Kommentar: Schleife wird zur Schlinge

Kommentar : Schleife wird zur Schlinge

Die neue Verkehrsführung ist nur Stückwerk und bringt mindestens so viel Schaden wie Nutzen, meint GA-Redakteur Nicolas Ottersbach.

Seit der neuen Verkehrsführung rund um die Bonner Innenstadt fährt es sich auf der Kaiserstraße königlich – sofern man nicht mit dem Auto von Süden in Richtung Bahnhof will. Nachdem man all die Planungen bislang nur auf Papier verfolgen durfte, kann man den neuen Cityring nun im realen Leben testen.

Und diese Erfahrung ist hart, so wie das Leben oftmals selbst: An der Nassestraße ist für Autofahrer Schluss, sie müssen eine Schleife fahren. Zumindest stellen einen die Verkehrsplaner – oder die, die es in den Reihen von Verwaltung und Politik gerne sein wollen – nicht vor endlose Auswahlmöglichkeiten. Nur Rechtsabbiegen in die Nassestraße ist drin. In eine der engsten Straßen, die Bonn zu bieten hat. Links parken Autos, rechts gehen Studenten zur Mensa. Und mitten auf der Fahrbahn kommen einem Fahrradfahrer entgegen, die richtigerweise Vorrang haben.

Für den Autofahrer ist da kein Platz. Links auf die Lennéstraße, die wegen weggefallener Stellplätze an der Kaiserstraße wild zugeparkt wird. Am Hofgarten wieder links in die Fritz-Tillmann-Straße, um zurück auf die Kaiserstraße zu kommen. Der doppelte Weg für eine eigentlich einfache Strecke. Was für ein Irrsinn. Hoffentlich wird es nie einen Vorfall auf der Adenauerallee geben, weswegen sich der Verkehr eine Ausweichroute suchen muss. Dass zu viele Autos in der City unterwegs sind, ist klar. Dass die Menschen nicht aufs Auto verzichten, solange sie es bequem nutzen können, auch.

Aber anstatt die Sache im Großen anzugehen, passiert immer nur Stückwerk, das auch noch kurz zuvor wieder völlig verändert wird – wie kürzlich nach dem Vorstoß von OB Sridharan bei der Kaiserstraße. Mit Plänen, die man mühselig versteht, wenn man sie vor sich liegen hat. Wie soll man sich noch hinter dem Steuer zurechtfinden? Und dann ist da noch die Sache mit den Alternativen. Wer es dem Autofahrer unbequem macht, muss ihm auch Ausweichmöglichkeiten bieten. Zum Beispiel mit kostenlosem Nahverkehr und außerhalb der Stadt liegenden Parkplätzen, an denen man Auto und Motorrad stehenlassen kann.

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