Buschdorf, Auerberg und Graurheindorf: So lebt es sich im Bonner Norden

Buschdorf, Auerberg und Graurheindorf : So lebt es sich im Bonner Norden

Was Ortsgemeinschaften im Kern zusammenhält, sind Traditionen und Feste. So ist das auch in Auerberg, Buschdorf und Graurheindorf. Ein interview zu den drei Nachbarn.

Wodurch unterscheiden sich Buschdorf, Auerberg und Graurheindorf?

Petra Gimbel-Baecker: Buschdorf hat mehr Feste, denn es bestehen im 802 Jahre alten Buschdorf viele alte Traditionen.

Gert-Michael Schwaegermann: Auerberg ist der am schnellsten wachsende Stadtteil, relativ jung und im Lauf von rund 60 Jahren auf dem platten Feld entstanden.

Jürgen Klasen: Graurheindorf ist von den dreien der kleinste, aber mit 888 Jahren auch der älteste Stadtteil mit historisch gewachsenen Strukturen.

Was ist typisch für den Stadtteil?

Gimbel-Baecker: Buschdorf ist ein Dorf geblieben. Man kennt und hilft sich; die Verzahnung ist stark. Der Buschdorfer ist gesellig. Wir haben sehr viele Vereine.

Schwaegermann: Wir müssen ein Zusammenwachsen der über hundert Nationen noch erreichen und wollen aufpassen, dass Auerberg lebens- und liebenswert bleibt. Großer Vorteil ist die gute Nahverkehrsanbindung.

Klasen: Graurheindorf ist ein langgestrecktes Dorf. Alles spielt sich an der Estermannstraße ab. Doch bis auf eine sind alle Gaststätten verschwunden. Es gibt keine Geschäfte mehr. Prägend ist die Rheinlage. Allerdings haben wir wegen der Hochwassergefahr keine großen Erweiterungsflächen.

Welches sind alljährlich die größten Aktionen?

Gimbel-Baecker: In Buschdorf sind es Karnevalszug und Kirmes.

Schwaegermann: In Auerberg sind es der Tanz in den Mai sowie der Sankt-Martins-Zug, beides von Vereinen organisiert, und unsere Bürgerversammlung.

Klasen: Das Graurheindorfer Traditionsfest liegt auf dem ursprünglichen Kirmestermin Ende August, alle Vereine machen mit. Wir feiern das Bachfest mit dem Gebrannten und das Stiftungsfest des Wassersportvereins BWB mit dem legendären Elefantenrennen. Eine Renaissance hat unser Karnevalszug.

Wo sind die Schnittmengen der drei Stadtteile?

Baecker-Gimbel: Die Kölnstraße und der damit verbundene Durchgangsverkehr sind eine Schnittmenge sowie die Neubaugebiete. Schwaegermann: Es gibt kein Verkehrskonzept für den Bonner Norden, das betrifft uns alle drei. Wir profitieren vom Naherholungsgebiet, dem Grünen C, Klosteracker und Lausacker. Und wir werden immer für den Erhalt kämpfen. Gemeinsames Problem ist allerdings der Müll, den das Freizeitpublikum hinterlässt.

Klasen: Schönes Beispiel für eine Schnittmenge ist der Fußballverein TV Rheindorf. Mit 13 Kinder- und Jugendmannschaften hat er ein Einzugsgebiet in allen drei Orten mit einem hohen integrativen Stellenwert.

Welches Selbstverständnis hat der Ortsfestausschuss, beziehungsweise Ortsausschuss?

Gimbel-Baecker: Der Ortsfestausschuss Buschdorf versteht sich als Organisator, Wahrer der Traditionen, Bindeglied für den Zusammenhalt der Bürger und Ansprechpartner, wenn Probleme geregelt werden müssen.

Schwaegermann: Der Auerberger Ortsausschuss ist eine Zusammenkunft der Bürger auf kommunaler Ebene, überparteilich und unabhängig. Ziel ist die Verbesserung der Lebenssituation in Auerberg. Völlig klar aber ist, dass die Vereine und das Brauchtum das Rückgrat bilden.

Klasen: Der Graurheindorfer Ortsausschuss ist eine gewählte Bürgervertretung, die Zusammenleben, Dorfgemeinschaft und Vielfalt als Bindeglied fördert. Wir wollen die Vereine unterstützen, uns um die Ortsentwicklung kümmern und ein Sprachrohr Richtung Verwaltung und Politik sein.

Die drei Stadtteile liegen am nördlichen Rand. Wie weit ist gefühlt die Verwaltung entfernt?

Gimbel-Baecker, Schwaegermann, Klasen: Wir haben gute bis ausgezeichnete Kontakte zur Verwaltung. Das Problem: Der Wille ist da, es scheitert jedoch oftmals an Geld. Oder es fehlen personelle Ressourcen. Das heißt, die Umsetzung ist manchmal etwas umständlich.

Wo ist Ihre Lobby, wenn Sie Maßnahmen anschieben wollen?

Baecker-Gimbel: Der persönliche Weg zu Politik oder Verwaltung ist schneller, aber wir nutzen auch den Schriftweg. Schwaegermann: Wir legen sehr viel Wert darauf, mit allen Parteien und der Verwaltung ordentlich zusammenzuarbeiten. Das erwarten wir auch umgekehrt. Mit Auerberger Themen melden wir uns schriftlich, dann ist es in den Verwaltungsablauf eingebracht. Außerdem hat ein Anschreiben mit Briefkopf des Ortsausschusses mehr Wirkung und Nachdruck.

Klasen: Wir bevorzugen die persönliche Ansprache, den sogenannten kleinen Dienstweg, da lässt sich fast alles lösen. Der direkte Weg ist der über die Stadtverwaltung. Aber wenn wir feststecken, sprechen wir die politischen Vertreter an.

Wie ist der Rückhalt in der Bevölkerung?

Gimbel-Baecker: Buschdorfer sind lokalpatriotisch. Von Oma über Tante bis Cousine, alle helfen bei den Festen mit. Die fitten Senioren sind unser Pluspunkt, denn sie haben mehr Zeit als die Berufstätigen. Informationen laufen hauptsächlich über Mund-zu-Mund-Propaganda – etwa beim Einkauf. Das funktioniert bestens. Für die Neubürger an der Köln-/Otto-Hahn-Straße wollen wir einen Kennenlern-Nachmittag organisieren. Und schließlich gibt es viele Termine und Feste im Dorf, an denen der Ortsfestausschuss teilnimmt. Das heißt, man sieht sich.

Schwaegermann: Rückhalt und Unterstützung sind nicht gleichzusetzen mit der Mitgliedschaft im Ortsausschuss. Es ist nicht einfach, Mitglieder zu finden. In Auerberg gibt es eben nicht die klassische Klientel derer, die schon immer hier gelebt haben. Die ausländische Bevölkerung ist schwer zu motivieren. Gute Resonanz haben wir bei Aktionen, etwa bei Bürgerveranstaltungen, dann ist die Turnhalle manchmal zu klein. Leider mangelt es an Lokalen als Treffpunkt, beispielsweise auch für einen Stammtisch. Um möglichst viele Bürger mit Stadtteilthemen zu erreichen, geben wir mit Graurheindorf gemeinsam die Zeitung „Datt Blättche“ heraus. Die nächste Ausgabe erscheint Ende März.

Klasen: Seit der Ortsausschuss sich in Graurheindorf neu aufgestellt hat, ist die Akzeptanz wieder stark gestiegen. Wir haben es gut geschafft, die Vereine wieder aktiv einzubinden. Weitere Aufgabe ist die Ansprache der Neubürger, da wollen wir mehr machen und sie am Ortsgeschehen beteiligen. Wegen fehlender Kneipen fällt das klassische Thekengespräch flach. Aber jeden dritten Freitag im Monat lädt der Ortsausschuss alle zum Stammtisch und zum Austausch in die Kajüte „Iberica“ ein.

Blick in die Zukunft:Nach dem Motto „gemeinsam stark“ haben sich die drei Vereine zusammengeschlossen. Ist das denkbar und mit welchen Themen?

Gimbel-Baecker: Aus Buschdorfer Sicht fände ich es großartig, wenn sich die drei Gremien in regelmäßigen Abständen zum Austausch treffen und Handlungsbedarf abstimmen würden.

Schwaegermann: Angesichts der übergeordneten Punkte wie Naherholungsgebiet und der damit verbundenen Umweltschutz-Thematik sowie der Verkehrsproblematik wäre ein regelmäßiger Austausch sinnvoll. Doch für uns Ehrenamtliche gibt es angesichts der vielen Termine ohnehin schon ein Zeitproblem.

Klasen: Für mich ist selbstverständlich, dass wir zusammenarbeiten müssen – und wollen. Wenn wir bei bestimmten Themen zusammenhalten, haben wir mehr Aussicht auf Erfolg.

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