider ohne Erfolg“, sagt der Feuerwehrmann ohne eine Miene zu verziehen.

Der Notarzt des Rettungsteams zeigt Reichwein einige Fotos von der Wunde, so muss der frischgelegte Verband erst einmal nicht geöffnet werden. „Wir röntgen die Hand jetzt, um sehen zu können, welches Ausmaß die Verletzung hat“, erklärt die Ärztin. Für Reichwein ist die Amputation ein stressiger Start in ihre erste Silvesterschicht. „Ich bin Berufsanfängerin“, räumt sie freimütig ein. Erst vor zwei Monaten hat die junge Frau ihre Stelle im Malteser Krankenhaus angetreten. Prellungen durch Prügeleien, ein bei einem Sturz gebrochener Oberschenkel, vier Alkoholvergiftungen und eine Amputation: Die Silvesternacht ist für die Ärztin eine echte Herausforderung.

Schuld an den Verletzungen seien meistens gefährliche Böller – und zu viel Alkohol: „An Silvester sind die Verletzten meist zwischen 16 und 25 Jahren alt“, weiß Lehnard aus Erfahrung. Sie persönlich könne dem Geknalle nichts abgewinnen. „Es ist ganz klar gefährlich“, betont die Koordinatorin der Notambulanz.

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