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Folgen der Trockenheit: Schlechte Zeiten für Pilzsammler rund um Bonn

Folgen der Trockenheit : Schlechte Zeiten für Pilzsammler rund um Bonn

Eigentlich ist jetzt die Zeit für Pilzsammler. Nach der Trockenheit sieht es in Bonn und der Region aktuell aber noch mager aus. Ein Experte erklärt, wie sich die Lage noch bessern kann, und gibt Tipps für Sammler.

Für Pilzsammler war das Wetter in den vergangenen Monaten alles andere als optimal. Durch die Trockenheit sind die Wiesen und Wälder aktuell völlig leergefegt. Auch in Bonn und den umliegenden Kreisen werden Sammler nicht fündig. "Es wächst überhaupt noch nichts", sagt German Orth, Pilzsachverständiger aus Bonn. "So schlecht wie dieses Jahr war es noch nie", meint der Experte, der seit 2007 in der Funktion tätig ist. "Das zieht sich über den Kreis Ahrweiler bis in die Eifel und den Hunsrück."

Die Situation macht sich auch in seiner täglichen Arbeit bemerkbar, berichtet Orth. Sonst hätte er zwei bis drei Anrufe von Informationszentren oder Ärzten pro Tag, dass jemand sich an einem Pilz vergiftet habe. Aktuell bleibt sein Telefon diesbezüglich stumm.

Auch wenn das Wetter in den Sommermonaten nicht gut für die Pilze war, sollten Sammler den Herbst noch nicht ganz abschreiben, meint Orth. In den kommenden Wochen könnten Sammler doch noch fündig werden. Helfen kann nach Angaben des Experten nur eins: "Es muss viel regnen." Nach mehreren Tagen Niederschlag könne es sein, dass die Pilze plötzlich über Nacht aus dem Boden schießen. Möglich ist aber auch, dass sie an vielen Stellen überhaupt nicht wachsen. Das sei aber nicht vorherzusagen, so Orth.

Vorsicht beim Sammeln

Wer bei möglichen besseren Bedingungen in den kommenden Wochen doch noch Pilze sammeln möchte, sollte einige Dinge beachten. Nur ein Kilogramm Pilze pro Person dürfen täglich eingesammelt werden, und auch nur für den Eigenverbrauch. Sonst drohen Strafen, wie zwei Männer in Baden-Württemberg vergangene Woche erfahren mussten. 19 Kilo Steinpilze hatten sie in einem Wald gesammelt. Die Polizei erwischte sie und verhängte eine Strafe von 1700 Euro.

In Naturschutzgebieten dürfen Pilze überhaupt nicht aufgenommen werden, erklärt German Orth. Im Rhein-Sieg-Kreis zählen unter anderem die Wahner Heide und das Siebengebirge dazu. Auch stehen einige Pilze auf der roten Liste und dürfen ebenfalls nicht gesammelt werden. Neulingen rät der Experte daher, sich ein Pilzbuch anzuschaffen.

Geschützte und giftige Pilze

Neben den geschützten Pilzen können Sammler damit auch giftige Exemplare identifizieren. Auf den ersten Blick oder am Geruch sind diese nämlich nicht zu erkennen. "Giftige Pilze haben keine eindeutigen Erkennungsmerkmale", weiß der Experte.

Haben Sammler einen Pilz gefunden, muss dieser richtig geerntet werden. Bekannte Pilzarten können einfach abgeschnitten, gesäubert und in einen Korb gepackt werden. Wer eine unbekannte Art bestimmt haben möchte, sollte sie ganz ernten. Dazu drehen Sammler den Pilz vorsichtig am Stiel heraus und nehmen am besten ein junges, ein mittelaltes und ein älteres Exemplar mit. Diese sollten dann unbedingt getrennt vom anderen Sammelgut transportiert werden, da jeder unbekannte Pilz giftig sein kann.

Was tun bei Vergiftung?

Wem nach dem Verzehr von gesammelten Pilzen übel ist oder wer sich erbrechen muss, sollte sofort einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. Auch sollten die restlichen Pilze mitgebracht werden, damit Ärzte oder Pilzsachverständige sehen können, um welches Exemplar es sich handelt. Auch wenn manche Unverträglichkeiten harmloser sind, sollte bei einem Verdacht auf Vergiftung sofort gehandelt werden, raten Experten.