Historische Fotos: So hat sich Bonn im Laufe der Jahrzehnte verändert

Historische Fotos : So hat sich Bonn im Laufe der Jahrzehnte verändert

Das Bonner Stadtbild hat sich im Laufe der vergangenen hundert Jahre stark verändert. Statt der alten Rheinbrücke führt heute etwa die Kennedybrücke über den Rhein und das Sterntor hat seinen Standort gewechselt. Wir zeigen alte und neue Fotos im Vergleich.

Historische Bilder haben Seltenheitswert. Während Fotohandys und Digitalkameras heute Massenware sind, gab es vor hundert Jahren nur wenige Fotografen. Zudem sind viele Aufnahmen in den Wirren der Kriege verloren gegangen oder fielen dem Zahn der Zeit zum Opfer. Das macht historische Fotos umso wertvoller.

In den letzten Jahren sind für Bonn zwei Bildbände erschienen, die erstmals seit vielen Jahrzehnten historische Bilder zusammentragen. 2016 kam der Band „Bonn. Von der Rheinreise zu den Ostverträgen“ auf den Markt, den der General-Anzeiger mit herausgegeben hat. Zudem hat der Autor Josef Niesen Ende 2017einen Bildband veröffentlicht, der Motive der Stadt aus dem 19. und 20. Jahrhundert zeigt.

Unser Fotograf hat die Orte einiger Aufnahmen von früher noch einmal aufgesucht. Wir haben die alten und neuen Aufnahmen übereinandergelegt.

Weiter unten können Sie sehen, wie das frühere Bonn im Vergleich zu heute aussieht. Die Farbfotos stammen aus dem Jahr 2017. Bewegen Sie den weißen Schieber in der Mitte des Bildes nach rechts oder links und sehen Sie die Bilder im direkten Vergleich.

Besatzungstruppen am Kaiserdenkmal

Im Sommer 1919 besucht der britische Premierminister David Lloyd George die Besatzungstruppen. Am Kaiserdenkmal schienen sich die Engländer nicht zu stören. Anders die Deutschen, die es später von seinem Platz vor der Universität entfernten. Ein Privatmann ließ es auf später vor dem Hotel am unteren Ende des Kaiserplatzes wiedererrichten. Hinzugekommen ist in den 1980er Jahren der Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus.

Während die Briten den Platz seinerzeit zu einer kleinen Militärparade nutzten, werden statt Geschützen dort heute hauptsächlich Fahrräder abgestellt. Und noch etwas hat sich verändert: Das Belvedere, der kurfürstliche Aussichtsbalkon in Richtung Poppelsdorfer Schloss, ist im Laufe der Jahre ebenfalls umgebaut worden.

Blick auf das Bonner Münster

Dem Bonner Fotografen Adolf Plesser gelang um 1908 das künstlerische Bild durch die Sürst auf das Münster um 1908. Die schlichte Schönheit von damals wird heute durch das Münsterkaree ergänzt.

Kriegswinter am Martinsbrunnen

Eine dicke Schneeschicht liegt auf den Bronzefiguren des Martinsbrunnens und den davor parkenden Oldtimern, der Himmel ist grau und wolkenverhangen. Das Foto aus dem ersten Kriegswinter 1939/40 wurde von der Straße In der Sürst in Richtung Gangolfstraße aufgenommen. Zu sehen ist der Martinsbrunnen, der vor dem Westportal des Bonner Münsters steht. Der Bildhauer Heinrich Götschmann nannte seinen 1902 errichteten Brunnen "Martinitreiben", wobei Kinder versuchen, Gänse für das Festessen am Martinstag einzufangen. Die Originalbronze wurde in der Gießerei von Walter Gladenbeck in Berlin-Friedrichshagen gegossen. Gegen 1942 wurden die Bronzefiguren zu Rüstungszwecken eingeschmolzen und erst im Jahre 1958 nach alten Gipsformen neu gegossen.

Der Bonner Marktplatz 1929

Früher war mehr Markt und weniger Café, so möchte man mit Blick auf die Aufnahme sagen, die ein unbekannter Fotograf 1929 von der Rathaustreppe aus vom Marktplatz gemacht hat. Doch das ist nicht das Einzige, das ins Auge fällt. Die wuchtige und schmuckvoll verzierte Laterne stahl vor 90 Jahren beinahe dem Obelisken die Schau; ebenso wie die Architektur des Kaufhauses Blömer dem Metropoltheater gegenüber. Was das Geschäft der Marktleute gewiss ankurbelte: Der Platz verfügte 1929 über einen direkten Straßenbahnanschluss. Dafür mussten die Menschen beim Blick in Richtung Sternstraße gänzlich auf die Silhouette des Stadthauses verzichten.

Hochwasser, Sterntor, Rheinbrücke und Bottlerplatz

Historisches Hochwasser in Beuel

Selten sind sie geworden, die Hochwasser in der Beueler Rheinaustraße, die am 1. Januar 1921 noch Rheinstraße hieß. An jenem Tag richtete ein unbekannter Fotograf von der Brücke aus das Objektiv zwischen Mehlemschem Haus und dem Vorgängerbau der „Rheinlust“ hindurch. Beide Beueler „Institutionen“ sind auch fast 100 Jahre später noch gut zu erkennen. Den Bau von Stegen hingegen – der Hochwasserschutzbefestigung sei Dank – können sich die Beueler schon seit einiger Zeit sparen.

Das alte Sterntor vor seinem Umzug

„Viehmarkt“ hieß der Friedensplatz noch, und belebt war er ebenfalls, als ihn der Bonner Fotograf Carl Schaaf im Jahr 1896 auf Platte bannte. Damit nutzte er eine der letzten Gelegenheiten, das alte Sterntor vor seinem Umzug an die benachbarte Vivatsgasse am alten Standort abzulichten. Bis dahin bildete frühere Stadttor in Höhe der Kasernenstraße das nördliche Ende der Sternstraße. Am linken Bildrand ist der Gasthof zum Goldenen Hirsch – in Betrieb bis etwa in die 1980er Jahre - zu sehen, dessen Spuren bis heute an der Fassade nachwirken – auch wenn dahinter längst mit Handys gehandelt wird.

Blick auf die Beueler Rheinbrücke

Irgendwie wirkt sie in der Version von 1927 einladender, die Gastronomie im Stadtgarten. Doch das liegt sicher nur daran, dass die Biergartensaison am Alten Zoll aktuell noch auf seine Saisoneröffnung wartet. Und ein wenig auch daran, dass die Schönheit der Beueler Rheinbrücke nun einmal unwiederbringlich ist.

Der Bottlerplatz ohne Brunnen

Der Bottlerplatz – ohne Brunnen, dafür mit parkenden Autos! Das war die Situation, wie sie sich der Kölner Fotografin Ruth Haldensleben im Jahr 1938 beim Blick durch das teilweise wiederaufgebaute Sterntor eröffnete. Im Hintergrund ist das alte Stadthaus zu sehen, das bis weit in die Nachkriegszeit für die Administration der Bundeshauptstadt genügte. Nichts ließ sich in den 30er Jahren auch von dem Neubau des Bekleidungsgeschäfts C&A erahnen. Seit 2004 betreibt der General-Anzeiger am Sterntor seine zentrale Zweigstelle in der Stadt.

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