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Konzert in der Harmonie: Sie singt sich die Seele aus dem Leib

Konzert in der Harmonie : Sie singt sich die Seele aus dem Leib

Es gibt ihn seit kurzem, "den Nickschas-Effekt". Eine "Sabine" aus Königswinter beschreibt ihn über die sozialen Medien so: "Echt beeindruckend, wir wollten gerade weitergehen und blieben dann doch auf dem Marktplatz von Königswinter stehen."

Die Stimme von Straßenmusikantin Cynthia Nickschas ging ihr durch und durch. "Dann standen wir in der Abendsonne und waren begeistert. Hey, echt berührend, das kam richtig aus dem Herzen, mehr davon", schreibt "Sabine" und will am morgigen Sonntag in die Harmonie kommen.

Dort wird die 27-jährige Godesbergerin Cynthia Nickschas nämlich ab 19 Uhr mit ihrer Band auftreten. Und vor allem schon einmal mit ihrer rauen souligen, ja bluesigen Stimme aufhorchen lassen. "Wenn sie singt, durchpulst sie den ganzen Körper, vom Kopf bis in die Beine, sie singt sich die Seele aus dem Leib", hat selbst die Musikkritik schon aufgehorcht, wenn die in Tuttlingen geborene ehemalige Kirchenchorsängerin loslegt.

Als zweites Erkennungsmerkmal gilt: "Die Nickschas" textet auch noch mutig unkonventionell. Auf ihrem gerade herausgekommen Album "Kopfregal", das sie bei Konstantin Weckers Label "Sturm & Klang" unterbringen konnte, sucht sie Perspektiven in einer in ihren Augen entpersönlichten Leistungsgesellschaft der Verdummung. Zum Beispiel im Titel "Generation Blöd": "Im Gegensatz zu euch will ich, dass meine Kinder lachen."

Dass sie wirklich daran glaubt, unterstreicht der unerwartet ruhige Ausklang. "Positiv denken" heißt ein weiteres Motivationslied für die Alles-Schlechtredner. Die Godesbergerin geht mit gutem Beispiel voran. Der Song "Schissig" ist der Versuch, sich im Privaten zu finden. Und "schissig" ist Nickschas, die bekennt, nach dem Fachabitur einige Brüche hinter sich zu haben, wirklich nicht. Mit ihrer Akustikcombo, bestehend aus Gitarre, Akustikbass und Schlagzeug, mit der sie in einer WG zusammenlebt, spielt sie inzwischen auf dem Herzberg-Festival, diversen kleinen Woodstocks und dem Eurofolk in Ingelheim. Auch mit dem unverdrossenen Politbarden Konstantin Wecker stand sie schon auf der Bühne und machte auch dem Publikum Mut, wild draufloszutanzen.

Einen authentischen Weg will sie gehen. Die Musiksprache des Rap ist dabei nicht ihr Ding. Die Liedermacherin bleibt bei Blues und Soul. Irgendwann einmal wolle sie einkaufen gehen "und nicht gucken, ob ich mir den Liter Milch noch leisten kann, oder nicht", sagt sie. 40 Jahre im selben Job arbeiten, "fett und ranzig" werden und 20 Jahre älter aussehen, das solle aber bitte nicht folgen, fügt sie erfrischend hinzu. Im November 2011 belegte sie bei der WDR-Show "Die besten Straßenmusiker aus NRW" einen der vorderen Plätze.

Konzert

Karten für das Konzert am morgigen Sonntag (19 Uhr) in der Harmonie, Frongasse in Endenich, gibt es für 14,60 Euro in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.