Ausstellung im Heimatmuseum: So lebten Studenten und Professoren in Poppelsdorf

Ausstellung im Heimatmuseum : So lebten Studenten und Professoren in Poppelsdorf

Eine Ausstellung des Poppelsdorfer Heimatmuseums zeigt das Leben von Professoren und Studenten in dem Stadtteil während der vergangenen 200 Jahre.

„Es muss kalt dort gewesen sein – feucht und zugig“, sagt Wolfgang Alt, Vorsitzender des Poppelsdorfer Heimatmuseums zu den Wohnungen, die den ersten Professoren der Bonner Uni vor 200 Jahren als Dienstwohnungen in den Türmen des Poppelsdorfer Schlosses zur Verfügung gestellt wurden. Sie bevorzugten die wohligeren Häuser in der Stadt. Damals war Poppelsdorf eben noch ein wahres Dorf. Fernab des städtischen Lebens in Bonn lebte man in der Gemeinde Poppelsdorf auf dem Land. Auch wenn sich die Länge des Fußweges zwischen Bonn und dem seit 1904 eingemeindeten Stadtteil mit etwa 15 Minuten nicht veränderte, ist heute nur weniges mit der damaligen Zeit vergleichbar.

Auf elf Tafeln präsentierte das Heimatmuseum am Samstag im Pfarrsaal von St. Sebastian, nur wenige Schritte von den Museumsräumen in der Clemens-August-Schule entfernt, mit der Ausstellung „Wie leb(t)en Universitäts-Dozenten und -Studenten in Poppelsdorf?“ die Ergebnisse seiner historischen Erkundungen, die über zwei Jahrhunderte reichen. Mit Personalverzeichnissen und Adressbüchern konnte Alt zusammen mit Barbara Jakobs, Ursula Boy und Jonas Klein die von Professoren, Dozenten, Assistenten, Studenten, Dienern oder Pförtnern bewohnten Häuser in Poppelsdorf nahezu vollständig nachweisen.

Etwa 800 Studenten aus den ersten 40 Jahren der Bonner Uni wurden erfasst und lokalisiert. Dabei muss das stadtnahe Gemeindegebiet Poppelsdorfs schon in den Anfangszeiten der Universität eine enorme Attraktivität besessen haben. „Zumindest im Sommer!“, wie Alt betonte. In den Wintersemestern schien man doch eher die komfortableren Wohnungen in Bonn zu bevorzugen.

Studentenmassen schon im 19. Jahrhundert

In der wärmeren Jahreszeit muss Poppelsdorf dagegen ein beliebtes Ausflugsziel gewesen sein. Gastwirtschaften und die als „Flaniermeile Bonns“ bezeichnete Clemens-August-Straße zogen viele Menschen an. Zwei von ihnen, Liesel (95) und Hedwig Scheidgen (92), konnten mit Bildern und Geschichten die Nachforschungen unterstützen. Die beiden Schwestern bewohnten bis 1934 das Haus ihres Großvaters Arnold Scheidgen, dem der „Gasthof u. Bäckerei zu den heiligen 3 Königen“ mit „Weinen aus eigenem Wachstum“ am heutigen Clemens-August-Platz gehörte.

Die beiden Frauen konnten sich noch gut an die dort wohnenden Studenten erinnern, denen sie als kleine Mädchen begegneten. 1851 gründete sich in der dortigen Gaststube mit der „Aurelia“ die Vereinigung katholischer Theologen. „Es waren meist die Häuser mit Gasthöfen oder Bäckereien, die in den Obergeschossen an Studenten vermieteten“, weiß Alt, Professor für Mathematik und theoretische Biologie.

Doktorand Jonas Klein, der sich als Historiker mit der Aufarbeitung der Poppelsdorfer Studentensituation in den ersten 100 Jahren der Universität beschäftigte, sieht in der Ausstellung nicht nur den Wert in der Erinnerung an diese Zeit, sondern auch die Möglichkeit, mit den Recherchen größere Entwicklungslinien nachzuzeichnen. „Dass man den Massen an Studierwilligen nicht mehr Herr werden konnte, gab es Ende des 19. Jahrhunderts genauso wie heute.“ Teile der Ausstellung werden im Heimatmuseum zu sehen sein. Eine umfangreichere Aufarbeitung dazu soll in der dritten Ausgabe der Poppelsdorfer Geschichtsblätter gegen Ende des Jahres erscheinen.

Das Poppelsdorfer Heimatmuseum in der Clemens-August-Schule, Sternenburgstraße 23, ist mittwochs von 9.30 bis 11, donnerstags von 14.30 bis 16.30 und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet (nicht während der Schulferien). Besichtigungen und Führungen können auch nach Vereinbarung unter (0170) 5 24 56 97, (0151) 19 18 64 84 oder nach einer Mail an museum@poppelsdorfer-geschichte.de

Mehr Informationen auf poppelsdorfer-geschichte.de

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