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Im Slalom durchs Getümmel: So ergeht es Kellnern in Bonn an den Karnevalstagen

Im Slalom durchs Getümmel : So ergeht es Kellnern in Bonn an den Karnevalstagen

Für die einen ist es Zeit zu feiern, die anderen nennen sie nur die „Kampftage“. Kellnerinnen und Kellner leisten zwischen Weiberfastnacht und Karnevalsdienstag eine ganz besondere Aufgabe. Wir haben in Bonner Kneipen nachgefragt.

Das Kölsch fließt ohne Pause. Zwischen Clownsdekoration und Luftballons leuchten die närrischen Hüte der Karnevalisten im roten Scheinwerferlicht. In einer langen Schlange warten verkleidete Jecke vor dem Festzelt vor dem „Bönnsch“ auf Einlass. Die Musik ist bis vor das Zelt zu hören. Rund 700 Gäste zieht es allein an Weiberfastnacht in das traditionsreiche Brauhaus an der Sterntorbrücke. Dort liefen die Vorbereitungen auf den „Großkampftag“ schon seit Tagen auf Hochtouren, wie Kellnerin Annalena Krzossa berichtet.

Statt wie üblich an der Theke geht hier an den Karnevalstagen an insgesamt vier Zapfanlagen das Bier über den Tresen. Eng an eng warten gut gelaunte Karnevalisten auf das nächste Kölsch. „Bisher läuft alles super, mehr als erwartet, aber es ist toll“, betont Kellner Farshad (49), der wie am Fließband ein Bier nach dem anderen an die durstigen Gäste herausgibt.

Acht Servicekräfte und zusätzliche Mitarbeiter, die sich um den Getränkevorrat kümmern, Gläser spülen und die Fässer wechseln, werden an diesem Tag auf Trab gehalten. „Man muss sich gegenseitig aufeinander abstimmen, auch wenn man sich nicht kennt. Sonst funktioniert das nicht“, findet Annalena Krzossa. Die 23-Jährige kellnert seit 2013, aus Leidenschaft, wie sie sagt. Also auch an Karneval. „Obwohl so viel los ist, merkt man, dass mit genug Zusammenhalt alles machbar ist“, sagt sie.

Bönnsch-Besitzer Timo Klein (37) freut sich, dass sein Lokal an diesen Tagen für viele Karnevalisten im Fokus steht. „Das ist Bonner Brauchtum, jeder kennt das Bönnsch“, sagt er. Angenehm sei hier die eher ältere Klientel, denn die sorge weniger für Rangeleien. Für die Karnevalstage wurde das „Bönnsch“ zu einem karnevalistischen Partysaal umgebaut. Alle Tische, Bänke und Stühle wurden weggeräumt, ebenso die übliche Dekoration, erzählt Farshad. Diesmal erlebt er den Ausnahmezustand der fünften Jahreszeit im Bönnsch zum 18. Mal.

Stammgäste aus ganz Deutschland zieht es nach Bonn

Auch wenn einige Karneval befremdlich fänden, habe die rheinländische Tradition für viele Touristen einen besonderen Reiz: „Jedes Jahr kommen Stammgäste aus Berlin, Hamburg und Frankreich zu Besuch“, erzählt er stolz. Das Besondere an den jecken Brauhausbesuchern sei die Feierlaune. „Im normalen Betrieb sind die Gäste anders. Manche sind glücklich, manche traurig, manche wütend. An Karneval wollen alle nur eins: Gute Laune“, schwärmt der Kellner.

Nach vier, fünf oder auch nach zehn Bier kommen vom einen oder anderen Gast die ersten Sprüche. Vor allem weibliche Kellner kriegen das dann schon mal zu spüren. „Im betrunkenen Getümmel wird man oft angemacht. Sprüche wie ‚Hey Süße, trinkst du einen mit?‘ gehören zu den Klassikern“, erzählt Riwa Knetsch (23), die seit einigen Jahren kellnert. Hinter der Theke zu arbeiten, ist für sie daher ein Segen, denn „so hat man auch genug körperliche Distanz“, verrät sie. Insgesamt sei es aber schön, an Karneval zu arbeiten, man lerne immer neue Leute kennen und die Kombination aus Feiern und Arbeiten sei ideal.

„Wir machen hier vorher alles möglichst bruchsicher“

Die Kneipe Nyx in der Nähe des Frankenbades ist vor allem für jüngere Klientel eine Karnevalshochburg. Um 11.11 Uhr startet der Betrieb traditionell mit einem gemeinsamen Bier für alle. Neun Kellner sind an zwei Theken auf den hohen Andrang an Kundschaft vorbereitet. Für die Karnevalstage wurden zusätzliche Kühlschränke für Getränke und eine kleine Bühne aufgebaut „Wir machen hier vorher alles möglichst bruchsicher“, verrät Nyx-Besitzer Ragnar Fleischmann (46). Vor 15 Jahren hat er das Lokal im Herzen der Bonner Altstadt eröffnet. Als Mitglied der Bonner Herrengarde „Wiesse Müüs“ gehört die fünfte Jahreszeit für Fleischmann zum Alltag dazu.

Der Betrieb zwischen Weiberfastnacht und Karnevalsdienstag gelinge nur dann reibungslos, wenn die Servicekräfte aufmerksam und gut zusammenarbeiten und sich gegenseitig entlasten, sagt er. Die 33 Jahre alte Kellnerin Sophia kann das bestätigen. „Teamarbeit ist das A und O. Ohne würde hier alles zusammenbrechen an solchen Tagen“, ist sie sicher. Im Umgang mit den Kunden an Karneval hat sich Sophia ein dickes Fell zugelegt.

Hin und wieder käme es zwar vor, dass blöde Sprüche fielen, „da muss man aber einfach mit einem frechen Spruch kontern, schon hat sich die Sache“, sagt sie. Weniger schön findet sie es eher, wenn die Gäste heimlich ihre eigenen Getränke verzehren oder versuchen, die Kellner zu täuschen, indem sie sagen, die Getränke seien vor Ort gekauft worden. „Fremdgetränke werden hier besonders an Karneval leider häufiger reingeschmuggelt“, bedauert auch Ragnar Fleischmann. Bei sowas müsse man konsequent sein. Insgesamt haben beide aber nur positive Erfahrungen mit Gästen an Karneval gemacht.