Akademische Kunstmuseum: Skulpturen kommen in den Keller

Akademische Kunstmuseum : Skulpturen kommen in den Keller

Das Museum braucht Platz für seine Exponate. Ab Oktober wird ein Keller ausgebaut und ein Aufzug installiert.

In den beiden Seitengängen des Akademischen Kunstmuseums am Hofgarten stapeln sich die Ausstellungsstücke. Dort stehen Vitrinen, Stühle und Skulpturen dicht an dicht. So dicht, dass schon einiges zu Bruch gegangen ist. Deshalb baut das Museum, unterstützt vom eigenen Förderverein, der Uni Bonn und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), ein Lager in den Keller. Dort sollen nicht benötigte Materialien abgestellt werden. Transportiert werden sie mit einem neuen Lastenaufzug.

Wer derzeit in den Keller gehen will, muss eine schmale Treppe hinabsteigen. "So schmal, dass wir die Ausstellungsstücke gar nicht hinuntertragen können", sagt Museumsleiter Frank Rumscheid. Im Keller selbst sieht es auch nicht besser aus. Die Gänge sind zugestellt mit allerlei Materialien. Platz für Skulpturen? "Nein, auf keinen Fall."

Doch ein paar Meter weiter, vorbei an abgebauten Holzregalen und Kartons, geht es durch eine kleine Öffnung und eine Behelfstreppe hinauf in einen weiteren Keller mit nur etwa 1,70 Meter Deckenhöhe. Stockduster, staubig, voller Spinnenweben ist er.

Im festen Lehmboden ist ein über ein Meter tiefes Loch. Die Fundamente aus Backstein kommen im Baustrahlerlicht zum Vorschein. "Das ist unsere Testbohrung", sagt Rumscheid.

Und die sieht bisher gut aus. Als größte Herausforderung gilt, die Fundamente des klassizistischen und von 1823 bis 1830 errichteten Hauptgebäudes zu sichern und freizulegen. Der alte Rotundenbau wurde 1907 erweitert und geht auf den Entwurf des Bonner Universitätsarchitekten Hermann Friedrich Waesemann zurück, wurde aber von Karl Friedrich Schinkel überarbeitet.

Bis 1872 wurde das Gebäude als Anatomie von der medizinischen Fakultät genutzt. Seitdem beherbergt das Akademische Kunstmuseum die Antikensammlung der Universität Bonn. Das neue Lager wird direkt unter dem zum Hofgarten hin gelegenen großen Ausstellungssaal entstehen, der von den gemauerten Fundamenten getragen wird.

Die Maße des neuen Raums: knapp drei Meter hoch und eine Fläche von etwa hundert Quadratmetern.

"Mit Baggern kommt man hier nicht weiter, die Erde wird per Hand abgetragen und mit einem Förderband nach draußen transportiert", sagt Josef Axer. Der Rheinbacher Architekt plant die Baumaßnahme, auf die sich das Museum seit fast zwei Jahren vorbereitet. Er steht gebückt im Kriechkeller und zeigt in die Dunkelheit, sein Zeitplan wirkt ehrgeizig. "Im Oktober wollen wir mit dem Erdaushub anfangen, länger als zehn Wochen brauchen wir nicht."

Damit die Fundamente stabil bleiben, werden Spundwände vertikal in den Boden getrieben. Die gewellten Stahlbleche verdichten die Erde so stark, dass sie das tonnenschwere Gewicht des Gebäudes tragen kann. "Das Ziel ist, die Kraft auf die Fläche im Boden zu verteilen, auch wenn die Fundamente frei stehen", erklärt Axer.

Bedenken, dass die Statik beeinträchtigt wird, gibt es nicht. Zwei Jahre wird der Umbau nun schon geplant. Was aber vor allem an der fehlenden Finanzierung gelegen hat.

Die Kosten von 180.000 Euro kann Bonns ältestes Museum nicht alleine aufbringen. Den Großteil übernimmt mit 100.000 Euro der LVR. Nachdem es einen zunächst gescheiterten Förderantrag gab, versuchte es das Museum nun ein zweites Mal - mit Erfolg.

Den Rest teilen sich je zur Hälfte Uni und hauseigener Förderverein. "Das Geld haben wir nur durch Mitgliedsbeiträge und Spenden eingenommen", sagt Vereinsvorsitzender Berthold Schneider. Auch er sieht in dem Ausbau die einzige Chance, der Kunst im Museum wieder mehr Platz zu widmen.

Denn ein Stockwerk höher, in den Ausstellungsräumen, wird es langsam eng. Mit mehr als 500 Abgüssen antiker Statuen und Reliefs und mehr als 2000 Originalen gilt die Sammlung als eine der größten der Welt. "Wir können hier unseren Studenten und den Besuchern Dinge zeigen, die sie nirgendwo sonst in dieser Kombination betrachten können", sagt Rumscheid.

Doch die beiden Seitengänge sind fast gar nicht mehr betretbar und deshalb ständig hinter Metallgittern verschlossen. Auf die Reliefs an den Wänden kann Rumscheid nur mit einem langen Rohrstock zeigen. "Es ist auch gar nicht mehr möglich, sie abzuhängen. Sehr schade."

Sind die Seitengänge erst einmal entrümpelt, dürfte das kein Problem mehr sein. Einer der beiden wird sogar einen Lastenaufzug haben, der direkt in den Keller führt. "Anders könnten wir die schweren Vitrinen gar nicht nach unten bringen", sagt Rumscheid. Der Aufzug wird so konzipiert sein, dass er von allen vier Seiten beladen werden kann und ebenerdig verschwindet.

Dadurch wird kein Raum verschenkt, selbst der Aufzug kann als Ausstellungsfläche genutzt werden.

Wenn diese Baumaßnahme abgeschlossen ist, ist das Kunstmuseum noch lange nicht fertig saniert. "Wir haben ein Feuchtigkeitsproblem", erzählt Berthold Schneider. Es gibt nasse Stellen im Mauerwerk, der Putz an der Außenfassade ist rissig und platzt ab. Bauzäune sichern seit einigen Jahren die schadhaften Stellen. "Da müssen wir als Nächstes ran."

Ständige Erweiterung

Die Planung für das Akademische Kunstmuseum begann 1815 in Vorbereitung der Universitätsgründung. Die ersten Exponate kamen 1820 aus Paris. Sieben Jahre später umfasste die Sammlung nach Angabe des ersten Kataloges bereits 189 Exponate. Der erste Direktor des Kunstmuseums, Friedrich Welcker, erweiterte die Sammlung durch Reisen in den Mittelmeerraum erheblich.

Reinhard Kekulé war es, der die Räume der ehemaligen Anatomie für die Antikensammlung sicherte und 1884 den Komplex um ein Gebäude für die Reliefsammlung erweitern ließ.

Der Anbau schloss sich dem klassizistischen Stil der älteren Bauten an. Im Jahr 1908 wurde für das Archäologische Institut noch ein weiterer Anbau hinzugefügt. 2014 wurde der Dachstuhl der Rotunde saniert. (oni)

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