Arbeiten in der Innenstadt: So lief der Abbau des Bonner Weihnachtsmarkts

Arbeiten in der Innenstadt : So lief der Abbau des Bonner Weihnachtsmarkts

In der Nacht vor Heiligabend müssen die Händler des Bonner Weihnachtsmarktes ihre Stände komplett abbauen. Viel Arbeit in kurzer Zeit. Ein Rundgang.

Mit einer Lautsprecherdurchsage endet der Bonner Weihnachtsmarkt. "Achtung, Achtung", ertönt es über den noch immer gut gefüllten Münsterplatz. Viele halten inne. "Hier spricht das Marktamt. Der Weihnachtsmarkt 2017 ist beendet". Es ist der 23. Dezember, 20 Uhr. Die Gassen auf dem Münsterplatz sind noch gut besucht. Rund um die Glühweinstände stehen die Besucher in Gruppen zusammen und trinken in aller Ruhe den letzten Glühwein. Es riecht nach Zimt, Nelken und Reibekuchen. Von der Ankündigung lassen sich die Gäste jedoch noch nicht zum Gehen bewegen. Währenddessen ist die Durchsage für die Marktbeschicker der Startschuss für den Abbau und die eigentliche Arbeit: Im Inneren der Stände holen Mitarbeiter Transportkisten hervor, legen Paketband bereit und lösen die Dekoration von den Wänden.

Die Mitarbeiter eines Christstollenstandes haben Baumkuchen und andere Weihnachstgebäck schon komplett in Kisten verstaut. Sie warten jetzt nur noch darauf, dass sie mit dem Auto auf den Platz fahren können. Andere in der Reihe auf dem Münsterplatz schließen die Klappen der Buden. Nur das durchschimmernde Licht verrät, dass im Inneren fleißig aufgeräumt wird. Der Abbau des Weihnachtsmarktes läuft nach genauen Vorgaben. Die Standbetreiber haben bis zum nächsten Morgen Zeit, ihren Platz zu räumen. "Die Fläche wird am Morgen des 24. Dezembers durch zwei Mitarbeiter des Marktamtes dahingehend kontrolliert, ob alle Stände ordnungsgemäß abgebaut wurden und keine Schäden an den Standflächen entstanden sind", erklärt Isabel Klotz vom Presseamt. Sollten dennoch Reste oder Müll vorliegen, werden die Standbetreiber informiert und aufgefordert, diese zu beseitigen.

Beim Abbau hilft die gesamte Familie

Auf dem Podest am Riesenrad steht Hans Gormanns und schaut über den Platz. Für ihn ist der Abbau ein besonderer, denn das Fahrgeschäft wandert nach dem Weihnachtsmarkt in diesem Jahr wieder in den Familienbesitz. "Ich habe das Rad schon als Kind abgebaut", erzählt der 67-Jährige. Sein Vater erwarb das alte Rad 1951, musste dieses aus Krankheitsgründen allerdings in den 1970er Jahren verkaufen. Jetzt hat es sein Sohn wieder zurückgekauft. Beim Abbau hilft an diesem Abend auch die 4. Generation der Familie, denn auch Gormanns Enkel ist dabei. Sie demontieren die Traversen mit den Glühbirnen, hängen die Gondeln aus und stapeln diese neben der Beethovenstatue. Denn: Vorerst darf kein Lkw oder Auto auf den Platz fahren. Bis 21 Uhr ist die Zufahrt aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Mitarbeiter des Ordnungsamtes sichern daher die Zugänge an Münsterplatz, Kasernenstraße und Friedensplatz. "Das Marktamt gibt den Platz frei", erklärt Günter Barczewski vom Ordnungsamt. Er steht am Eingang des Friedensplatzes und koordiniert heute den Einsatz. Noch seien zu viele Menschen in der Innenstadt unterwegs, um die Autos einfahren zu lassen. Insgesamt sind 17 Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Einsatz. "Die müssen jetzt noch eine Runde drehen", sagt er und deutet auf die Kleintransporter, die sich bereits in eine lange Schlange an der Bushaltestelle am Friedensplatz eingereiht haben. Dazwischen läuft der normale Buslinienverkehr weiter. "Heute kommt noch dazu, dass Samstag ist und die Geschäfte bis 21 Uhr auf haben". Dadurch ist die Innenstadt immer noch gut gefüllt, gleichzeitig wollen die Händler mit dem Abtransport beginnen. Durch die vierstündige Sperrung am Vorabend wegen verdächtiger Gegenstände seien viele mit dem Abbau in Verzug geraten. Einige Dekoelemente, wie beispielsweise Girlanden, würden schon am 22. Dezember entfernt werden. Für die Händler habe Barczewski Verständnis, aber die Sicherheit gehe vor.

Abfälle werden streng getrennt

Auch die Tannenbäume zählen zu den Elementen, die demontiert werden müssen. Mitarbeiter der Stände schleppen die Nordmanntannen zur Entsorgungsstation hinter dem Bottlerplatz. Die Bäume landen alle in einem großen Container, werden dann gehexelt und mit den Grünabfällen entsorgt. Alle anderen Abfälle landen ebenfalls hier und werden nach Fetten, Papier-, Bio- und Restmüll getrennt. Im Minutentakt kommen Ladenbetreiber und geben Müllsäcke und Pappkartons ab. "Der Müll wird nach Bedarf abgefahren", erzählt einer der Mitarbeiter von Remondis, die im Auftrag der Stadt die Entsorgung übernimmt. Für den letzten Abend sind drei Mitarbeiter vor Ort. Ihre Schicht dauert heute mindestens bis Mitternacht: "Zum Schluss fahren wir noch einmal über den Platz." Am nächsten Morgen rückt dann die Stadt mit Kehrmaschine und Wasserwerfer für die Endreinigung an.

Auf dem Bottlerplatz müssen Edda Specht und ihre Team die gläsernen Weihnachtskugeln einzeln in Kartons verpacken. "Die haben Spaß beim Einräumen", sagt eine Passanten beim Vorbeigehen. Bis Specht ihre Ware allerdings in ihrem Auto verstauen kann, werden noch Stunden vergehen. "Vorher haben wir am Kinderkarussell parken können. Das ist dieses Jahr geändert worden wegen der Vorsichtsmaßnahmen", erzählt sie. In den Vorjahren hatten sich die Händler in der Reihe abgesprochen und in der Reihenfolge der Stände postiert, um nacheinander auf den Platz zu fahren. Da ihre Holzhütte nur gemietet ist, müssen sie zeitig den Stand räumen. Damit alles rechtzeitig klappt, tragen sie die Kartons in ihre Auto in der Marktgarage. Trotzdem ist sie zufrieden. "Die Leute sind der nett, die Organisation ist gut", sagt sie.

Auch ein paar Meter weiter surren die Akkuschrauber. Der Duft nach Bratwurst und gebrannten Mandeln ist längst verschwunden. An einem Grillstand glühen zwar noch die Kohlen. Ein Passant fragt vorsichtig, ob es noch etwas geben würde. Die Mitarbeiterin winkt mit dem Putzlappen in der Hand freundlich ab. Der Zeitdruck ist manchen Betreibern anzumerken, andere schlagen eine Lockerung der Regeln vor. "Man würde das enorm entzerren, wenn man die Zeit auf 12 oder sogar 15 Uhr setzen würde", meint ein Standbetreiber. "So ist das ein tierischer Zeitdruck. In anderen Städten ist das entspannter", sagt er. Einige Buden sind jetzt bereits in ihre Einzelteile zerlegt.

Ab 21 Uhr wird der Markt freigegeben

Um 21.10 Uhr wird der Markt für den Autoverkehr freigegeben. Schwere Lkws und Anhänger schlängeln sich durch den Parcours aus Holzbuden, Transportkisten und Autos. Die Geräuschkulisse auf den Plätzen wird lauter, auch das Treiben wird hektischer. Auf den Gassen sind nur noch vereinzelt Passanten unterwegs. Am Riesenrad, von dem nur noch das weiße Grundgerippe steht, manövieren Gormanns Helfer per Hand einen Lkw-Anhänger in die schmale Gasse neben der Beethovenstaue - nur Zentimeter vorbei an den bereits gestapelten Gondeln und Kabinendächern.

Mitten in diesem hektischen Treiben hat sich das Team vom Käthe-Wohlfahrtshäuschen in ihrem Stand versammelt. Der gesamte Inhalt ist ordentlich in Kisten verstaut. Die Helfer stoßen mit Sekt an - auf die getane Arbeit und das Weihnachtsfest: "Auf eine schöne Zeit", rufen sie sich zu.

Von dem Feierabendsekt sind andere noch weit entfernt. Am Kinderkarussell von Frank Osthold-Krämer nehmen die Arbeiter zunächst die Weihnachtselemente ab, wie Eiszapfen oder Dachelemente, die das Alte Rathaus im Winterlook zeigen. "Alles wird in Decken eingewickelt und im Lkw verstaut", erzählt der Beueler Betreiber. Das Fahrgeschäft an sich kann anschließend zusammengeklappt komplett abtransportiert werden. Bis dahin wird es noch ein paar Stunden dauern, sagt Osthold-Krämer und blickt in den Laderaum.

Es ist 22 Uhr, seit zwei Stunden ist der Markt nun geschlossen, als die Kräne schließlich zum Einsatz kommen. Am Bottlerplatz hebt ein Anhängerkran ein komplettes Element des Glühweinkarrussels empor. Passanten bleiben erstaunt stehen. Mehrere Meter hoch schwebt die Holzhütte über dem Bottlerplatz, streift die Äste der Platanen und verhakt sich kurz an der Leitung. Ein Mitarbeiter schreit Kommandos über den Platz, um die Hütte zwischen Sterntor und den Bäumen hindurch zu lotsen. Nach wenigen Minuten steht die Hütte unversehrt auf dem LKW-Anhänger. Nach und nach verschwinden so die Holzhütten aus der Innenstadt. Nur aus den Kisten des Gewürzstandes steigt noch ein zarter Duft nach Weihnachten auf, der an das rege Besuchertreiben von vor ein paar Stunden erinnert.

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