Musik: Schrille Panflöte aus der Partnerstadt

Musik : Schrille Panflöte aus der Partnerstadt

Zum Auftakt des Festivals der Musikkulturen erklingen in der Brotfabrik ungewohnte Klänge. Die vom Kulturamt der Stadt initiierte und organisierte dreiteilige Konzertreihe präsentiert Ensembles aus fünf Partnerstädten und aus Berlin, die ihre jeweiligen Volksmusiken neu interpretieren.

Tradition und Moderne in Einklang zu bringen, ist immer eine Herausforderung. In der Musik gilt dies sowohl für die Künstler als auch für das Publikum, wie der Auftakt zum Festival der Musikkulturen am Dienstagabend nachdrücklich bewies. Die vom Kulturamt der Stadt initiierte und organisierte dreiteilige Konzertreihe präsentiert Ensembles aus fünf Partnerstädten und aus Berlin, die ihre jeweiligen Volksmusiken neu interpretieren.

Kann wunderschön sein – aber auch extrem anstrengend. In der nahezu ausverkauften Brotfabrik traf das Trio Rosenrot auf das Ensamble de Cámara de la Orquesta Experimental de Instrumentos Nativos (ECOEIN) aus La Paz und verdeutlichte, dass dieser Zweiklang offenbar überall auf der Welt identisch ist.

Dabei schien es zunächst ein ganz entspannter Abend zu werden. Nach einem spontanen Auftritt der Fiji Police Force Band, die anlässlich der Weltklimakonferenz ein paar gesungene und getanzte Bula-Grüße an das Publikum richtete, versuchte das Trio Rosenrot, „die deutschen Volkslieder zu entstauben und ins Hier und Jetzt zu holen“, wie Sängerin Dana Hoffmann erklärte. So entstanden wirklich zauberhafte Arrangements von „ein klein wild Vögelein“ oder „Sah ein Knab' ein Röslein steh'n“, in denen Hoffmanns exzellenter Gesang von Gitarren- und Schlagzeug-Variationen umschlungen wurde. Klasse, so lange die Instrumentalisten Hub Hildenbrand und Denis Stilke fokussiert blieben. Was leider nicht immer der Fall war. Immer wieder verloren sich die beiden in Soli, die nicht mehr dem Lied dienten, sondern sich dieses unterwarfen und es dekonstruierten. So litten sowohl „Das Loreleylied“ als auch „Kein schöner Land“ unter improvisatorischer Maßlosigkeit. Dies irritierte auch einige Besucher, obwohl im Großen und Ganzen das Lob überwog.

Weitaus schwerer hatten es da die Bolivianer von ECOEIN, die fremdartiges Liedgut in modernem Gewand darboten. Schon die traditionellen Stücke, die das fünfköpfige Ensemble an den Anfang seines Konzerts gestellt hatte, waren durch gellende Flötentöne und eine gewisse melodische Monotonie nicht gerade leicht verdaulich. Doch die zeitgenössischen Kompositionen aus Uruguay, Ecuador und Bolivien, die zum großen Teil einem fiependen Minimalismus frönten, waren bei allem Verständnis für die Sehnsucht nach neuen Strukturen in der Musik einem Teil des Publikums zu viel. Immer mehr Menschen verließen den Saal, flüchteten vor den Disharmonien und den Klangexperimenten, die das Quintett mit Panflöten, Trommeln und anderen urtümlichen Instrumenten seiner Heimat erweckte. „Das ist mir dann doch zu viel Moderne“, sagte eine Besucherin im Vorbeigehen. Bei den beiden Konzerten heute und morgen dürfte es leichtere Kost geben.