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Schulbetrieb in der Corona-Krise: Bonner Schulen bereiten sich vor

Unklarheit über Hygieneregeln : Lehrer in Bonn vor Neustart der Schulen verunsichert

Nach dem Vorstoß der NRW-Landeregierung, die Schulen schnell wieder zu öffnen, herrscht bei den Bonner Schulleitungen Unsicherheit über die Rahmenbedingungen. Harsche Kritik kommt von der Gewerkschaft vor Ort.

Auch die Leiterinnen und Leiter der Bonner Schulen haben am Mittwoch gespannt auf Nachrichten aus Berlin gewartet. Nachdem sich die Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten beraten hat, sollen die Schulen schrittweise wieder geöffnet werden. Den Anfang machen die Abschlussklassen der Mittleren Reife und die Abiturklassen. Sie werden schon am kommenden Montag wieder geöffnet, wie Ministerpräsident Armin Laschet am Mittwochabend mitteilte. Die vierten Klassen der Grundschulen sollen ab 4. Mai wieder in die Schule gehen. Wann alle Schüler wieder zur Schule gehen können, ist weiterhin offen.

„Wir sind als Lehrer sehr unsicher, wie es weitergeht“, sagte Rolf Haßelkus dem GA. Er ist Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft des Stadtverbands Bonn und unterrichtet an der Realschule Hardtberg. Vom NRW-Bildungsministerium sei eine Anfrage an die Schule gekommen, welche Lehrer zur Risikogruppe aufgrund des Alters oder von Krankheiten zählen. Diese sollen erstmal nicht in den Einsatz kommen, so Haßelkus. „Damit würde ein Viertel der Lehrer an unserer Schule wegfallen.“

Unklarheit über Einhaltung der Hygienebestimmungen

Wie die Hygienebestimmungen eingehalten werden sollen, stehe auch noch nicht fest. „Das wird von der Kommune organisiert“, so Haßelkus. Er bezweifle aber, dass man das innerhalb von drei Tagen auf die Beine stellen könne. Und auch sonst seien noch viele Fragen offen. „Müssen wir Lehrer und die Schüler Mundschutz tragen? Was ist mit den Schülern, wenn sie nach dem Gong in eine andere Klasse müssen oder durch die schmalen Flure laufen? Wie soll da der Mindestabstand eingehalten werden?“ Derzeit warte er auf die Anweisung aus dem Ministerium. „Wir brauchen aber mindestens eine Woche Vorlaufzeit, um die Hygienestandards einhalten zu können.“

Kritische Töne kommen ebenfalls von der Bonner Stadtschulpflegschaft. „Eines dürfte klar sein: Bei den heutigen Klassengrößen und der Raumknappheit zeugt der Satz ‚Dann müssen die Schüler 1,5 m Abstand halten’ bestenfalls von Unwissenheit“, sagt Vorsitzender Andreas Beutgen. Bei der Reinigungssituation, etwa von Schultoiletten oder Klassenzimmern, sei an zusätzliche Hygienemaßnahmen wohl kaum zu denken. Maskenpflicht und Mindestabstand – all das seien Maßnahmen, die nur für einen kleinen Teil der Schulen beziehungsweise Klassen praktisch vorstellbar seien.

Masken und Desinfektionsmittel fehlen

Wie das Kaninchen vor der Schlange kam sich in den vergangenen Tagen die Leiterin der Godesberger Gertrud-Bäumer-Realschule, Daniela Römmler, vor. „Wir warten alle darauf, dass Ministerpräsident Laschet etwas sagt“, so die Schulleiterin. Am Freitag will sie sich mit den Hausmeistern treffen, um festzulegen, wo es Ein- und Ausgänge geben könnte. Für sie noch dringlicher ist die Frage nach medizinischem Mund-Nasenschutz und Desinfektionsmitteln. „In den Hygienestandards des Landes ist das nicht vorgesehen, und wo sollte es auch herkommen“, fragt sie sich.

Zudem könne sie nicht feststellen, ob Oberflächen gründlich gereinigt wurden. „Ich werde meinem Kollegium in der Dienstbesprechung per Internet-Cloud empfehlen, sich einen Schutz zu nähen“, meinte Römmler. Dieser solle maximal eine Schulstunde getragen und dann ersetzt werden.

Stadt Bonn weicht aus

Die Stadt Bonn äußerte sich auf die Frage, ob das Reinigungspersonal an den Schulen aufgestockt wurde eher ausweichend: „Schulträger sind grundsätzlich aufgefordert, die Schulgebäude zur Wiedereröffnung vorzubereiten“, so die Antwort aus dem Presseamt. Die Schulen seien – wie in den Ferien üblich – gereinigt worden. „Im Übrigen ist seit Schließung der Schulen nach Auskunft von Hygienefachleuten ausreichend Zeit vergangen, so dass keine besonderen Reinigungsmaßnahmen notwendig sind“, teilt die Stadt mit.