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Vom Glück des richtigen Augenblicks: Sensationelle Naturfotos im Museum Koenig Bonn

Vom Glück des richtigen Augenblicks : Sensationelle Naturfotos im Museum Koenig Bonn

87 Siegerfotos des 20. Internationalen Glanzlichter Naturfotowettbewerbs zeigt zurzeit das Museum Koenig an der Adenauerallee. Unerlaubte Manipulationen werden durch penible Begutachtung ausgeschlossen.

Das Ungewöhnliche im Bild des spanischen Naturfotografen Manuel Enrique González Carmona hat die Jury des 20. Internationalen Glanzlichter Naturfotowettbewerbs überzeugt: Aus über 18.000 Einsendungen aus weltweit 39 Ländern wurde sein Bild „Meteorit“ zum Gesamtsieger in acht Kategorien ausgezeichnet.

Am Donnerstagabend eröffnete Wolfgang Wägele, Direktor des Forschungsmuseums Koenig, zusammen mit Mara Fuhrmann, der Veranstalterin des internationalen und größten deutschen Naturfoto-Wettbewerbs, die Fotoausstellung mit einer Auswahl der jeweils zehn Erstplatzierten aller Kategorien.

In den letzten 20 Jahren des Wettbewerbs hat sich in der Fotografie und somit auch bei den Glanzlichtern viel verändert. Wurden in den ersten Jahren bei der Jurierung noch etwa 3000 Dias über Leuchtpult und mit Lupe begutachtet, werden die heute schon bis zu 21 000 Einreichungen digitaler Fotografien am Monitor beurteilt.

Dabei wurde der „Meteorit“ des Gesamtgewinners Camora aufgrund seiner schon als surrealistisch zu bezeichnenden Komposition einer genauen Prüfung der dem digitalen Foto zugrundeliegenden Raw-Datei unterzogen. Hierdurch konnten unerlaubte Manipulationen ausgeschlossen werden. „Tonwertkorrektur, Kontrast- und Sättigungsanpassung, Schärfung, Bildausschnitt und Mehrfachbelichtungen sind dagegen zulässig“, erklärt Fuhrmann.

Er verbrachte die Nacht im Zelt

Während der 14-jährige Lasse Kurkela aus Finnland, der mit seinem Bild „Scheue Begegnung“ Glanzlichter-Nachwuchs-Naturfotograf 2018 wurde, im entscheidenden Moment, Auge in Auge mit dem Wolf, auf den Auslöser drückte, gelang Carmona mit dem Bild einer kleinen Insel im spanischen Rio Tinto und einer hinzubelichteten Spiegelung der Ufersilhouette etwas überraschend Neues.

Obwohl der Ort nur eine Autostunde von Carmonas Haus entfernt lag, verbrachte er die Nacht in einem Zelt am Ufer des Rio Tinto, um möglichst früh am Morgen zu fotografieren. Der Fluss hat seine charakteristische Farbe aufgrund von Eisenvorkommen, die Flussbett und Flussufer einfärben.

Im Moment der Aufnahme erschien das Wasser dunkelblau und bildete mit dem roten Felsen einen starken Kontrast. Carmona erkannte, dass die auf den Felsen treffende Strömung eine Spur erzeugte, die ihn scheinbar in Bewegung setzte. Nach einer 180-Grad-Drehung wurde der Felsen für ihn zum „Meteorit“.

Plötzlich erschien ein Wolf

Ein Effekt, der letztlich die Jury überzeugte. Auch dem ausgezeichneten Nachwuchsfotografen Lasse gelang das Bild mit einer Übernachtung am Tatort. Zusammen mit seinem Vater verbrachte der Vierzehnjährige die Nacht in einer abgelegenen Gegend Finnlands in einer Ansitzhütte, um von dort Bären und Wölfe zu beobachten. Kurz vor der völligen Dunkelheit erschien plötzlich ein Wolf.

Obwohl das Licht kaum mehr ausreichte, fotografierte Lasse. Später wandelte er sein Foto in Schwarz-Weiß um und unterstützte damit die mystisch-märchenhafte Wirkung des Bildes, die ihn zum Sieger seiner Kategorie machte.

Dass sich auch im Zoo Naturfotos schießen lassen, bewies Bettina Zeller aus Hannover mit ihrem Bild „Auge in Auge“: Nachdem der Steppenadler seine Flugkünste in der Showarena gezeigt hatte, ruhte er sich auf der Faust seines Tierpflegers aus. Die Fotografin beobachtete, dass es eine mutige Wespe auf den kleinen Rest eines Fleischleckerlis abgesehen hatte, der noch am Schnabel des Vogels klebte. Der Druck auf den Auslöser im richtigen Moment machte Zeller zur Fritz Pölking Award 2018-Gewinnerin.

Glanzlichter. Naturfotografien 2018. Bis 6. Januar 2019 im Museum Koenig, Adenauerallee 160. Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, Mittwoch, 10 bis 21 Uhr. Eintritt 5 Euro (ermäßigt 2,50). Der gleichnamige Katalog ist für 20 Euro im Museum erhältlich.