Projekt Casa Hogar: So leisten Bonner Entwicklungshilfe in Kolumbien

Projekt Casa Hogar : So leisten Bonner Entwicklungshilfe in Kolumbien

Das Projekt Casa Hogar des Bonner Arztes Theodor Rüber unterstützt junge Frauen in Kolumbien. Er ist nun wieder vor Ort. Schützenhilfe bekommt er unter anderem von Künstlern wie Ex-Wise-Guy Daniel Dickopf.

Elf Stunden Flug nach Bogotá, zwei weitere Stunden nach Quibdó, dann zwei Stunden Autofahrt zu einem Fluss, auf dem es mit einem Boot noch einmal zwei Stunden nach Istmina in die von Rebellen kontrollierte Region Chocó geht.

Es ist eine strapaziöse Reise, zu der der Bonner Arzt Theodor Rüber am Samstag aufbrach. In Istmina will sich der 32-jährige nach dem Stand des von ihm initiierten Projektes Casa Hogar erkundigen.

Tragisches Schlüsselerlebnis führte zur Vereinsgründung

Kurz vor seinem Abflug hatte Rüber ein Teamtreffen für sein Projekt im erzbischöflichen Cusanusheim in Mehlem geleitet. Seine Initiative zur Entwicklungsarbeit in Kolumbien setzt ihren Schwerpunkt in der Frauenbildung.

„Wir wollen ein Zuhause für Mädchen schaffen, wo sie sicher sind vor Ausbeutung und Prostitution. Ein Ort, wo sie Stärkung erfahren, wo sie lernen können und einen Abschluss erhalten, der sie für die Universität qualifiziert. Ein Wohnhaus und eine Schule“, sagte Rüber.

Zurzeit werden fünf Mädchen von sechs bis fünfzehn Jahren von Ordensschwestern aus Nicaragua betreut. Langfristig geht es um den Anstoß zum gesellschaftlichen Wandel von innen: Hin zu mehr Gerechtigkeit, mehr Sicherheit und zu besseren Lebensbedingungen für alle.

2015 hat Rüber sein praktisches Jahr in der Notfallaufnahme der kolumbianischen Millionenstadt Cali gemacht. „Pro Nacht wurden zehn bis fünfzehn Patienten mit Schussverletzungen eingeliefert, überwiegend junge Männer. Die Frauen waren Opfer von Vergewaltigung, Folter und Missbrauch“, sagt der Mediziner.

Ex-Wise-Guy Daniel Dickopf ist Kulturbotschafter

Dann kam das schockierende Schlüsselerlebnis, das ihn zur Gründung von Casa Hogar antrieb: Ein achtjähriges Mädchen bettelte ihn um Essen an, bezahlen wollte sie mit ihrem Körper. Kolumbien sei eine von Frauenverachtung geprägte Gesellschaft, in der Verhütung keine Rolle spiele, so Röber. „Die jungen Mädchen werden früh schwanger, leben in der Pubertät mit zwei, drei Kindern in Hütten.“

Zuhause in Bonn gründete er mit Freunden sein Hilfsprojekt und sammelte dafür 200.000 Euro Spenden. Inzwischen hat die Initiative 60 ehrenamtliche Unterstützer, die sich als Kulturbotschafter für Casar Hogar einsetzen.

Einer von ihnen ist Ex-Wise-Guy Daniel Dickopf, der nun mit der Formation Alte Bekannte unterwegs ist. „Wir haben als Musiker einen direkten Zugang zu den Menschen. Dabei geht es nicht nur um Geld. Wir können auch vermitteln, dass es Spaß macht, selbst einen Beitrag zu solch einem sinnvollen Projekt zu leisten“, meinte Dickopf, der auch ein Misereor-Projekt für Straßenkinder in Indien unterstützt.

Opernkomponist Ludger Vollmer sagte: „Wir Künstler können für dieses überzeugende Projekt besonders gut aktiv werden, weil wir mit unseren Werken in die Tiefe der Psyche vordringen.“ Die Harfenistin Magdalena Hoffmann begleitet Rüber nach Istmina. „Das ist ein tolles Projekt. Ich hatte das Glück, in einem reichen Land aufzuwachsen, wo ich eine so umfassende musikalische Ausbildung genießen durfte. Ich fühle mich verpflichtet, von diesem Privileg etwas zurückzugeben.“

Am 21. September geben die Alten Bekannten ein Benefizkonzert für Casa Hogar in Euskirchen, Anfang 2020 hat Rübers Initiative die Kölner Philharmonie für ein Benefizkonzert gemietet.

Mehr auf www.casa-hogar.de

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