Achtspuriger Ausbau der A 59: Sechs Wohnhäuser müssen wegen Ausbau weichen

Achtspuriger Ausbau der A 59 : Sechs Wohnhäuser müssen wegen Ausbau weichen

Der Landesbetrieb Straßen NRW stellt seine Pläne für die Verbreiterung der A 59 auf acht Spuren zwischen Bonn und Sankt Augustin vor. Sie liegen auch öffentlich aus.

Es vergeht kaum ein Wochentag, an dem es sich auf der A 59 nicht staut. Gerade im Berufsverkehr herrscht dort Hochbetrieb. Weil die Autobahn schon seit Jahren an ihrer Belastungsgrenze stößt und sie inzwischen sogar überschritten hat, plant der Landesbetrieb Straßen NRW den Ausbau bis hin nach Köln. Aktuell rückt der Abschnitt zwischen den Kreuzen Bonn Nord-Ost und Sankt Augustin-West in den Vordergrund – ein echtes Nadelöhr. Dort sollen künftig vier Fahrspuren pro Richtung zur Verfügung stehen.

Wie berichtet, liegen nun die Pläne offen aus. „Der Projektplaner hofft, den Planfeststellungsbeschluss Ende 2018, Anfang 2019 in den Händen zu halten“, sagt Timo Stoppacher von Straßen NRW. Bis es mit dem Bau also losgeht, werden noch ein paar Jahre ins Land gehen. Denn damit die A 59 überhaupt verbreitert werden kann, müssen Eigentümer in Meindorf, Menden, Geislar und Vilich-Müldorf Grundstücke oder Teile davon abgeben.

Es geht auch nicht ohne den Abriss von sechs Wohnhäusern in Meindorf und einigen Nebengebäuden. „Im Prinzip können die Anwohner dort aber damit rechnen, noch vier, fünf Jahre in ihren Häusern bleiben zu können“, sagt Stoppacher. In Meindorf wollen sie zudem „dafür kämpfen, dass die Lärmschutzwände komplett zwischen beiden Kreuzen durchgezogen werden“, sagt der Meindorfer Ortsvorsteher Peter Kespohl.

Das Problem bei dem 3,3 Kilometer langen Stück zwischen den beiden Dreiecken: Im Norden stoßen zu den Autofahrern aus Köln über die A 560 die aus dem Siegtal und Hennef – samt dem Fernverkehr von der A3. In Bonn kommen Fahrzeuge aus Richtung Meckenheim und Nordbrücke (A 565) und gesellen sich auf der A 59 zum Verkehr aus Richtung Südbrücke. Für beide Dreiecke gilt: Es kommen aus zwei Richtungen zwei Fahrspuren an, die sich dann zu drei Spuren verengen. Straßen NRW sieht diesen Abschnitt im Prinzip wie eine Einheit. „Das ist an der Stelle ein klassischer Flaschenhals“, sagt Stoppacher.

Ein Ausbau des Nadelöhrs drängt

Im Gegensatz zu vergleichbaren Autobahnen in anderen Regionen sei dort richtig viel los. Das kurze dreispurige Stück habe mittlerweile schon das Format der A 3 bei Leverkusen. Und dort werde gerade vierspurig ausgebaut. In Zahlen: Als Prognose fahren durch die A 59-Engstelle im Jahr 2025 rund 129.000 Fahrzeuge in 24 Stunden. „Aktuell sind es vielleicht 6000 weniger“, sagt Stoppacher. Als extremes Gegenbeispiel nennt er die A 542 zwischen Monheim und Langenfeld, die wie die A 59 in weiten Teilen auch je zweispurig ist. Dort werden 10.000 Autos am Tag gezählt. Fürs hiesige Nadelöhr gilt nach Angaben des Sprechers also: „Ein Ausbau ist eigentlich dringend geboten.“ Die Erkenntnis ist nicht neu, Straßen NRW beschäftigt sich schon seit mindestens zehn Jahren mit dem Thema. Das dauert so lange, da an der Diskussion unter anderem auch die Kommunen Bonn und Sankt Augustin beteiligt sind. Zudem steht der S13-Ausbau an.

Die Nähe zu den Schienen bedeutet, dass sich die Trasse nach Osten hin nicht wirklich verbreitern lässt. So kommt es, dass auf der Ostseite der eine oder andere Einwohner sein Haus räumen muss – was aber noch keine beschlossene Sache ist. So würde sich das A59-Teilstück später zum Rhein hin ausweiten, der Mittelstreifen würde sich auch verlagern. Entsprechend werden die Zu- und Ausfahrten in den Dreiecken in neuen Radien verschwenkt. „Die Planfeststellung ist wichtig, um Geld in die Hand nehmen zu können“, sagt Stoppacher. Veranschlagt seien zurzeit 62 Millionen Euro, es könne aber durchaus teurer werden.

Was den sechsspurigen Ausbau bis Köln betrifft, gibt es für das Stück von Porz bis zum Flughafen bereits ein Planfeststellungsverfahren. Für den südlichen Teil bis Sankt Augustin-West wird nach Stoppachers Angaben eins mit Variantenuntersuchung vorbereitet. Konkrete Pläne seien für Ende des Jahres zu erwarten. Bis das letzte dreispurige Stück gebaut wird, werde es wohl Mitte der 2020er Jahre werden.

Vorher ist 2019 noch die Verbreiterung der A 59 zwischen der Abfahrt Vilich und dem Kreuz Bonn-Ost an der Reihe. Und es steht in den nächsten Jahren der Ausbau der Bonner Stadtautobahn A 565 (Tausendfüßler) zwischen Endenich und Tannenbusch an.

Und so geht es weiter:

Innerhalb des Planfeststellungsverfahrens kann sich nun jeder bis Donnerstag, 10. März, im Bonner Stadthaus (Etage 7C, Berliner Platz 2) oder im Sankt Augustiner Rathaus (Markt 1) sowie im Internet über die Pläne informieren.

Dabei geht es neben dem Verkehr auch um betroffene Grundstücke und den Naturschutz. An der Autobahn befinden sich etwa Nistgebiete der Zauneidechse, für die es Ausgleichsflächen geben müsste. Sechs Aktenordner liegen aus, dazu gehören auch Karten. Anschließend können sichPrivatleute, Kommunen, Firmen und Verbände (Träger öffentlicher Belange) melden.

„Von denen liegen zum Teil auch schon Stellungnahmen vor“, sagt Timo Stoppacher vom Landesbetrieb Straßen NRW. Nach einer zweiwöchigen Einwendungsfrist wird allen Anregungen und Bedenken nachgegangen. Jeder erhält einen Bescheid. Entweder folgt dann direkt der Planfeststellungsbeschluss, was aber auch ein bis zwei Jahre dauern kann. Oder: Wenn Einwendungen berechtigt sind, muss der Straßenbetrieb nacharbeiten. Es folgt ein sogenanntes Deckblattverfahren.

Änderungen müssen auch offengelegt werden. Irgendwann kommt auch hier der Planfeststellungsbeschluss, ähnlich einer Baugenehmigung. Doch auch dann sind laut Stoppacher noch Klagen möglich, auch bis in höhere Instanzen. Am Ende stehen die Bauausführungsplanung und der Grunderwerb (je nachdem folgen Prozesse oder sogar Enteignungen) an. Wenn alles wie am Schnürchen läuft, kann mit dem Bau der acht Spuren 2020 begonnen werden. Die Bauzeit beträgt etwa zwei Jahre.

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