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Vor 60 Jahren in Bonn: Sir Winston Churchill besucht Bonn

Vor 60 Jahren in Bonn : Sir Winston Churchill besucht Bonn

Großer alter Mann, Europäer von Weltrang, bewegende Geschichtsgestalt, Sir Winston, Old Winnie: Am 11. Mai 1956 beehrt Winston Churchill mit seiner Frau Clementine die Stadt Bonn, Bundeskanzler Konrad Adenaue und Bundespräsident Theodor Heuss.

Der ehemalige britische Premierminister fährt im schicken Rolls Royce vor der Villa Hammerschmidt vor, wo bei einem Bankett alle zugegen sind, die in der jungen Bundesrepublik Rang und Namen haben. Für die Ehrengäste gibt es klare Ochsenschwanzsuppe, Forelle, Poularde, Obstsalat und baden-württembergische Weine. Churchill und Heuss plaudern über Malerei, später trägt sich der hohe Gast im Alten Rathaus ins 20 Pfund schwere Goldene Buch der Stadt ein. Der Federhalter gleitet über das Büttenpapier und hinterlässt den knappen Schriftzug: „Winston L. Churchill, 11. May 56“. Well done, Old Winnie!

Die erste Stadtrundfahrt

Und auch das geschah in Bonn vor 56 Jahren: Die erste Stadtrundfahrt des Bonner Verkehrsamtes ist zum Quietschen. Das liegt an dem Bus älterer Bauart, der sich an diesem 1. Mai 1956 erstmals 50 Minuten durch Bonn schlängelt und dabei die wichtigsten Punkte der Geschichte der Stadt abfährt. Verkehrsdirektor Hans Bungert und Bürgermeister Peter Kraemer begleiten die erste Rundfahrt, die am Münsterplatz startet.

Es geht über den Bahnhof zur Poppelsdorfer Allee, der „Achse der Schönheit“, rauf auf den Venusberg zum „schönsten und größten Klinikviertel Europas“. Über das Beamtendorf Reuter-Siedlung geht es zum Regierungsviertel, zum Palais Schaumburg, vorbei am Postministerium zum Rhein. Alter Zoll, Marktplatz, Rathaus, Sternstraße, Friedensplatz, Wilhelmstraße lauten die weiteren Stationen bis zum Ziel Bertha-von-Suttner-Platz. Fortan soll es in Bonn jeden Tag von 10 bis 12 Uhr Stadtrundfahrten geben.

Sorgen um die Jugend

Und der Jugendwohlfahrtsausschuss macht sich 1956 Sorgen um die jüngsten Bonner. Bei einer Sitzung berichtet Kriminalkommissarin Flach über die Jugendgefährdung in Bonn: In einem Jahr seien 500 Kinder straffällig geworden. Jeder zehnte Diebstahl in der BRD wird von Kindern ausgeführt, berichtet die Kommissarin. 1350 Kinder verstießen von 1951 bis 1955 gegen das Strafgesetz. Ein achtjähriges Mädchen verübte in drei Tagen 20 Ladendiebstähle.

Die alarmierenden Zahlen veranlassen den Jugendwohlfahrtsausschuss zu einem Programm, das vor allem den Medienkonsum betrifft: Schärfere Überwachung des Kinobesuches bei Jugendlichen unter 16 Jahren, Einschaltung von Stadtverordneten in die Überwachung, Kontrolle der so genannten Schmutz- und Schundliteratur, Förderung des guten Jugendschrifttums und Erhöhung des Jugendschutzalters auf 18 Jahre.

Über die Elternpflegschaften will der Ausschuss stärkeren Einfluss auf jene Eltern gewinnen, die gewollt oder ungewollt ihre Kinder mit dem Gesetz in Konflikt bringen. Kommissarin Flach: „In einem Falle hat eine Mutter ihre zehnjährige Tochter zu Diebstählen in Kaufhäusern angehalten.“ Sie habe kein Geld, um die Wünsche des Kindes zu erfüllen, also solle es stehlen.