Neue Gebäude auf altem Acker: So entwickelt sich der Campus Poppelsdorf in Bonn

Neue Gebäude auf altem Acker : So entwickelt sich der Campus Poppelsdorf in Bonn

In Poppelsdorf ist ein neuer Campus der Uni entstanden. Weitere 250 Millionen Euro sollen in zusätzliche Gebäude investiert werden.

Ein sommerlicher Vormittag mitten in Poppelsdorf. Auf Fahrrädern strebt ein Quartett junger Frauen und Männer auf die überfüllten Fahrradständer gegenüber der Bibliothek zu. Vor dem Eingang plaudern zwei Studentinnen in ihr Smartphone. Einige Grüppchen haben die meisten der Sitzgelegenheiten auf dem neuen großen Platz zwischen Bibliothek und Hörsaalzentrum belegt.

Keine Frage: Spätestens seit die Institute für Informatik, Numerische Simulation sowie für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften im vergangenen Sommer- beziehungsweise Wintersemester übergesiedelt sind, herrscht Leben auf dem neuen Campus Poppelsdorf, der nach den Plänen der Hochschulleitung die Landwirtschaftliche Fakultät und Teile der Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultäten konzentriert aufnehmen soll. 13 500 Quadratmeter Nutzfläche, zum Teil mit Geothermie beheizt und gekühlt, sind auf dem ehemaligen Acker entstanden.

Am besten merkt man den Wandel ganz am Rande des Areals an der Endenicher Allee, wo das Studierendenwerk bis zum Wintersemester 2016/17 seine Mensa deutlich erweitert und modernisiert hat. Dort stehen ab 11.30 Uhr etwa Falafel mit Joghurtsauce für 1,75 Euro oder Hähnchenbrust mit Thaigemüse für 1,85 Euro plus Beilagen auf dem Speiseplan. „Die Campo ist inzwischen unsere größte Mensa in Bonn“, sagt Pressesprecher Robert Anders. „Im Schnitt geben wir 4000 Essen täglich aus.“ Für den kleinen Hunger gibt es ein Café und für Stifte, Blöcke und anderen Schreibkram einen AStA-Laden. Wenn die Zahl der Nutzer weiter zunehme, müsse man über längere Öffnungszeiten und mehr Essensplätze nachdenken, glaubt Anders.

Gesamtbudget von 273 Millionen Euro

Zwar hat der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes NRW für die Universität schon mehr als 75 Millionen Euro am Standort Poppelsdorf verbaut, doch damit ist die Planung noch lange nicht am Ende. Anfang Mai präsentierte Uni-Kanzler Holger Gottschalk dem Senat eine Auflistung geplanter Bauvorhaben mit einem Gesamtbudget von 273 Millionen Euro bis zum Jahr 2026. Zunächst sollen bis Oktober 2021 3600 Quadratmeter Ersatz und Zusatzflächen für das LIMES-Institut (Life & Medical Science) in dessen direkter Nachbarschaft entstehen, erklärt Pressesprecher Frank Buch von der BLB-Niederlassung Köln. Es entstehen ein Labor- und ein Bürotrakt. Zwei Jahre später könnten dann nach aktuellem Plan der Hochschule vier der sechs Exzellenz-Cluster in den beiden Neubauten des Lehr- und Forschungsforums einziehen, die südlich des neuen Hauptplatzes entstehen sollen. Dazu gibt es aber noch keine Planung des BLB.

Vermutlich die teuerste Einzelmaßnahme ist der zweiteilige, dreigeschossige Neubau für die Tierwissenschaften mit fast 8000 Quadratmetern Nutzfläche östlich des Hauptplatzes. Dessen Kosten werden von der Uni mit 110 Millionen Euro veranschlagt. Der BLB will ihn bis 2025 an der Stelle vorhandener kleinerer Gebäude bauen lassen. Ein Jahr später soll das neue Allgemeine Verfügungszentrum (AVZ) I als Ersatzneubau mit weiteren Laboren fertig sein.

Außerdem plant der BLB ein neues Laborgebäude, in dem ab 2023 rotierend verschiedene Disziplinen während der Neubauphasen und Sanierungen unterkommen sollen. Die Bauaufträge sollen laut Buch Ende des Jahres vergeben werden. Zusätzlich realisiert das Museum Koenig auf einem Erbpachtgrundstück einen eigenen Forschungsneubau. Einige weitere Flächen stehen perspektivisch für zusätzliche Institute oder ein Studentenwohnheim zur Verfügung. Von den Freiflächen, die einst das Gelände prägten, soll kaum etwas übrig bleiben.

Vor der Mensa haben es sich Julie und Levent auf einer Holzbank im Halbschatten bequem gemacht. Julie ist für ihr Masterstudium in Agrarwissenschaften gerade nach Bonn gezogen. Anfangs habe sie sich überhaupt nicht zurecht gefunden, erzählt sie, weil die Gebäude nicht beschriftet waren. Einen Plan sucht man auf dem Gelände tatsächlich vergebens. Auch an Arbeitsplätzen mangele es, weshalb viele Studierende vormittags in der Mensa lernen. In der Bibliothek für die Agrar- und Naturwissenschaften ist das Sanierungsprogramm noch nicht angekommen. Stickige Luft, schummrige Neonlampen und überfüllte Arbeitsbereiche empfangen einen. Levents Meinung nach fehlt außerdem ein Café auf dem Campus.

Ja, diesbezüglich wäre noch Luft nach oben, vermutet auch Robert Anders vom Studierendenwerk. Wenn die Hochschule einverstanden sei, würde das Werk gerne ein zusätzliches Bistro- und Snackangebot schaffen. Er sagt: „Ein mobiler Kaffeewagen bietet für so viele Menschen einfach nicht die nötige Kapazität.“

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