Bonns siebter Stadtklangkünstler: Schwebungen und Schwingungen

Bonns siebter Stadtklangkünstler : Schwebungen und Schwingungen

An der Adenauerallee wird wieder gebaut. Ganz deutlich hört man den Presslufthammer stampfen. Aber der Klang verfliegt. Jetzt fiept es dafür wie aus einem betagten Röhrenfernseher - und zwar so durchdringend, dass selbst der Straßenlärm dahinter zurücktritt.

Die auf den ersten Ton etwas verstörende Geräuschkulisse ist das Werk des diesjährigen Bonner Stadtkünstlers Edwin van der Heide auf der Wiese vor der Universitäts- und Landesbibliothek an der Adenauerallee. Heute um 16 Uhr wird seine Installation offiziell eingeweiht.

"Schwebungen und Schwingungen" hat van der Heide seine Arbeit genannt. Sie besteht aus zwei hölzernen Schallhörnern, die sich gegenseitig tiefe Tonfolgen entgegenblasen. Im Hintergrund stehen zwei runde Zylinder aus Metall, die hohe Pfeiftöne in alle Richtungen abgeben. Die Klänge stammen nicht aus Lautsprechern. Van der Heide nutzt vielmehr einen Kompressor, der im Magazinkeller der Bibliothek Pressluft in pneumatische Ventile in Wellenform presst. Das funktioniert ähnlich einer Orgelpfeife, aber ohne Resonanzraum. "Je nachdem, wo und wie man sich in diesem Klangfeld bewegt, verändern sich die Töne und überlagern sich", sagt der 45 Jahre alte Künstler, der seit 1995 am Königlichen Konservatorium und der Königlichen Kunstakademie in Den Haag unterrichtet.

Lange hatten Bonns siebter Stadtklangkünstler und Kurator Carsten Seiffarth nach einem geeigneten Standort für die Arbeit gesucht. Van der Heide sieht Bonn als "bunte Collage von historischen Bauten und 70er-Jahre-Bebauung mit wenigen modernen Akzenten", deren Klang keinem einheitlichen Konzept folge. Da die Beethovenstiftung als Finanzier und Ausrichter des etwa 50 000 Euro teuren Projektes in diesem Jahr mit der Universität Bonn kooperiert, sollte es ein Platz sein, der Stadt und Uni verbindet. Erst dachte van der Heide an die Universitätsklinik oder das Institut für Mathematik. Die vielen Passanten auf dem Weg zur Bibliothek sprachen letztlich für den gewählten Standort.

Schallmessungen hat van der Heide nicht vorgenommen, glaubt aber, Anwohner nicht zu stören. Trotzdem ist die Installation täglich nur zwischen 12 und 20 Uhr eingeschaltet - und zwar bis 30. Oktober. Renate Vogt, die leitende Direktorin der Bibliothek freut sich, dass die unter Denkmalschutz stehende Wolkenschale von Franz Arp vor ihrem Haus nun für zehn Monate eine klangliche Umrahmung findet.

Nicht nur sie ist gespannt, wie viele Studierende sich im Sommer zwischen den Schalltrichtern auf der Wiese niederlassen - und vor allem, wie lange sie bleiben.

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