Kommentar: Schwierige Mission

Kommentar : Schwierige Mission

Nach dem Fusionsprozess „Zukunft heute“ soll nun der „Pastorale Zukunftsweg“ den Weg für die katholische Kirche in bessere Zeiten weisen. Die lautmalerische Etikette erinnert an die Titel politischer Gesetzgebungsverfahren.

Diese Prognosen sprechen für sich: Wenn sich die Zahl der Priester, Pastoralreferenten und Diakone in den kommenden zwölf Jahren um die Hälfte verringern wird, dürfte sich ein „Weiter so!“ für die Katholische Kirche kategorisch verbieten. Fatalerweise erlebt nicht nur das kirchliche Personal derlei Einbrüche, auch die Zahl der Gläubigen ist seit Jahren rückläufig. Im ehemals „katholischen Bonn“ nähert sie sich verlässlich der Marke 100 000 an. Insofern hat der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki sicher Recht, wenn er von einer „Erosion des kirchlichen Lebens“ spricht. Woraus er gleichzeitig den Anspruch ableitet, weiterhin Volkskirche zu sein, erscheint angesichts der Lage erläuterungsbedürftig.

Nach dem Fusionsprozess „Zukunft heute“ soll nun der „Pastorale Zukunftsweg“ den Weg in bessere Zeiten weisen. In welcher Kammer des Erzbistums derlei Euphemismen auch ausgebrütet werden mögen – sie erinnern in fataler Weise an jene lautmalerischen Etikette, wie sie neuerdings im politischen Gesetzgebungsverfahren in Mode kommen. Wie dem „Gute-Kita-Gesetz“ oder der „Respektrente“ geht auch den katholischen „Sendungsräumen“ der Verdacht voraus, dass hier eine blumige Decke über das Scheitern der eigenen Flickschusterei gelegt werden soll.

Wie aus Gemeinden und Pfarreien vor einem Jahrzehnt Seelsorgebereiche wurden, haben die Gläubigen noch in guter Erinnerung. Die Gefahr ist groß, dass die erneute Suche nach Synergie und Effizienz bei vielen Gemeindemitgliedern zu weiterem Verdruss führt. Gelingen könnte das Projekt, wenn es dem Erzbistum diesmal gelingt, Seelsorger und Laien spürbar einzubinden. Sie sind es, die ihr Ohr an der Gemeinde haben. Und sie haben mehr Gehör verdient.

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