Poetry-Slam im Friedrich-Ebert-Gymnasium: Siegerin tritt Preis an die Zweite ab

Poetry-Slam im Friedrich-Ebert-Gymnasium : Siegerin tritt Preis an die Zweite ab

Evgenia Ivancheck war die eigentliche Gewinnerin beim ersten Poetry-Slam des Friedrich-Ebert-Gymnasiums. Doch sie zeigte sich am Ende überaus fair und trat den Preis an die zweitplatzierte Aicha Lopes de Silva ab.

So richtig entscheiden konnten sich die Zuschauer bei der finalen Abstimmung des Poetry Slams nicht: Sollten sie für Evgenia und ihren Text über Prinzipien und Faulheit oder für Aicha mit der Frage „Woher kommst du?“ votieren?

Manch einer machte es sich leicht und zerriss den Abstimmzettel in der Mitte: Für jede Kandidatin gab es dann eine halbe Stimme. „Das zeigt, wie toll beide Finalistinnen sind“, freute sich Organisatorin Tikva Schumacher aus der 12. Am Ende hatte Evgenia Ivancheck die Nase vorn. In drei Runden hatte sich die Schülerin gegen neun andere Slammer durchgesetzt. Ihr Geheimnis: „Es kommt darauf an, man selbst zu bleiben und sich nicht zu verstellen.“

Die Schülerinnen Tikva Schumacher und Nina Boabang hatten den Poetry Slam im Rahmen des International Baccalaureates organisiert. Besonders die Kandidatensuche habe sich als mühsam erwiesen. Das Schreiben sei eine Sache, das Vorstellen eine völlig andere. Die beiden hatten den Slammern sowohl beim Inhalt als auch bei der Performance freie Hand gelassen.

„Das Schöne am Poetry Slam ist, dass es ein Kontrast zur Lyrik ist, die wir in der Schule behandeln“, so die 17-jährige Nina. Deutschlehrerin Susann Schlömilch zeigte sich begeistert von den „spannenden Wortabenteuern“ ihrer Schüler. „Es geht darum, mit Sprache zu spielen, etwas goethesche Kompetenz zu erlangen und so die Dichtervorbilder lebendig werden zu lassen.“

Auf Teufel komm raus gereimt

Auch die Mitschüler waren von der Idee beeindruckt und lobten den Mut der zehn Schüler, sich und ihre selbstverfassten Texte auf der Bühne zu präsentieren. „Ich glaube, das Schwierigste ist, den richtigen Rhythmus zu finden und selbstbewusst aufzutreten“, so die 14-jährige Katia Duhr.

Der Rhythmus lag auch Teilnehmer Leon Bürgers am Herzen: „Ich habe auf Teufel komm raus gereimt.“ Dem 16-Jährigen sei es vor allem darum gegangen, seinem Auftritt einen lustigen Anstrich zu geben. Spätestens als er mitten in der Darbietung eingestehen musste, die letzte Seite seines Textes verlegt zu haben, waren ihm die Lacher sicher.

Spontan fasste er die Message dann noch ganz souverän zusammen: „Wir alle sollten uns mehr Schlaf gönnen, dann würde so was wohl nicht passieren.“ Verlierer gab es an dem Abend ohnehin nicht, wie Evgenia zusammenfasste: „Wir haben alle gewonnen.“ Ihren Preis trat die Siegerin an die zweitplatzierte Aicha Lopes de Silva ab: „Ich finde deine Message unglaublich wichtig.“ Aicha wird im kommenden Jahr beim Kulturabend des Friedrich-Ebert-Gymnasiums auftreten.

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